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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-11 · Heft 46 (11.11.1850) · p. Seite 632

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 46 (11.11.1850)
Date
1850-11-11
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
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«32 der Gesetzgebung schon in dieser Kammersasvn bevorstehe. Der betreffende Zeuge mußte also angehalten werden, den Eid noch nach der alten Form zu leisten. Brilon, 29. Oktober. (Privatmitth.) In unserer Nachbarstadt Marsberg (der alten Eresburg) feiert in der nächsten Woche ein 83jähriger Greis das 70ste Gedachtnißfest seiner Bar Mizrva, der damals, also vor 70 Jahren (1780), von unserm jetzt 97jährigen Landrabbiner Herrn Joseph Friedländer konsirmirt wurde. Steele, im Oktober. (Privatmitth.) Im November 1848, in jener aufgeregten Zeit tagte in Münster ein Kongreß, auf welchem die verschiedenen politischen Vereine Rheinlands und Westphalens vertreten waren. Zweck, Charakter, Tendenz des Kongreffes geht uns an diesem Orte gar Nichts an, umsomehr, da er, wie so viele damalige Zusammenkünfte, eine Demonstration, ohne Folgen und Wirkungen war. Nicht so ohne Folgen und Wirkung blieb er für einige Theilnehmer, und so traf auch einen jüdischen Lehrer, Blumenfeld aus Essen, das Loos, gefänglich eingezogen zu werden. Was that nun die jüdische Gemeinde zu Essen? Sie versammelte sich sofort, und auf Vorschlag des Einsenders dieses wurden die Kinder in die katholischen Schulen geschickt und er selbst ertheilte wöchentlich vier Mal Abends von 5 bis 7 Uhr, obwol eine Stunde von Essen entfernt, den Kindern den Unterricht im Jüdischen. Die Kantorstelle übernahm der wackere Vorsteher Abr. Hirschland. Ich will hierbei nicht hervorheben, wie sehr die Gemeinde die viermonatliche Abwesenheit mit Geduld verschmerzte; wie Bl. so gut es ging ersetzt wurde, ohne daß man ihm es an Gehalt abkürzte; daß sogar die katholischen Lehrer, die doch sehr gering besoldet werden, nicht einmal das ihnen gebührende Schulgeld erhoben; daß Bl. außerdem bedeutend unterstützt wurde: sondern das verdient öffentliche Anerkennung, daß die jüdischen Kinder mit einer besondern Liebe und Aufmerksamkeit ausgenommen wurden und während ihres Schulbesuchs beim Unterrichte alles Konfessionelle möglichst gemieden wurde. Nachdem Bl. vier lange Wintermonate im Zuchthause verbracht hatte, erhielt er mit seinen Leidensgefährten endlich wieder seine Freiheit, da man die Anklage auf Hochverrath fallen ließ. Da hatte man den Einzug eines jüdischen Lehrers nun in Essen sehen müssen! Tausende ohne Unterschied der Konfessionen, des Standes holten Bl. feierlichst vom Bahnhofe ab. Es war als wolle man ihm die Leiden des Kerkers durch Liebe und Verehrung aus dem Gedächtnisse löschen. Selbst politische Gegner bezeugten Bl. ihre Theilnahme und Achtung; denn er war ein Volksmann im wahren Sinne des Wortes, der sich nie vom Strudel der Zeit unbesonnen Hinreißen ließ; er ist kein Wühler, kein Revolutionär — geschweige ein Hochverräther! Das bezeugten auch alle Einwohner Essens, die ihn zum Direktor ihrer großartigen Liedertafel; zum Lehrer und Vorstandsmitglieds eines Bürgerfortbildungsvereins; die ihn in den Armenvorstand u. s. f. wählten. Trotz alle dem ward vor einiger Zeit'auf's Neue Anklage wegen Theilnahme an jenem Kongresse gegen ihn erhoben und einstweilen seine Suspension verfügt. Da hat sich nun wieder der humane Sinn des katholischen Pfarrers Dr. Beising, wie der Lehrer und vieler Anderen bewährt. Ersterer erklärte sofort, daß man nun die Kinder nur wieder in die katholischen Schulen schicken möge; ja, noch mehr, er führte Bl. selbst durch die Schulen, damit dieser nach seinem Ermessen seine Kinder den verschiedenen Klaffen zutheilen kann. Einstweilen wird Bl. noch den hebräischen Unterricht ertheilen, sollte jedoch auch dieses ihm untersagt werden, dann wird auch Einsender dieses wieder nach hier vollbrachtem Tagewerk seine Tour nach Essen — wie früher cmtveten. O möchte doch die Regierung einsehen, daß sie nur ein unschuldiges Opfer verfolgt, einen Mann, dem auch seine Feinde Achtung nicht versagen können! Die Anklage wird wahrscheinlich vor die Assisen zu Hamm gebracht werden. An dieses trübe Bild der Jetztzeit will ich aber noch ein andres reihen, das einen kleinen Beitrag Liefern wird, wie der freiere, bessere Geist sich immer mehr stärkt. Seit langer Zeit ist die Schule, welche von den hiesigen evangelischen Kindern besucht wird, durch die Kränklichkeit des Lehrers sehr in Verfall gerathen' In Folge dessen stellten mehrere angesehene Evangelische den Antrag an die hiesige jüdische Gemeinde, ihre Kinder in deren Schule schicken zu dürfen. Die Gemeinde ging hierauf bereitwilligst ein, indem die Evangelischen gleiche Pflichten eines Gemeindemitgliedes in der Kontribution zum Lehrergehalte, wie die Zahlung eines noch besondern Schul-

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