Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1850)
- Date
- 1850-11-25
- Page
- Seite 659 (sequence 7)
- Language
- German
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«Zs Israels niemals aufgehört sich zu helfen, beschloffen sie, ihnen ihr Mißgeschick zur Kenntniß zu bringen. Da Frankreich und Preußen damals die Feinde der Kaiserin waren, so konnten sie sich an ihre Glaubensgenossen in diesen Ländern nicht wenden; sie nahmen daher ihre Auflucht nur zu denen Großbcitaniens, der Niederlande, Polens und der Türkei. *) Alle empfanden großes Mitgefühl und entsprachen dem Aufruf; sie machten die größten Anstrengungen, um ihnen zu Hilfe zu kommen. In Holland überreichten die israelitischen Gemeinden von Amsterdam, Rotterdam und dem Haag den Generalsiaaten eine Adresse, in welcher sie darlegten, daß durch ein Edikt vom 18. Dezember 1744 die Königin von Ungarn und Böhmen die Juden zum letzten Januar 1745 aus Prag und dem ganzen Böhmerlande, obgleich sie schon 11 bis 12 Jahrhunderte in diesen Landern seßhaft seien, verbannt habe, und daß diese Verbannung den Juden der Niederlande großen Schaden zufügen würde. z) Die Generalstaaten beschlossen auch dem Baron Van Burmania, ihrem Gesandten am Hofe von Wien, zu schreiben, um seine guten Dienste anzuwenden, die Wirkung des besagten Edikts aufzuheben, und für den Fall, daß die Israeliten Böhmens beschuldigt würden, irgendwie ihren Pflichten zuwider gehandelt zu haben, zu fordern, daß sie sich vor einer Kommission vertheidigen könnten, ihre Unschuld geltend zu machen; er wurde selbst verpflichtet, von seiner Vermittelung Gebrauch zu machen, in dem Falle, wo sie für schuldig und der Ungnade Ihrer Majestät werth erkannt würden. England nahm auf die Schritte der Juden in London nicht minder die Angelegenheit der unglücklichen Verbannten zu Herzen, und befahl seinem Bevollmächtigten, dem Ritter Thomas Robinson, im Verein mit dem Baron Van Burmania zu handeln, um zu demselben Ziele zu gelangen. Diese vereinten Anstrengungen waren von keinem andern Erfolge gekrönt, als daß die Zeit der Verbannung bis zum letzten März hinausgeschoben wurde. Ohne eine Kommission zu ernennen, um sie zu richten, ohne selbst ihr Vergehen ihnen anzuzeigen, mußten 18,000 Israeliten, ') nwvp S. 18. 2) ir^atD, Amsterdam 1771, p. 146. Siehe auch Ue8oluti6n van de Hoog. Mog. Heeren slaalen generaal der Vereenigte Nederlanden von 1745. P. 146. 364. C. ausgenommen die Kranken, Wöchnerinnen und ihre Pfleger, Prag verlassen, vertheilten sich auf dem platten Lande und erwarteten, daß es ihnen nur gestattet sei bis zum Ende des Monats Juni im Königreiche zu verbleiben. Am Anfang des Monats März thaten die Israeliten Londons neue Schritte bei der englischen Regierung für ihre Glaubensgenossen. Es war damals, wo der König Georg II. durch Lord Harrington folgenden Brief an den Ritter Thomas Robinson, seinen Gesandten in Wien, schreiben ließ. II. Brief des Lord Harrington an denRitterTh. Robinson, auf Beseht des Königs von England. „Da es scheint, mein Herr, daß die Vorstellungen, welche Sie und Herr Van Burmania Befehl hatten zu Gunsten der Juden des Königreichs Böhmen und der anderen Erbstaaten Ihrer ungarischen Majestät zu machen, bis jetzt keine Wirkung gehabt, so schreibe ich Ihnen auf Beseht des Königs diesen Brief, um Ihnen zu sagen, daß es der Wille Sr. Majestät ist, daß Sie Ihrerseits die stärksten Einreden zu machen fortfahren, um den Widerruf der schrecklichen Sentenz zu erlangen, welche der Hof von Wien gegen so viele unschuldige Familien ausgesprochen hat. „Der König nimmt diese Sache sehr zu Herzen, und Seine Majestät läßt die Königin von Ungarn auf die dringlichste Weise bitten, Seiner Fürbitte die Gnade zu verwilligen, die Er zu deren Gunsten fordert. Er schmeichelt sich, mit um so mehr Grund, daß die Königin darein willigen werde, als es nicht nothwendig ist, ihr zu zeigen, wie sehr sie ihrem eigenen Interesse schadet, wenn sie in einem so strengen Beschlüsse verharrt, welchen die ganze Welt als einen unauslöschlichen Flecken ansehen würde, der der Gerechtigkeit und der Huld, welche diese Fürstin seit dem Beginn ihrer gemäßigten und billigen Regierung gezeigt hat, anhaften würde. Ich bin K." Whitehall, den 5. März 1745. Harrington. Da auch dieser Brief ohne Wirkung blieb, stellten die jüdischen Gemeinden der drei Städte Hollands von Neuem am 7. Mai 1745 den Generalstaaten die unglückliche Lage ihrer Glaubensgenossen dar. Diese schrieben abermals dem Van Burmania, um Alles aufzubieten, was in dieser wichtigen Angelegenheit möglich sei. Diese letzte Anstrengung, begleitet von lebhaften Empfeh-