Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1850)
- Date
- 1850-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIV. Jahrgang, No. 48. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von BaumgärtnerS Buchhandlung zu Leipzig. Leipzig, den 25. November 1850. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 Va Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Zeitungsnachrichtenr OesterreichischerKaiserstaat: Krakau, Wien, Prag, Prag. Deutschland: Berlin, Berlin, Köln, aus dem gnesener Kreise, Weimar. Frankreich: Paris. Großbritanien: Manchester. Kuriosum. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Episode aus dem 18ten Jahrhundert. Literarische Nachrichten: Magdeburg. Zeitungsnachrichten. Oesterreichischer Kaiserstaat. Krakau, 12. November. (Ll.) Endlich ist die schon längst stattgehabte Wahl für die hiesige Handels¬ und Gewerbekammer bekannt worden. Das Resultat ist ein höchst erfreuliches und findet allgemein die vollständigste Anerkennung. Besonders ist der Umstand hervorzuheben, daß in die erwähnte Kammer drei Israeliten gewählt wurden, was zu der Hoffnung berechtigt, daß endlich die feindlich gegenüberstehendcn Parteien der christlichen und jüdischen Kaufleute sich aussöhnen werden, wenn, wie zu erwarten ist, die eine Partei durch einiges Nachgeben und die andere durch bescheidene Ansprüche sich die Hände zum Frieden und zum beiderseitigen Besten bieten werden. Wie», 15. November. Dem Vernehmen nach ist es im Anträge, hier ein Waisenhaus für israelitische Waisenkinder zu errichten. Prag, 12. November. (Privatmitth.) Die letzten Jahre haben inmitten der jüdischen Gemeinden Deutschlands so viel Unerquickliches zu Tage gefördert, so daß jeder von wahrhaft israelitischem Bewußtsein Beseelte sich mit Wehmuth von den öffentlichen Zuständen abwandte. Zwar was die hiesige Gemeinde speziell betrifft, so war ihr Zustand keineswegs bis zu dem Grade von Verwirrung und Widerwärtigkeit gediehen, wie in den meisten anderen großen Gemeinden Deutschlands. Indessen konnte es nicht fehlen, daß die Wirren in den Landgemeinden momentan auch auf den Fortgang der Regelung der Gemeinde der Hauptstadt störend einwirkten. Jetzt ist Alles auf die Einberufung der s. g. Vertrauensmänner gespannt. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird die Wahl dieser Männer nicht von den Gemeinden ausgehen; ob unter solchen Bewandtnissen zu erwarten steht, daß sämmtliche Einberufene das Vertrauen ihrer Gemeinden besitzen würden — ist eine Frage, die nur die Zeit beantworten kann. Es trübt dieser Umstand die Stimmung der Einsichtigen um so mehr, als es eine allgemein bekannte Wahrheit ist, daß gerade die Vertrauenswürdigen und wahrhaft Berufenen still und bescheiden daheim bleiben, und nicht in den Schreibstuben der Beamten sich herumtreiben, zu Allem und Jedem sich selbst anbietend — sapienti sat! Wie die Sachen jetzt stehen, könnten nur diejenigen Männer als wahrhafte Vertrauensmänner der Gemeinden gelten, die aus einer freien Wahl der Letztem hervor-