Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1850)
- Date
- 1850-11-04
- Page
- Seite 620 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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620 und zur Theilnahme an der Berathung eingeladen. Der Berathungstermin ist auf den 12. November festgesetzt. Die Herren Ministerialkommiffäre in sämmtlichen Distrikten der oben genannten Provinzen sind hiervon verständigt, und rücksichtlich der Eintreibung der umgelegten Summen haben die Zivilbehörden die nöthige Assistenz zu geben. Betreffs der Verwaltung und Verwendung des zu bildenden Fonds ist dem Herrn Ministerialkommiffär der Auftrag geworden, besonders zu berathcn, und wird das Könnt« erst später davon verständigt werden, inwiefern dessen Mitwirken zu dem eigens hierzu zu ernennenden Konnte in Anspruch genommen werden soll. Großkernischa (Ungarn), im Oktober. (Privatmitlh.) Mehrere öffentliche Organe brachten in den stürmevollen Zeiten Entsetzen erregende Gerüchte von Ereignissen, denen unser Ort, gleich mehreren anderen, als Opfer gefallen wäre. Ein boshaftes Spiel der Laune, woran muthwillige Skribler ihre arge Freude hatten. Diesen sind auch die Verdächtigungen und Verleumdungen, welche den Israeliten aufgebürdet wurden, als wären diese die Träger der Revolution gewesen, zuzuschreiben. Allein diese Beschuldigungen wurden durch die nachherigen kriegsrechtlichen Verhandlungen, wo unter Hunderten kaum E i n Israelit verurtheilt wurde, faktisch widerlegt. Auch wurde, als die Herren Generäle Nugent und Zinsberg mit ihren Armeen hier einrückten, die Deputation der Israeliten vorzüglich belobt, und ermuntert — mit ihrem guten Beispiel ferner voranzugehen. So, daß wir erforderlichen Falles mehr als irgend eine Gemeinde uns wol hatten purifiziren können. Allein die bittere Pille wurde Gottlob beseitigt, dafür aber sollte einem andern Uebel, dem verwahrlosten Schulwesen abzuhelfen, ein Fonds kreirt werden; woran wir aber auch, da wir bereits eine wohlorganisirte und fundirte Schule haben, nicht könnten mitbethciligt werden. Ueberhaupt aber ist das jüdische Schulwesen des Landes so übel nicht bestellt. In den meisten größeren Orten bestehen wohleingerichtete Schulen. Und selten ist ein Familienvater, der wenn auch mit dem größten Opfern, seiner Jugend nicht lesen, schreiben und die Bibel lernen ließe; so daß unsere Jugend des Landes unstreitig einen höhern Grad der Bildung erreicht hat als die christliche. Hier steckt nun wol kein zu übersteigendes Uebel. Sondern was uns wirklich Noth thut, was uns wirklich abgeht, das sind würdige, tüchtige, wissenschaftlich gebildete Rabbinen. Darauf möge die Regierung aufmerksam gemacht werden, daß, wie in Böhmen und Mahren, nur die Philosophie absolvirte, mit Rednertalent begabte Theologen eingesetzt würden, und nicht jede Gemeinde befugt sei, jeden lumpigen Pollacken mit dürftigen talmudischen Kenntnissen als ihren Rabbiner aufnehmen zu können. Die im Talmudstudium Tag und Nacht sich vertiefen und verlieren, das sind Egoisten, die nur ihr Seelenheil versorgen wollen, die nützen der Welt Nichts. Wir haben hier nach einem dreimonatlichen Konkurse den Herrn Rabbiner Dr. Fasset von Proßnitz als den ersten und besten gewählt. Da werden die Dunkelmänner wieder ihre Köpfe zusammenstecken und das Schicksal anklagen, daß die Wahl nicht von ihnen abhängig war; denn HcrrFassel, ein Mann, der ihnen in Allem überlegen ist, der sie und ihre Mängel durch und durch übersiehet, ist ihnen ein Schreckbild, das sie in Harnisch jagen wird. Allein umsonst, alle Jntriguen, die sie bei Löw angewendet, sind hier vergebens. Kanischa ist kein Papa noch Lemberg, wo der Rabbiner aus purem Fanatismus chikanirt, dcnunzirt und ruinirt wird. Wir wünschen einen Rabbiner, der nach dem gebräuchlichen Sinne des Wortes eigentlich ein 'Lehrer sei, der die Schulen überwache, dem Volke die Gesetze und Rechte interpretire, ihre Sitten heilige, Aberglaube und Mißbräuche banne, und in Noth und Trauer uns ein Tröster sei. Er sei ein ir-m, unser Führer auf der dornenvollen Bahn zum ewigen Heile. Eine vielfach gedrehte Schnur wird nicht zerreißen. Daß der Herr Rabbiner aber seine Plane, seine Verbesserungen, Veränderungen, Vervollkommnungen in Ausführung bringe, mögen die Besseren unter uns sich schaaren, vereinigen, eine Phalanx bilden, daß er alle Schanzen und Vormauern kühn zu übersteigen vermöge. Und unser Losungswort sei: Vorwärts! E...r Somogy, 15. Oktober. Der Preßb. Ztg. schreibt man von hier unter Anderm: Der Gang der Volkszählung wurde hier auch dadurch gehemmt, daß, als der Verordnung zufolge, jeder seine Nationalität angeben mußte, und sämmtliche Israeliten sich als Magyaren cinschreiben ließen, später die Ansicht geltend gemacht wurde, die Israeliten bilden einen eigenen Volksstamm, und müssen deshalb auch als die Glie-