Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1850)
- Date
- 1850-11-18
- Page
- Seite 641 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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641 der Annahme mich auch zur christlichen Religion bekennen müßte, was mir wol bei meinem Bildungsgänge nur zustehen könnte. ... Es versteht sich von selbst, daß ich dem Herrn Professor sofort eröffnete, daß es thöricht von mir gewesen, hieran nicht gleich zu denken, indem irch bei solcher Bedingung die Ablehnung des ganzen Antrags von selbst verstünde.. .. Der Professor stutzte. Da ich seinen Blick betroffen auf mir ruhen sah, fügte ich hinzu: Wer, Herr Professor, könnte die Macht der Geschichte besser verstehen, als Sie? mehr würdigen, als Sie? Die Macht der Geschichte ist es aber, daß der Einzelne die Konfession, in die ihn die Geschichte seines Geschlechtes und seine eigene Lebensgeschichte einweist, nicht aufgebe.... Er faßte meine Hand, drückte sie, und sprach: „Junger Mann, ich achte sie!" . .. Damit hat er mir, was man so nennt, einen ehrenvollen Abschied gegeben. Ich werde wol seine Thee's nicht Wiedersehen. Glaube nicht, liebe Mutter, daß mir die Entsagung dieses scheinbaren Glückes um meiner Religion willen irgend einen Kampf bereitete. Und hatte es sich noch in tausend schönere Farben gekleidet, es würde dies nicht der Fall sein. Denn giebt man um keinen Preis seine Hand oder seinen Fuß hin, wie sollte dies wol der Geist mit seinem edelsten Inhalte thun? Ich zauderte, ich zögerte nicht, und darum litt ich auch nicht. Allerdings machte mich der Borgang etwas ernst. Wenn ich auch in unserm Städtchen immer gefunden, daß die Religion, der wir angehören, in den mannichfalngsten Verhältnissen uns hemmend in den Weg tritt: so hatte ich mir doch vorgestellt, daß auf dem freiern Gebiete der höhern Wissenschaft dies nicht der Fall sei, daß diese wie eine freie Freimauerei sei, wo sich die Jünger der Wissenschaft ohne äußere Spaltungen trafen. Ich hatte gedacht, daß, wenn auch der Staat durch sein formelles Gesetz noch Hindernisse bietet, doch in allen freieren Verhältnissen ein freier Geist lebe. Was craumt sich die Jugend nicht Alles? Ich habe nunmehr erfahren, daß dies nicht der Fall sei, daß auch hier der Paß vorgewiesen werden müsse, worin das Signalement auch die Rubrik „Religion" aufweiset, und daß, wenn an Städten und Dörfern der alte Schlagbaum: „hier passirt kein Jude!" gefallen ist, auf den Straßen der Wissenschaft noch wohl befestigt steht. Diese Erfahrung that mir wehe, aber nicht aus meiner Person heraus, sondern auS dem Allgemeinen. Auch das machte mich stutzig, daß jener Professor den Uebergang des wissentschastlichen Juden zum Christenthume wie Etwas von selbst sich Verstehendes ansah. Freilich, konnte ich es ihm am Ende nicht ganz verdenken, da ec zu viele sprechende Beispiele für sich hat. Besteht doch ein guter Theil auch der hiesigen Professoren aus getauften Juden.... Ernst stimmte mich dieser Vorgang allerdings auch darum, weil ich daraus entnehmen mußte, -aß mir eine Karriere mit den bedeutendsten Schwierigkeiten verbunden sein, und daß ich auf den gewöhnlich betretenen Pfaden nicht weiter gelangen werde. ... Wir jrrngen Leuten denken uns immer, ach, bis Du fertig bist und Ansprüche wirst machen können, werden sich die Verhältnisse schon zum Guten und Günstigen verändert h-aben; und so fahren wir darauf los, um spater ohne Kvmpaß und Ziel in die offene See uns versetzt zu sehen. ... Denn die Verhältnisse, wie ich sehe, andern sich nicht so schnell, weil sie zu tief gewurzelt sind, und — twfe Erfahrung soll mir deshalb ihre Früchte tragen. Das sichre ich Dir zu, theure Mutter. Ich muß zu festen Plänen für die Zukunft kommen — dann aber vertraue ich das, was da kommen soll, dem an, der es allein anordnet und zutheilt.. >. O, lebet wohl, Ihr Theun«! (Fortsetzun g folgt.) Anzeigen. In demselben werden Annonce» aller Art gegen llU Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. r. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bekanntmachung. In Folge der durch das« Ableben des geistlichen Beamten Bernays, geehrten Andenkens, erngetretenen Vakanz, eröffnet die deutsch-israelitische Gemeinde in Hamburg hiemit eine Konkurrenz für die Besetzung des Amts eines More Iedek. Aspiranten, welche im Besitz des Diploms mni-t iiamn sind, haben sich bis zum 1. Januar 1851 bei dem Vorsteherkollegium der genannten Gemeinde schriftlich zu melden, um die näheren Bestimmungen zu erfahren. Nur auf deutsche Bewertet kann Rücksicht genommen werden. Hamburg, im Oktober 1850. Von Ostern d. I. ist in Weh lau die Stelle eines Vorbeters, Schächters und Lehrers vakant. Derselbe muß im Stande sein, religiöse Vertrage zu halten, und den deutschen Unterricht zu leite«. Die Stelle ist mit einem