Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1850)
- Date
- 1850-11-18
- Page
- Seite 645 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Banat 1× ep/1272623
- Komárom 1× ep/1047609
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645 Leiden, welche aus der Niederlage hervorgehen mußten, mittrug, daß auch die jüdischen Honveds in die k. Armee eingereiht wurden, daß auch viele kompromittirte Juden nur durch die Flucht in's Ausland ihr Leben oder ihre Freiheit sicherten, daß auch die jüdischen Handelsmänner durch Entwerthung der Kossuthnoten Ungeheuern Schaden erlitten, versteht sich wol von selbst. Eine nähere Skizzirung dieser Leiden gehört nicht hierher, weil diese den Juden nicht als Juden, sondern als Einwohner Ungarns trafen, so wie die unglücklichen Juden, welche unter den Metzeleien in Bacska, im Banat und in Siebenbürgen ihr Leben oder ihr Vermögen cinbüßten, nicht als Juden, sondern mit ihren christlichen Nachbarn als Nichtraitzen, Nichtserben und Nichtwallachen litten. Doch dürfte woleine Erwähnung jener jüdischen Geistlichen gefordert werden, welche wegen Vergehen, die sie angeblich oder wirklich auf der Kanzel im Interesse der Revolution begangen, von der siegenden Regierung bestraft wurden. Mit Freuden berichten wir es: die Zahl dieser Unglücklichen war im Verhältniß zu denen anderer Konfessionen sehr gering. 8. Schwab, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Pesth, wurde zu dreimonatlicher Freiheitsstrafe verurlheilt, ihm aber die bis zur Fällung des Urtheils bereits überstandene sechswöchentliche Untersuchungshaft mit in Anschlag gebracht. L. Löw, Rabbiner zu Papa, hatte eine neunwöchentliche Untersuchungshaft zu bestehen, nach welcher er als unschuldig freigcsprochen wurde. I. Einhorn, Rabbiner der israelitischen Reformgenossenschaft zu Pesth, verließ beim Einzuge Haynau's diese Stadt und entkam später glücklich nach Komorn, wo er vom Fcstungskommandanten Klapka zum Feldpater (dem einzigen israelitischen in der ganzen ungarischen Armee) ernannt, und als Solcher zur komorner Festungsbesatzung gehörend, in Folge der bekannten komorner Kapitulationsbedingniffe amnestirt wurde, es jedoch, als nach 2—3 Monaten die komorner Bedingniffe nicht sehr skrupulös gehalten und mehre Kapitulanten assentirt oder anderweitig bestraft wurden, rathsam fand, in's Ausland zu gehen, wo er noch gegenwärtig weilt. Die zwei Erstgenannten haben ihre geistlichen Funktionen bereits wieder angetreten. — Dr. S. M. Schiller, früher Prediger in Eperies, war während der Revolution ohne Amt, konnte also für sie nicht auf der Kanzel und mit der Zunge wirken, that es aber wol auf anderem Gebiete. Wir sprachen einander zum letzten Mal am 2. August 1849 bei der Räumung Szcgedins, wo Schiller als Korporal im 3. Pionierkvrps stand und beim Abtragen der dortigen Theißd-rücke wacker arbeitete. (Er ist jetzt in England.) — M. Brück, Prediger zu Lugos, und bekannt als Versusser mehrerer interessanter Schriften über das Zerenionialgesetz, mußte wegen der Metzeleien der Wallachen sammt seiner Gemeinde flüchten, und war später bi einer Vcrpslegungskanzlei als Geschäftsführer mit Hauptmannsrang angestellt. Er starb in den letzten Iulitagen 1849 in Szegedin an der Cholera. Wenden wir schließlich den Blick von der jüngsten Vergangenheit auf die nächste Zukunft, so begegnen wir einem viel freundlichem Bilde, das des Schönen und Guten so viel zeigt, daß es nicht wenig dazu beitragen wird, uns die herben Wunden verschmerzen, das arge Leid bald vergessen zu lassen. Der ungarische Jude hat durch die Revolution viel, ungemein viel gewonnen. Vor Allem, wie auch seine außerungarischen Glaubensgenossen, jenes unschätzbare Gut, dem er lange vergeblich nachgestrebt: die Emanzipation. Wie viele Jahrzehnte ermüdenden Kampfes hatte dies, ohne Dazwischenkunft der Märzbewegung noch beansprucht? Er hat cs jetzt im Fluge errungen. Die Idee der Gleichberechtigung aller Menschen hat im Laufe der letzten zwei Jahre solch' allgemeine Verbreitung und Anerkennung gefunden, daß ihre Verwerfung nicht mehr zu fürchten ist. Auch wo seit letzter Zeit die Reaktion wieder vollends gesiegt, hat sie es weder gewagt, noch gewollt, dieses Fundament alles Rechts anzutasten. Am Wenigsten ist dies von der österreichischen Regierung zu fürchten, die seit dem 4. Marz 1849 bereits durch viele eklatante Beispiele zeigte, daß es ihr unerschütterlichster Wille ist: den ersten Paragraphen des Oktroi zur vollen Wahrheit zu machen. Durch die blutigen Kämpfe, welche der Märzbewegung folgten, hat aber der ungarische Jude noch das gewonnen, daß die Idee der Gleichstellung nicht blos im Gesetz, sondern auch im Bewußtsein des Volkes feste Wurzel geschlagen. Die gemeinsamen Kämpfe, die gemeinsamen Kricgsleiden und Freuden haben das Band zwischen Jude und Christ enggeschlossen. Der Bund der Freundschaft und Verbrüderung ist durch das auf Einer Wahlstätte verspritzte Blut fest und innig gekittet worden. Der alte Judenhaß ist geschwunden, und einige unrettbar verknöcherte