Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1850)
- Date
- 1850-11-25
- Page
- Seite 654 (sequence 2)
- Language
- German
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654 gegangen. Auch von praktischem Standpunkte aus betrachtet, dürfte die beabsichtigte Anordnung keine glückliche zu nennen sein, da vorauszusehen ist, daß die Gemeinden, Falls die Einberufenen nicht ihres Vertrauens sich erfreuten, mit ihrer Meinung gewiß nicht zurückhalten werden, und da die Regierung von dem löblichen Entschluß beseelt ist, in religiöser Beziehung Nichts gegen den Wunsch der Gemeinden zu verfügen — so würde die beabsichtigte Synode schwerlich zum Ziele führen. Es wäre daher zu wünschen, daß die Gemeinden in ihrem eignen Jntereffe rechtzeitig sich aussprechen, sie würden dadurch auch der Regierung selbst einen willkommnen Dienst leisten. Denn daß die Regierung für uns das Gute und Ersprießliche will, darüber herrscht kein Zweifel. Die Schwierigkeit liegt nur im Aufsuchen der gehörigen Organe zur gegenseitigen Verständigung. Einer entschieden günstigen Ausnahme erfreut sich die Verheißung, daß die einzuberufende Versammlung zur Hälfte aus Laien bestehen soll; nur so kann einem etwaigen Geschrei gegen Hierarchie rc. im Voraus begegnet werden. Prag, im November. Beim Antritt seines Amtes hat der neue Bürgermeister vr. Wanka 100 Fl. für die jüdischen Armen übersandt. Deutschland. Berlin, im November. (Jahresbericht des Vorschußvereins für Mitglieder der jüdischen Gemeinde zu Berlin.) Der Vorschußverein für Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde hielt am 24. d. M. seine vierte jährliche Generalversammlung ab. Auch in dem verflossenen Jahre (1849) hat der Verein seinen Kräften Angemessenes geleistet; er hat von 112 Gesuchen 96 mit einer Summe von 3540 Thlr. bewilligt; überhaupt seit seinem Entstehen (Sommer 1846) bis Ende 1849 in Allem 353 Darlehen mit 13,025 Thlr. gewährt. — Von den Darleihern gehörten 187 dem Handwerker- und 166 dem Handclsstande und diversen anderen Standen an. — Das Gesammtvermögen des Vereins besteht gegenwärtig in 2091 Thlr. 11 Sgr. 6 Pf. — Mitglieder zählt derselbe 76 wirkliche und 19, welche theils monatliche, theils jährliche Beiträge leisten. — Bei der großen Hilfe, welche ärmeren Gemeindemitgliedern durch diesen Verein geleistet wird, würde eine regere Theilnahme begüterter Mitglieder sehr erwünscht sein. Berlin, im April 1850. Wilhelm Caspari, Vorsteher. Julius Rosenberg, Sekretär. Philipp Liebermann, Kassirer. Louis Joachimsthal, Stellvertreter des Vorstehers. 9r. mell. Jonas, Stellvertreter des Sekretärs. N. Markus, Stellvertreter des Kassirers. Die Beisitzer: Kommerzienrath Steinthal. Julius Levy. M. S. Baswitz. W. Nathan. Siegm. Goldschmidt. Meyer Magnus. Heinrich Henoch. *) Berlin, 18. November. Sachs geht nun sicher nach Frankfurt am Main mit einem Gehalte von 4000 Fl. an die von Rothschild gestiftete Gemeinde. — In Posen soll Behufs der Gemeinderathswahlen eine Verständigung der Polen, Juden und Deutschen stattgefundcn haben. — In Königsberg gab eine, einem jüdischen Landwehrmann zugefügte Beleidigung Veranlassung zu einem bedeutenden Auflauf. Köln, 15. November. Bei den in diesen Tagen allhier stattgefundenen außerordentlichen Feierlichkeiten zu Ehren des zum Kardinal erhobenen Erzbischofs von Köln war auch die Synagoge illuminirt und das Transparent mit dem Spruche des Talmuds geschmückt: „Die Frommen aller Rationen werden der Seligkeit theilhaft." Man kann die Sinnigkeit dieser Wahl wol nur bewundern, da hiermit die Synagoge, ohne sich das Geringste zu vergeben, eine Huldigung aussprach, und zugleich einen Grundsatz verkündete, der anderen Konfessionen noch fehlt. Aus dem gnesener Kreise, im November. (Berichtigung.) Der Referent aus dem Posenschen hat in dieser Zeitung No. 42 zu den Städten dritten Ranges auch Czernicjewo gezählt, und dabei bemerkt, daß sie weiter Nichts haben, als deutsche Predigt. Was diese Gemeinde betrifft, erlauben wir uns diese Bemerkung dahin zu berichtigen, daß in ihr die Trauung in der Synagoge schon seit undenklichen Zeiten existirt, und durch die Anstellung des Herrn Jadesohn zu ihrem Rabbiner auch noch die Traurede und Konfirmation, *) Sehr angenehm wäre uns einmal ein Bericht, welche Erfahrungen sich über die Rückzahlungen der geleisteten Vorschüsse Herausstellen.' Redakt.