Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-04 · Heft 45 (4.11.1850) · p. Seite 627

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 45 (4.11.1850)
Date
1850-11-04
Page
Seite 627 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225706--11367-3241472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

627 den Weg vorwärts geebnet habe. So genügt mir die Wissenschaft zu aller Zeit, ich gehe den Gang, den sie selber gegangen und geht.... Du kannst Dir also denken, wie gerade jene Bekanntschaft, die ich von Zeit zu Zeit benutzen darf, auf mich wirkt, und mir meine Weise theuer und werth macht ... eine Entdeckung, die ich gestern machte, Lnteressirt mich noch mehr ... ich erfuhr zufällig, daß mein Bekannter ursprünglich Jude ist. Ich sage „ursprünglich", und doch „ist", denn ohne einer andern Konfession zuzutreten, ist er doch vom Judenthume so weit, so weit entfernt ... oder sollte es blos von meinem Judenthume sein? Nun, ich werde es naher erkennen.... Ich habe Dir noch sehr, sehr viel zu sagen, darum breche ich heute ab. Lebe wohl. . . . 4. Ein Spaziergang. Den 1. Mai 183 .. . Die Sonne hat ihren letzten Strahl in mein Dachfensterchen geworfen, aber der westliche Himmel glüht in rosigem Feuer. Ich sprühe meine Feder aus, klappe die Bücher zu, stecke die Papiere in meine Mappe; Rock, Stock und Mütze ... die Treppe, die Straße hinuntergeflogen, zum nahen Thore hinaus — nun, ruhiger Schritt.... Die Brust hebt sich von den tiefen Athemzügen in der frischen, reinen Luft ... o herrliche Empfindung, der rüstige Jugendkörper, und in der Brust das kräftig, aber ruhig schlagende Herz, das Bewußtsein redlichen Strebens, einigen Erreichens ... bald hatte ich den Mund zu einem hellklingenden, fröhlichen Liede geöffnet, wenn nicht zu viele Spaziergänger vor, hinter, neben mir wandelten. Der Mond geht klar und voll auf, die dunkeln Abendwolken in Morgen, die purpurnen Abendwolken in 'Abend sinken vom Himmel herunter; der Mond hat seine unumschränkte Herrschaft am reinen Nachthimmel bewährt und angetreten.. Ich lenke in einen Seitenpfad, um schneller zu dem dunkeln Schatten des Forstes zu gelangen.- Ich trete hinein, schlendre weiter, da höre ich ein Aechzen, ich geh' ihm nach, ich finde einen Mann, der über einen Baumstumpf gefallen. Ich heb' ihn auf, er hat sich die Hüfte verrenkt, ich führe ihn fort, zurück nach der Stadt, er lehnt sich hart auf meinen Arm, nach einiger Zeit geht's besser. Er. Das konnte fürwahr! auch nur mir begegnen; ein Nachtfalter war vor mir aufgeflogen, ich geh' ihm nach, um ihn zu Haschen, da fall' ich über die Wurzel. Das verdammte Haschen von Nachtfaltern, das war mein Unglück von jeher.... (Er sprach dies wie in sich hinein.) Ich. Was beim Haschen boti Nachtfaltern verunglückt, das heilt schnell wieder tut Lichte der Sonne. Einige Ruhe und morgen bei Tazefühlen Sie es nur noch unmerklich. ... Er. Junger Mensch, was fiir Bedingungen auch: Ruhe und Sonnenlicht — wer findet diese, wenn er Nachtfaltern nachzujagen bestimmt ist.. .. Wissen Sie denn, ob ich die Nacht Ruhe finden werde, und ob morgen die Sonne das dichte GrauLurchdringen wird?... Ich. Die Ruhe hangt doch von Ihnen ab, Sie brauchen sie nur zu suchen, und ivenn die Sonne morgen nicht golden scheint an blauen Himmel, scheint sie doch, und mehr braucht es nicht., . . Er. Sancta simplicitas! Schlafen Sie, und freuen Sie sich am Regentage, ich habe Nichts dagegen. . . . So war die Bekanntschaft gemacht. Ich bring' ihn langsam nach Hause, es dauerte freilich lang, und gab zu Rede und Gegenrede Gelegenheit. Er wohnt in einem abgelegenen Theile der Stadt, abec sehr schön, in einem großen, schattigen Garten ganz Mein in einem großen Gartenhause. Welche Bibliothek ec hat, welch einen kostbaren Flügel, schöne Möbels, eineir Bedienten. Er läßt sich meinen Namen nennen, ladet mich aber nicht ein wieder zu kommen; indeß ist es schicklich, daß ich mich übermorgen nach seinem Befinden erkundige. Wie er heißt, weiß ich noch nicht. Und doch, welch' Alp ist von mir genommen, da ich wieder allein hinaustrete. Wie vergnügt ich nach Hause eile, in mein Dachstübchen!... (Fortsetzung felgt.) Anzeigen. In demselben werden Annoncen aller Tlit gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Bekanntmachung. In Folge der durch das Ableben des geistlichen Beamten Bernays, geehrten Andenke-iis, eingetretenen Vakanz, eröffnet die deutsch-israelitische Gemeinde i in Hamburg hiemit eine Konkll rrenz für die Besetzung i des Amts eines More Zedek. Aspiranten, welche im Besitz des Diploms ii&mn sind, haben sich bis zuni 1. Januar 1851 bei dem Vorsteherkollegium der genannten Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.