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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-04 · Heft 45 (4.11.1850) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 45 (4.11.1850)
Date
1850-11-04
Page
Seite 626 (sequence 10)
Language
German
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«2« erblickst, öffnest eine Thüre, und: willkommen! es ist fürwahr ein niedliches Erkerstübchen. . . . (Der wilde Range, mein Brüderchen Moritz dürfte nicht hineinkommen, der würde bald keinen Platz mehr haben!) So hoch über den Köpfen der Menschen, kömmt mir das Gotteslicht so voll und rein zu dem Einen Fenster herein, und ein wenig frischere Luft, als tief drunten weht. Ein Tisch, drei Stühle, eine Kommode, ein Bücherrück, ein Bert u. dgl. Da bleibt denn freilich nicht viel Platz übrig. Aber diese heilige Stille, unerreichbar von dem Larmen der Menschen, und ganz nett und behaglich halte ich es mir, denn ich muß mir meine kleine Wirthschaft selbst besorgen. Was aber das Beste ist, die Wohnung kostet * mit Nichts: ich gebe dafür den Kindern des Hauswirths dreimal wöchentlich. Unterricht. Was ich für ein Glückspilz bin! Meine kleine Bibliothek habe ich mir aufgestellt, und da weile ich denn so zufrieden und glücklich. Denn ich denke mir, würde Deine Mutter hier hereintreten, und sehen, wie es dir so unerwartet geglückt ist, Fuß zu fassen, wie würde sie lächeln. .. . Und ein Lächeln von Dir, macht mich ja so glücklich.... Ich habe mir auch eine kleine Maschine angeschafft, wo ich meine Milch wärme, wozu ich Morgens und Abends meinButterbrod verzehre. Dreimal die Woche esse ich Mittags warm — ich halte treu an meinem Dir gegebenen Versprechen — beim Chasan der Gemeinde, die anderen Male braue ich einen schönen Kaffee, und esse ein Stückchen von der Wurst nachher, die Du mir gesandt, und so fürsorglich mit Faden bezeichnet hast, wie viel ich jedes Mal verzehren sott. So geht es; ich denke doch, daß mir die Stunden, die ich auf Empfehlung des Pros. B. erhalten, so viel schaffen werden, daß ich dies Vieles bezahlen kann. So lebe ich ganz angenehm, und freue mich des schönen Frühlings mehr als je. Ich wandle recht oft an die Ufer des Flusses und in den nahen Forst hinaus — dorthin begleitet mich Dein und meiner Geschwister Bild — da Hab' ich denn Euch bei mir und Gott über mir ... wie kann's mir da an Freuden fehlen?.. . O, lebe wohl. ...?. 8. Anbei schicke ich ein lateinisches Lexikon für Ernst, ich habe es für einige mir nicht nöthige Bücher eingetauscht. 3. An Freund H. Den 7. Mai 183 ... Die Zeremonien, mit denen, wie alles Menschliche, auch die Aufnahme in den Jüngerbund der Universität verbrämt ist, sind vorüber, der heilige Schauer, mit dem man die ersten Male die Auditorien betritt, hat sich verloren, ja selbst die Einleitungen der meisten Kollegia, die, wie mir ein älterer Srudent sagte, immer das Beste der Herren Professoren bringen, bereits überwunden. Es ist das erste Mal, Freund, daß mir die endliche Verwirklichung lang gehegter Wünsche und vielen mühseligen Ringens nicht weniger Freude bringt, als die Hoffnung darauf. Es ist mir da in jenen Einleitungen eine so unendliche Fläche des Wissens, Forschens, Stcebens ausgebreitet worden, daß mir das Gefühl ist, ich sei eben da hingelangt, wohin ich wollte, wo mir der Reichthum der Menschheit in unendlicher Fülle erscheint, wo ich nie ein Ziel, nie eine Übersättigung verspüren werde. Dies erwartete ich, dies habe ich vollständig gefunden, und darum ist mir die Wirklichkeit noch herrlicher als der Traum von ihr.... Was mir diese Freude erhöht, das ist eine Bekanntschaft, die ich gemacht — Du brauchst nicht eifersüchtig zu werden — die mich sehr anzieht, und dies doch nur aus — Egoismus. Auf einem Spaziergang, den ich Dir wol noch beschreibe, leistete ich einem Manne in den ersten Dreißiger zufällig einen kleinen Dienst, so daß der Mann meine Begleitung nicht abweisen konnte. So verschlossen er war, erkannte ich ihn doch bald. Es ist Einer, der mit einem enormen Geiste begabt, eine unendliche Masse Wissens in sich ausgenommen, aber auf den entlegensten Feldern; Einer, der die schärfste Kritik in seinem Kopfe trägt, aber ohne Schöpferkraft; und so ist er mit Allem fertig, mit Allem zerfallen, und Alles ist ihm widerlich. Ganz im Hintergründe lebt ihm die webende Phantasie, die ihm das hohe Bild des Ideals vorhält, ohne daß er es auf die Erde, und wie diese einmal ist, übertragen könnte. Die Brücke ist nicht da, die beide Ufer verbinde, und über die tiefe Kluft dadrunten sicher führe.... Du kennst meine Jugendgeschichte. Ist es das Ver-! dienst dieser, welche auf's Engste und Genügsamste be- | schrankt war und die äußerste Genügsamkeit gebieterisch; forderte: mein Geist heischt vor Allem eine sistematische j Ordnung und Vertheitung, den Gang vom Engern in's Weitere, immer Weitere, die Befriedigung der Gegenj wart mit der bestimmten Fürsorge für die Zukunft, ich i muß was haben und für die kommende Zeit bestimmt! voraussehen. Da fühle ich mich denn in der Wissenj schaft heimisch, ich rücke nicht vor, bevor ich das, was! vor mir liegt, nicht völlig überwältigt, aber auch schon

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