Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1850)
- Date
- 1850-11-04
- Page
- Seite 623 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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«23 risten und Assistenten *) umgeben, und kurz das gewöhnliche Minchagebet vor, und nachdem, Dr. 8ob, Großrabbine Belgiens, im vollen Amts or>i»t vor das erwähnte Redepult getreten war, begann die eigentlich'e Feierlichkeit mit der ersten Strophe zehnten Hymne in der vorerwähnten Sammlung, im strengen Stil eines würdigen Choralgesanges vorgetmgen. Auf diese folgte die Jnvokation des geistlichen Redners in französischer Sprache, welcher, nachdem d-iese Einleitung durch ein hebräisches Rezitativ abgeoechselt worden, zum Vortrage des Hauptaktus, der Leichenrede, schritt. Ich will mich nicht vermesien, diese verhältnißmäßig zwar kurze aber kräftige und würdevolle Rede zu analisiren und noch weniger den tiefen Eindruck zu beschreiben, den sie auf die Zuhörer machte und unfehlbar machen mußte. An Mustern vortrefflicher Trauerreden, deren die französische LUeratur vielleicht mehr als manche andere aufzuweise» hat, konnte es Herrn vr. Löb nicht fehlen und den Stoff zur Lobeserhebung brauchte er nicht, wie bisweilen Flechier, Bossuet u. A. m. thun mußten, pt erdichten: der ganze Lebenswandel in allen Verhältrisien der unvergeßlichen Fürstin bot der Beispiele als rechtmäßige Trauergründe in der größten Fülle dar, wie der Großrabbine während seiner sechszchnjährigen 'Amtsführung oft genug Gelegenheit hatte sich zu überzeugen. Schwieriger war freilich die Aufgabe, der hohen innd musterhaften Verstorbenen ein Vorbild aufzusindm unter den hochgestellten biblischen Frauen, dennoch vor der Redner so glücklich einige ausfallende Punkt, der Aehnlichkeit mit der Königin Esther zu sinder. In tiefer Bewegung folgte auf diese Rede das innige, von allen Zuhörern gewiß nicht weniger wohlgemeinte Gebet für den König und das ganze königliche Hans unter Anflehung des göttlichen Trostes für alle um das Ableben der seligen Königin Leidtragende, mit anderen Worten für alle Belgier. Nachdem auf diese Rede ein zweites Rezitativ und Schlußchor — beide sowol als das erste Rezitativ aus dem erwähnten Rituale für entnommen — gefolgt war, wm'be schließlich eine allgemeine Kollekte unter den Anwesenden von den Gattinnen der Rabbinen und des hessen-dn,»städtischen *) Unter welchen der vortreffliche, von, Konservatoir ausgestellte und beim königl. Theater angesiellte Bassist A. Van Goor als Leiter des Chors an h«Ihen Festtagen einer besondern Erwähnung verdient. Konsuls, Ritter Richenberger, veranstaltet, deren Resultat vermuthlich als Beisteuer zu der Behufs der Errichtung eines Monuments zum Gedächtniß der Verewigten stattsindenden Einsammlung dienen wird. *) — Außerdem hat das israelitische Konsistorium ein Trostschreiben an den König gerichtet. Ich erwähne schließlich noch, daß alle übrigen Synagogen Belgiens so wie die in der Hauptstadt laut Mandement des Herrn Großrabbinen verordnet worden, nun wahrend eines ganzen Monats bei jedem täglichen Gebet einen Buß- und Trauerpsalm hinzuzufügen. II. S. Italien. Rom, 16. Oktober. Die Boss. Ztg. schreibt: Die von Pius IX. für die Juden eingesetzte Kommission ist eingegangen, und dieselben sind nun wieder allen Plackereien ausgesetzt. Türkei. Konstantinopel, 5. Oktober. (K. Z.) Heute reist ein Dragoman der preußischen Gesandtschaft, Herr Bosowich, nach Beirut ab und von dort nach Damaskus, um daselbst in Gemeinschaft mit Emm Effendi, dem von der Pforte hierzu ernannten Kommissäre, über die einem preußischen Unterthan dort wiederfahrenr Mißhandlung und die dabei vorgekommenen Insulten g^gen das preußische Konsulat an Ort und Stelle eine genaue Untersuchung anzijstellen. Das Pfortenministerium scheint geneigt, den Forderungen des Grafen Pourtales Genüge zu thun und eine exemplarische Bestrafung der Schuldigen eintreten lassen zu wollen. Wenigstens hat Ali Pascha die von dem Grasen Pourtales Herrn Bosowich mitgegebenen Instruktionen vollkommen gebilligt. Konfiantinopel, 10. Oktober. Der Sultan soll sein Bedauern über die Mißhandlung des jüdischen Dr. Romano in Damaskus ausgesprochen und den Beschluß gefaßt haben, seinen fanatischen Schwager, den Gouverneur von Damaskus abzuberufen. (Das iss Etwas — damit ist aber dem unglücklichen Todten das Leben nicht wiedergegeben!) *) Wie ich vernehme, ist dieser Betrag aus besonderen Gründen unter die Armen vertheilt worden.