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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-11 · Heft 46 (11.11.1850) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 46 (11.11.1850)
Date
1850-11-11
Page
Seite 634 (sequence 6)
Language
German
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684 fremdender mußte es erscheinen, daß Herr F. nach der von ihm in seiner historischen Denkschrift über das Hebräische gemachte Mittheilung (Seite 65) in das Ressort seiner Amtsbrüder, die, beiläufig gesagt, wenig oder gar nicht mit ihm verkehren, einzugreifen wagt und befugt ist. Halten wir uns nun auch noch einige Augenblicke bei der Denkschrift selbst aus. Das liebe Ich des Verfassers ist darin wahrlich nicht vergessen. Wie leicht geht derselbe inden sieben Abschnitten über die Thätigkeit seiner Amtsbrüder hinweg, wahrend er mit sichtlichem Wohlbehagen bei seinen Lehrgegenständen verweilt und sich da wie ein mm plus ultra im Schulfache gerirt, worin er doch nur Jünger ist. Wenn cs wahr ist, daß auf Herrn Fs. Veranlassung die Stundenzahl im Hebräischen auf sieben reduzirt ist, so möchten wir ihm Zurufen: 8i tacuisses pliilosoplius mnnsisses. Für ein jüdisches Lehrerseminar, und somit auch für unser Institut, sollte nach meinem Dafürhalten der Unterricht im Hebräischen, worin, wohl bemerkt, der Herr Oberlehrer 6. in jeder Beziehung sehr ausgedehnte und jedenfalls weit umfassendere Kenntnisse besitzt, Eines der Hauptlehrfächer sein, um so mehr als dies Feld so groß und von den Meisten der Zöglinge bei ihrer Aufnahme noch so bitter wenig angebaut ist. Ich mag mich indeß über diesen Punkt so wie über die anderen Disziplinen aus zarten Rücksichten gegen das Institut und dessen hochgefeierten Dirigenten nicht weiter verbreiten und bemerke nur noch: 1) Die Konfirmation war schon früher hier eingesührt und auf erhabene, der Friedlanderschen Nichts nachgebenden Weise vom Vereinslehrer Herrn W. vollzogen, der, wie jeder tüchtige Religionslehrer, ebenso wenig „etwas Eingeschultes als ein zugerichtetes Schaustück^ mit seinen Konfirmanden produzirte. Worin sich übrigens die Frucht der Friedländerschen Konfirmation so besonders bewährt, vermag ich nicht anzugeben und wenn irgend Etwas, so ist diese Phrase leere Ruhmredigkeit. 2) Die Anregung der projektirten Stiftungsfeier ging, zur Steuer der Wahrheit sei es gesagt, nicht von Herrn F. aus. Tübingen, im November. (Privatmitth.) Ich befinde mich hier im württemberger Lande, in welchem in diesem Augenblicke wenigstens noch die deutschen Grundrechte geltend sind, in welchem, was noch viel mehr sagen will, die Duldung und Gleichberechtigung seit langerZeit schöne Triumphe gefeiert, tiefgewurzelt hat. Und gerade in Tübingen werde ich daran erinnert, daß der gerühmte Geist der Neuzeit noch lange Zeit nicht überall im deutschen Vaterlande zur Herrschaft gelangt ist, daß nicht blos im großen „Vaterlande des Deutschen", sondern in kleinern Lande dicht neben einander der verschiedenste Geist sich bethätigt. Wie nahe ist Stuttgart der Universitätsstadt Tübingen — und welch andrer Geist wehet an beiden Orten! In Stuttgart kaum eine Spur von Religionshaß noch, und in Tübingen — darf noch heute kein Jude wohnen. Er darf gesetzlich wol, aber faktisch darf er es nicht wagen, ich glaube, die Stadt stünde auf. Nein, in.einem nahen Dorfe müssen sie wohnen, und so beschwerlich dies für Beide ist, für die Juden und die Tübinger, es muß so sein. Welch dichte Finsterniß herrscht hierin den Köpfen des Volkes in dieser Beziehung noch, auf welche Hindernisse stößt die Besserung noch, als ob noch Jahrhunderte dazu gehören möchten! So liegt Tübingen im gesegneten Württemberg wie eine Insel des Religionshasses — aber schade, daß es nicht einmal die einzige Insel da ist. Ein Stück Spanien und Neapel mitten in Deutschland. Untergrombach (bei Bruchsal), 29. Oktober. Die „Karlsruher Zeitung" theilt einen hübschen Zug aus dem Leben der jetzt in Deutschland so viel gefeierten und so viel getadelten Rachel mit. In dem oben genannten Orte lebte nämlich eine alte von der Gemeinde ernährte Judensrau, welche sich vor einigen Tagen der pariser Künstlerin als Muhme vorstellte. Diese nahm sie sehr liebreich auf, schenkte ihr alsbald ihre kostbare goldne Uhr, auf der alle ihre Hauptrollen kunstreich in emaittirter Arbeit genannt sind; besuchte sie darauf in ihrer Heimath, und setzte ihr schließlich einen Jahresgehalt von 400 fl. aus, wobei sie noch außerdem der dortigen Synagoge ein Geschenk von 150 fl. überwies. Ob Vater Felix wol mit solcher „Verschwendung" einverstanden ist? Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im November. Im diesjährigen Wintersemester liest Professor Dr. Goldenthal an der hiesigen k. k. Universität: über die zwölf kleinen Propheten, Grammatik der arabischen Sprache, chaldäische Sprache und rabbinisch-philosophische Literatur.

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