Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1850)
- Date
- 1850-11-04
- Page
- Seite 621 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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621 der desselben eingeschrieben Werdens!); auf diese Weise begann die'Konskription auf's Neue. Hohenems, 16. Oktober. Die hiesig e Jsraelitengemeinde, die einzige in Tyrol und Vorarlberg, benützte die Anwesenheit Sr. Maj. desKaiser-s im nahen Bregenz, um ihm einen schwachen Ausdruck ihrer unbegrenzten Dankbarkeit für die durch dessin Geheiß in's Leben getretene bürgerliche Gleichberechtigung aller Konfessionen darzubringen. Zu diesem Behufc verfügten sich vorgestern, den 14. dieses, drei aus deren Mitte gewählte Deputirte mit ihrem Rabbiner in das kaiserl. Hoflager, um in einer nachzusuchk irden Audienz Sr. Majestät dem Kaiser eine Dankadresse zu überreichen. Holland. Amsterdam, im Oktober. (Privatmiilh.) Seitdem in und nach dem verhängnißvollen Jahre 1848 die nothwendige Reorganisation des jüdischm Kultuswesens bei den Gencralstaaten zur Sprahe gekommen, und vom Ministerium in dieser Beziehung Maßregeln getroffen worden, ist eine ungewöhEche Regsamkeit unter unsere Glaubensgenossen gekommen, sie erwachten aus ihrer Gleichgiltigkeit für dieGemeinde- und politischen Rechte, beeiferten sich Stimnen in den Kammern zu erhalten, bildeten Wahlgesellschiften, förderten manche gute Schrift und Broschüre: über die hiesigen Verhältnisse zu Tage, gaben seit eiwem Jahre ein Neuigkeits- und Intelligenz-Wochenblatt heraus, stifteten eine großartige Gesellschaft zum Nutzen der niederländischen Israeliten, deren Hauptsitz Amsterdam ist, die aber fünf oder sechs Sukkursalgesellschaften mit 5 — 600 Mitgliedern in anderen Städten hat, und welche die angesehensten Glaubensgenossen unter ihre Mitglieder und Vorsteher zählt, welche Gesellschaft bereits mehrere Hefte einer Zeitschrift herausgegeben hat, in der mancher gediegene Aufsatz, nanumtlich um die Verschmelzung der s. g. spanischen unk deutschen (Sephardim und Aschkenasim) Riten zu bewirken, bereits gestanden. Ueber alles dies werde ich Ihnen mit Nächstem ausführlich berichten. Belgien. Brüssel, 20. Oktober. (Privatmit th.) Seit ziemlich langer Zeit habe ich die Ehre nicht gehabt mich —wie Solches früher öfter geschehen — schriftlich mit Ihnen zu unterhalten, und noch weit länger her ist es, daß ich in Ihrer geehrten Zeitschrift Etwas über die Umstände unserer Glaubensgenossen in Belgien überhaupt und in dieser Hauptstadt insbesondere angetroffen. Man hätte freilich gewissermaßen Unrecht, sich über ein solches Schweigen zu beschweren, da es im politischen wie im häuslichen Leben gerade nicht da am Besten zugehet, wo man sich am Ocftersten in den Zeitungen erwähnt findet; allein es ist doch nicht so ganz und gar genehm, wenn eine Gemeinde, die kaum aus dem zwanzigsten Jahre ihrer Selbstständig- und Unabhängigkeit getreten, sich fast wie ein hundertjähriger Greis wie v8ir»n 1» 8221 22» betrachtet sieht. Ich habe daher längst blos aus eine schickliche Gelegenheit gewartet, um beiden genannten Uebelständen zugleich abzuhclfen. Eine solche Gelegenheit ist die heutige, obschon sie, wie aus Folgendem zu ersehen, nichts weniger als erwünscht genannt zu werden verdient, insofern hauptsächlich bezweckt wird, Ihren Lesern die Beschreibung einer heute in unsrer Synagoge stattgefundenen Todtenfeier einer allbeliebten unvergleichlichen Landesmutter, der am 11. dieses in ihrem 38sten Lebensjahre «.erblichenen Königin der Belgier, Prinzessin Louise Marie von Orleans, mitzutheilen. Diese Feier hat, sowol was die Form als den Gegenstand betrifft, so tief auf mich gewirkt, daß ich mein erschüttertes Gemüth nicht zweckmäßiger zu erleichtern wüßte als eine möglichst gedrängte Skizze derselben den Spalten Ihres interessanten Blattes anzuvertrauen. Ich setze natürlich als bekannt voraus — da in den letzten Tagen nicht nur alle belgische und die vorzüglichsten französischen, sondern auch sehr viele englische und deutsche Blätter wiederholt Erwähnung davon machten — mit welcher allgemeiner Theilnahme das ganze Land schon die Nachrichten von der Unpäßlichkeit der Königin Louise, welche bald von solcher Bedeutung ward, daß die Fürstin dadurch von der Beiwohnung nicht nur der Feierlichkeiten in mehren Provinzialstädten Belgiens, sondern auch der in der neuern Geschichte ohne Vorbild dastehenden am 25. v. M. stattgehabten Solennitat der Grundsteinlegung eines Monuments zum Gedächtniß an den belgischen Nationalkongreß von 1830, dem das Königreich seine unvergleichlich liberale Konstitution zu danken hat, abgehalten wurde, vernommen; mit wel-