Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1850)
- Date
- 1850-11-18
- Page
- Seite 648 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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648 so wie in allen übrigen Kenntnissen, die für den israelitischen Schul- und Synagogendienst erforderlich sind. Ferner ertheilt Referent den Unterricht in der Pädagogik, Didaktik und Methodik; wobei derselbe von dem sich immer mehr Anerkennung verschaffenden Grundsätze ausgeht, daß hierin die Praxis nicht allzusehr von der Theorie getrennt werde, oder gar erst — nach Vollendung dieser — in dem letzten der Borbereitungsjahre Nachfolgen dürste. Im Gegentheile kann es nur die spätere Berufsthätigkeit angehender Lehrer erleichtern, wenn ihnen bei der Erwerbung der Schulwiffenschaften zugleich praktisch gezeigt — und von ihnen selbst bald möglichst nachgeahmt wird — wie viel von jedem Lehrgegenstande und auf welche Weise derselbe den Schulkindern mitgetheilt werden müsse, wenn dies einst zum wirklichen Eigenthum der Jugend werden soll; ebenso ist es des Unterzeichneten volle Ueberzeugung, daß jeder Seminarlehrcr ein praktischer Schulmann in der ganzen Bedeutung dieses Wortes sein und die von ihm vorzutragenden Lehrgegenstände so populär, als befände sich die Schuljugend selbst unter seinen Zuhörern, behandeln müsse, wenn er anders keine unpraktische Vielwisser, sondern immer mehr tüchtige Jugendlehrer heranbilden will! In dem israelitischen Seminare beginnen darum die praktischen Uebungen von Seiten der Schuladspiranten schon im ersten Jahre des dreijährigen Kursus; freilich stufenweise fortschreitend, von den leichteren, mehr mechanischen Unterrichtssertigkeiten zu der auf Geist und Herz wirkenden Behandlungsweise der Religionslehre und Geschichte; wobei die Bibel sowol nach ihrem sprachlichen Gewände, als auch nach ihrem moralisch-religiösen Inhalte mit den letztgenannten Wissenschaften Hand in Hand geht, wie Solches in den spater in diesen Blattern zu veröffentlichenden Lehr- und Stundenplänen des bereits abgelaufenen ersten Zyklus von 3 Jahren zur Genüge hervorgehen wird. Schließlich wollen wir noch über die Frequenz und die — wenn auch noch unbedeutende — Früchte dieser neuen Anstalt berichten! „Aller Anfang ist schwer!" sagt schon ein altes Sprichwort; umsomehr aber, wenn stürmische Zeiten das stille und gedeihliche Wachsthum einer jungen Pflanzung zu verhindern geeignet waren! Es hatten sich nämlich Anfangs nur ganz mittellose Jünglinge zur Aufnahme in die Anstalt gemeldet; so daß der größere Theil der hierzu verwilligten öffentlichen Fonds zu Stipendien verwendet werden mußte; wobei noch in der ersten Zeit immer Einer Freitische bei den hiesigen Israeliten — welche in Betracht, daß sie durch die praktische Betheiligung der Adspiranten am Schulunterrichte, einen besondern Lehrgehilfen für die untere Abtheilung der israelitischen Schüler zu besolden ersparten, hierzu von der Staatsbehörde angehalten wurden — erhalten hatte. Allein die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Verpflegungsweise, so wie das Logiren der Adspiranten in anderen Häusern nachtheilig auf die moralische Veredlung und die Festigung des beruflichen Charakters dieser Jünglinge wirkte; weshalb seit dem Jahre 1848 diese Freitische aufhörten und die sammtlichen Adspiranten im Hause des Direktors der Anstalt einlogirt werden, somit unter ständiger Aufsicht und Leitung desselben stehen. Im Laufe der verwichenen drei Jahre gingen nur 5 solche Jünglinge als Kandidaten des israelitischen Religionslehramtes aus der Anstalt hervor, welche bereits Anstellungen gefunden haben. Ja, dem israelitischen Religionsseminarium ist während dieser Zeit die Genugthuung geworden, daß seine Zöglinge von mehren und mitunter auch gerade von jenen Gemeinden und deren Vorstehern verlangt wurden, welche im ersten Sturmanlauf des Jahres 1848 dieses gewiß nur heilsame Institut einzig und allein deshalb stürzen mochten, weil sie fälschlich glaubten, die dafür bewilligten Fonds flössen aus den Steuerbeitragen zur israelitischen Zentralkultuskasse, welcher pöbelhafte Eigennutz zu jener Zeit um so weniger ausfallend war, als man auch in unsrer Nahe Realschulen wollte eingehen lassen, wenn man dergleichen sparsamen Lenkern der Gemeinden nicht mittelst Zahlen nachgewiesen hätte, daß diese Schute durch die namhaften Zuschüsse aus Staatsfonds und das bloße Schulgeld, also ohne besondern Aufwand aus der Gemeindekasse, bestehe! Jenen Erfolg für das israelitische Seminarium hat dann auch bei der jüdischen Bevölkerung im Herzogthume die gute Wirkung gehabt, daß nunmehr auch etwas bemittelte Eltern ihre hiezu beanlagten Söhne in die Anstalt senden; so, daß in der Folge regelmäßig kaum die Halste der bewilligten Fonds zu Stipendien verwendet, dafür aber die Anstalt selbst und namentlich deren Bibliothek besser bedacht werden kann, von welcher Letztem wir späterhin ein Verzeichniß in diesen Blättern mittheilen werden. Für den neuen Kursus waren sieben, theils arme, und theils etwas bemittelte Jünglinge angemeldet; wo-