Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-25 · Heft 48 (25.11.1850) · p. Seite 657

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 48 (25.11.1850)
Date
1850-11-25
Page
Seite 657 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225709--11400-3241508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

657 ausgezeichneten, aus den französischen Israeliten g t* wählten Männern anvertraut und ihnen die Erziehumg dieser in der muselmännischen Gesellschaft enterbisn Parias übergeben. Wohl! so darf es jetzt dem F-anatismus einig«: eingeborenen Rabbinen, deren Macht durch die neue Organisation vermindert worden, nicht gestatten, diesen Fortschritt aufzuhalten und die ziai.- lisirenden Anstrengungen zu untergraben." (Id.) —. Aus Straßburg schreibt ein französisches Blatt: „Herr Jerome Aron ist, nachdem er zwei Jahre die Funktionen als zweiter Professor der Geschichte in den Lyzeen unserer Stadl erfüllt hat, albgesetzt worden, weil er Israelit ist." „Wir wissen aus offizieller Quelle, daß der akademische Rath von Straßburg, in Betracht der Dienste, die dieser Beamte leistete, für ihn eine Gehaltszulage gefordert hat, daß die mit der Prüfung der Resultate seines Unterrichts beauftragten Inspektoren den Antrag des akademischen Rathes auf's Lebhafteste unlscstützte; daß der Rektor des Lyzeums ganz besonders im Interesse der Anstalt die Erhaltung des entsetzten Professors verlangt hat." „Als jüngst die Regierung einen Professor der Philosophie zu Napoleon-Vendee absetzte, weil er Israelit ist, schien sie gewissermaßen den Blitzen b>cs Bischofs von Luyon zu weichen. Jetzt macht sie stich ganz allein zur frommen Vollstreckerin des Werkes, indem sie einen Geschichtslehrer absetzt, auf dessen Rechnung nur Lobsprüche stehen, gegen den nicht der Schatten einer Klage von Seiten der Ortsgeistlichkeit erhoben worden, und der nur schuldig ist, dieser Glaeubrnsgenoffenschast anzugehören." So weit ist es in Frankreich gekommen! (Id.) Großbritanien. Manchester, im Oktober. Bei der jüngsten Preisvertheilung in der königlichen Medizinal- «nd Chirurgenschule erhielt ein junger Israelit, Naniims Heinrich Bertrand 1) den Ehrenpreis, bestehend in einer goldnen Medaille, 2) den ersten Preis für A«atomie, Physiologie und Pathologie, bestehend in einer silbernen Medaille, 3) den ersten Preis für theoretische und praktische Medizin, bestehend in einer silbemen Medaille, 4) den ersten Preis in der Chirurgie, bestehend in einer silbernen Medaille. Endlich berichHete noch ein Professor, daß Bertrand sicher auch cim-en sehr ausgezeichneten Preis in der Chemie erhalten hätte, wenn er nicht aus Delikatesse verweigert hätte darum zu konkurriren. —. Eine Deputation christlicherNotabeln erschien vor einigen Tagen bei Sir Moses Montcsiore, iuh einen Beitrag zur Erbauung einer Kirche zu erbitten. Sie kennen meine religiösen Ansichten, antwortete Sic Moses, ich kann Ihnen kein Geld zur Erbauung einer Kirche geben; aber hier sind 560 Guineen (3500 Thlcst, machen Sie damit was Sie wollen. (Id.) Kuriosum. In der Regel vergessen jüdische Künstler, wenn sie eine bedeutende Höhe erreicht haben, ihren Ursprung; auch der Rächet hat man nicht viel Anderes nachzusagen; um so eher wird man es recht' finden, etwas Näheres von einem jüngsten Benehmen derselben mitgetheilt zu sehen, worüber schon kurz referirt worden. — Gegen Eride Oktober wurde der Ort Untergrombach bei Bruchsal »wi der berühmten Rachel aus Paris besucht. Die Veranlassung hierzu war folgende: Eine alte Zudenfrau suchte vor ungefähr acht Jahren, weil ihr verstorbener Ehemann, von Untergrombach gewesen sein sollte, ihr Heimathsrecht hier auf und wurde, als gänzlich mittellos, von der isr>relitischen Gemeinde dahier unterstützt. Diese arme Frau stellte sich nun am 27. Oktober Morgens der Rachel in Mannheim als Tante (Schwester des Vaters Felix) vor und wurde von derselben mit ausnehmender Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit empfangen. Sie schämte sich der armen Verwandten nicht, und da sie gerade nachKiirLsruhe zu reisen im Begriff war, mußte die arme Fwu mit ihr in der ersten Wagenklasse bis hierher fahren. Wie zum Unterpfand ihrer Liebe übergab sie derselben eine sehr werthvolle, von ihr immer getragene goldene Uhr, auf deren Rückseite alle Stücke, in welchen die Künstlerin sich auszeichnel, in emaillirter Arbeit genü n.nt sind; mit dieser Gabe aber auch das Versprechen, dei ihrer Rückkehr von Karlsruhe sie in ihrer Hütte arifzusuchen. Sie hielt Wort. Gestern früh, als es k<rirm Tag geworden, war die gefeierte Bühnenkönigin bereits in Begleitung ihres Bruders, ihrer Schwester und Schwägerin von Karlsruhe hier angelangt und hatte die amt alte Frau in der kleinen ärmlichen Wohnung mit ihrem Besuche überglücklich gemacht. Die kurze Zeit des Älus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.