Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1850)
- Date
- 1850-11-25
- Page
- Seite 655 (sequence 3)
- Language
- German
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655 welche Letztere am laha rsib zum ersten Mal hier stattfand, hinzugekommen ist. Zwar hört derselbe lieber von Konform als von Reform sprechen, doch hat derselbe, bei seiner tiefen Religiosität, schon so manche Verbesserung in der Synagogenordnung daselbst getroffen, und erwähnen wir blos für diesmal die schöne Einrichtung: dasrnu« pnv und rD-a beim Sabbat-Mincha-Gottesdicnst nicht zwischen der n-nvV und sondern vor Anfang des Gottesdienstes vom Vorbeter laut und anständig vortragen zu lassen, von der Gemeinde aber nur leise gesagt werden darf. Was die Jugend anbelangt, so giebt Herr Rabbiner Jadesohn derselben täglich 2 Stunden in der öffentlichen Elementarschule, und ist die letzte Prüfung zur Zufriedenheit aller Anwesenden ausgefallen. D-L. Werwar, im Oktober. Die „Didaskalia" enthält folgenden Artikel: Sie haben bereits in Ihrem Blatte der in unserm Großherzogthum, und zwar zunächst in der Stadt Lengefeld vollbrachten Vereinigung der christlichen und jüdischen Schule zu einer Bürgerschule, wo, mit Ausnahme des Religionsunterrichtes, die christlichen und jüdischen Lehrer den Kindern beider Konfessionen Unterricht ertheilen, gedacht. Am letzten Sonntage fand nun die Einführung sämmtlicher Lehrer (drei christliche und drei jüdische) und zwar mit Zustimmung beider Gemeinden in der Kirche statt. Bei dieser Gelegenheit sprachen sowol der als Kanzelredner, wie als Dichter rühmlichst bekannte Superintendent Schreiber, wie der Landrabbiner l)r. Heß aus Eisenach, eindringende Worte über die große und humane Bedeutung der Vereinigung. Von beiden Reden dürfte nur die des Letztem deshalb eine Stelle in Ihrer der Förderung der Humanität gewidmeten Didaskalia finden, als sie wahrscheinlich die ersten von einem jüdischen Geistlichen in einer christlichen Kirche gesprochenen Worte sind: Wenn ich mir — begann der Redner — gestatte, zu dem treffenden Vortrage unsers Herrn Superintendenten einige Worte hinzuzufügen, so geschieht es nur, um im Namen der religiösen Gemeinschaft, die ich vertrete, um im Namen der jüdischen Kirche, die Empfindungen der Freude und des Dankes gegen Gott auszusprechen, welche auch uns beim Anblick der heutigen Feier beseelen! Ja, es hat die neue Zeit Großes und Edles hervorgebracht, große und heilige Gedanken in der Brust des deutschen Volkes geweckt. Aber unter allen diesen Gedanken ist doch keiner größer, erhabener, edler, heiliger, als der „der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetze ohne Unterschied des Standes, der Geburt und vor Allem des Glaubens und der Religion", denn diese Gleichheit riß auf einmal die Scheidewand nieder, welche die Jrrthümer und Vorurtheile einer frühem Zeit zwischen Menschen und Menschen errichtet. Diese Gleichheit brachte Gottes Gesetz, das kein Ansehen der Personen kennt, zur Herrschaft, auch in menschlichen Kreisen, diese Gleichheit machte das Gebot der Liebe, welches Kirche und Synagoge als ihr Grundgesetz betrachten, erst zur Wahrheit, zur lebensvollen Wirklichkeit in der göttlich menschlichen Ordnung, die uns im Staate und der bürgerlichen Gesellschaft gegeben. Sollte diese Wahrheit aber so recht Wurzel fassen, sollte sie nicht blos in dem politischen Katechismus der Gegenwart stehen, sondern ihren Weg in das Gcmüth finden, dem kommenden Geschlechts ein Heiligthum bleiben, so mußte sie vor Allem bei der Bildung des künftigen Geschlechts, bei den Anstalten der Erziehung und des Unterrichts, zur Anwendung kommen, so mußte der Staat hier sein großes Erlösungsrvort sprechen, und diese bisher: einseitig dem kirchlichen Verbände gehörenden Anstalten zu den ©einigen erheben, damit schon frühzeitig, die Jugend verschiedenen Bekenntnisses sich als Menschen einig fühle, als Solche als Gleichberechtigte eines und desselben Vaterlandes sich achten und lieben lernen. — Das nun, meine Zuhörer, ist Dank der göttlichen Vorsehung in unserm engern Vaterlande zu« Ausführung gekommen, es sind die beiden getrennten Schulen dieser Stadt zu einer einigen Anstalt d«i Bildung und Gesittung verbunden worden, und «s ist dies nicht etwa durch Zwang von oben geschehe», nein! nur die Anregung kam von oben, die Bereitwilligkeit zur Ausführung aber trugen beide Gemeinden der Staatsbehörde entgegen. Es sah die christliche Gemeinde hinweg von dem Vorrechte ihres Atters und ihrer größer» Zahl, und zeigte sich bereit z»> dem Gleichheitsbund mit ihrer jüdischen, früher kaum geduldeten Schwester; es sah aber auch die jüdische Gemeinde von dem Bedenken hinweg, welches manche Strenggläubige in ihrer Mitte haben mochten, fth auch nicht darauf, daß sie durch das glücklichere Vmhaltniß der Lehrenden zu der bescheidenen Zahl der Lernenden gegenwärtig im Vortheile war, sondern