Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1850)
- Date
- 1850-11-25
- Page
- Seite 656 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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656 nahm freudig die angebotene Bruderhand an; es setzte mit einem Worte eine jede Gemeinde das, was ihr noch sonst lieb und worauf sie stolz sein mochte, ein zum Besten der gemeinsamen Sache, zum Besten der Verbindung und Verbrüderung der bisher getrennten Schulgemeinden. — Von dieser schönen echt menschlichen Thal legt nun die Feier an dieser Stätte Zeugniß ab. Wir sehen in ihr die Lehrer der Kirche und Synagoge neben einander stehen, sich die Hand zu gemeinsamem amtlichen Wirken an der einen Pflegeanstalt geistiger und sittlicher Bildung reichend; wir sehen in dem zur nächsten Leitung der Angelegenheiten der Schule berufenen Vorstand Genossen beider Religionen zu gleichem schönen Zweck verbunden, und wir sehen an diesem Orte, der sonst nur dem religiösen Bedürfniß der christlichen Gemeinde geweiht, jetzt zahlreiche Glieder beider Gemeinden versammelt, mit Brudersinn und Bruderliebe auf einander blickend und im Stillen sich zurufend: „Wir haben uns geeinigt in den Herzen unserer Kinder, wir wollen einig sein und einig bleiben in Allem, was unser und unserer Kinder Heil betrifft." Da aber, meine Zuhörer, wo solcher Sinn lebt, bedarf es nicht erst der Ermahnung und Ermunterung, da gestalten sich von selbst die Wünsche und Hoffnungen, die Hoffnungen zur frommen freudigen Zuversicht. Und so dürfen wir denn dem glücklichen Gedanken uns überlassen, daß zur Förderung unsrer vereinigten Schule Alles sich die Hände reichen werde, damit sie, geschützt von dem Arme des Staates, aber getragen und gepflegt von der Liebe beider Gemeinden, eine wahrhafte Heilanstalt werde, die da in diese noch an manchen Wunden leidende Stadt heraufführt eine schönere und glücklichere Zeit, wo Handel und Gewerbefleiß blühen und die Tugenden der Mäßigkeit, der Biederkeit, der Rechtlichkeit und vor Allem des gemeinnützigen, echt vaterländischen Sinnes heimisch sein werden, bei unseren Männern, wie bei unseren Frauen, bei unseren Jünglingen wie bei unseren Jungfrauen, in dem stillen Kreise unserer Familien, wie im öffentlichen Leben und Wirken, und das, was wir jetzt geschaffen, die Anerkennung aller Guten noch in späten Tagen finden werde, daß sie rühmen das Werk unserer Hände und wir uns desselben freuen können vor Menschen und vor unserm Schöpfer und Vater da droben. Amen. Frankreich. Paris, 15. November. Der israelitische Tempel von Paris ist Behufs Ausbesserungen geschlossen und ein provisorisches Lokal Rue Montmorency No. 20 geöffnet worden. Die Frage wegen Vereinigung der beiden Riten bleibt vorläufig ausgesetzt, da sie ohne einen zweiten Tempel nicht gelöst werden könnte. (Arck. i8r. de Fr.) —. In Algerien findet eine Empörung der eingeborenen Rabbincn gegen das algiersche Konsistorium statt. Der Großrabbine des Letztem, Herr Weil, hat den jüdischen Arbeitern das Arbeiten am wart bin erlaubt, und dagegen sind die einheimischen Rabbinen in dem französischen Journal l’Atlas furchtbar aufgetreten. Der Großrabbine hat geantwortet. Jndeß haben die einheimischen Rabbinen, von Fanatikern unterstützt, eine Bittschrift an die Nationalversammlung wegen Unterdrückung der algierschen Konsistorien gerichtet; sie sagen darin, die jetzige Organisation verletze das Religionsgesetz und so ihre Gewissen. Natürlich daß die öffentliche Meinung auf Seiten des Großrabbinen ist, und die Journale fordern die Regierung auf, jenen Fanatikern, die bei dem ersten Leuchten des Tages ihre Macht über die Gemeinden gefährdet glauben, zu widerstehen. „Die jüdische Bevölkerung," sagt La Semaine, „ist in Afrika von großer Bedeutung; unter den Tribus (arabischen Stämmen) zerstreut, lebt sie bei mehreren auf dem Fuße vollkommner Gleichheit, die Erde bearbeitend, den Arm mit dem Karabiner oder dem Fliffah der Kabylen bewaffnend; durch sie wird uns der Handelsweg in das Innere Afrika's eröffnet werden; die jüdischen Handelsleute dringen in die Wüste ein bis zu jenem geheimnißvollen Timbectau, das uns nur durch mehr oder weniger wahre Berichte bekannt ist; Stämme von schwarzen Juden ziehen am Saume der Sahara umher. Jedenfalls vergißt Frankreich niemals, daß es die fruchtbare Mutter der Zivilisation ist; wir haben die Juden in Algerien unterdrückt, elend, niedergebeugt durch die Sklaverei und die Erniedrigung gefunden, konnten aber dennoch ihnen das Zeugniß einer merkwürdigen Intelligenz ausstellen. Frankreich hat den ruhmwürdigen Versuch unternommen, sie zu rehabilitiren, die Bande ihrer Vorurtheile und Unwissenheit zu zerbrechen, die Gefühle der Würde und Ehre in ihnen wieder zu wecken; es hat diese edle Mission