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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-28 · Heft 44 (28.10.1850) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 44 (28.10.1850)
Date
1850-10-28
Page
Seite 610 (sequence 10)
Language
German
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610 (Fremde), und dies gründet sich auf ein Wunder, das durch die Legende folgendermaßen erzählt wird. Eines Tages (die Zeit wird nicht genau angegeben, steigt aber in ein hohes Alter zurück) bemerkten die Araber von Bona, die am Ufer standen, in der Ferne auf dem Meere Etwas schwimmen, das einer Pergamentrolle glich. Diese Rolle, die das Gesetzbuch war, richtete sich nach dem Ufer, und die Araber näherten sich, um sie zu ergreifen. Aber, o Wunder, so oft sie die Hand ausstreckten, um sie zu fassen, wich das Sepher zurück, und so blieb es bis Israeliten von diesem Wunder hörten, sich nach dem Hafen begaben und naher schritten, um diese große Erscheinung zu sehen: nrn 71N5N n&nwfi na. Da richtete sie sich majestätisch gegen die Gruppe, welche die Israeliten bildeten, und schieen ihnen zuzurufen: „Nehmet mich auf, gewähret mir Gastfreundschaft, unter Euch will ich meine Residenz aufschlagen/' In der That, kaum hatten die Israeliten die Hand ausgestreckt, als das Sepher sich fassen ließ, und cs in die Synagoge in der Mitte der lebhaftesten Kundgebungen des Enthusiasmus und der Ehrfurcht getragen wurde. Die Muselmänner, betroffen von einem Schauspiel, das so geeignet war, ihren Geschmack für das Wunderbare zu befriedigen, sahen ein wahres Wunder darin, und durchdrungen von einem Gefühle religiösen Schreckens für dieses Buch, wollten sie ein Denkmal ihrer Achtung errichten. Sie erbauten eine Synagoge auf ihre Kosten, und bestimmten ein Grundstück zur Unterhaltung derselben, das den Juden bis zur französischen Eroberung verblieben. Die französische Negierung bedurfte desselben zu einem öffentlichen Werke, und bewilligte der Gemeinde eine Entschädigung. Das Sepher der Ghriba existirt nach den Einen gar nicht mehr, nach den Anderen nur noch theilweise. Im Allgemeinen glaubt man, daß sich nur noch die Hülle erhalten hat. Jndcß hat die Heiligkeit des Namens der Ghriba Nichts verloren; hier werden die Eide geschworen, hier sieht man auch öfter Muselmänner ihr Gebet verrichten, wie in den Synagogen Dar Zarphati und Hura in Algier. Ter Rabbine von Bona ist der einzige in diesem Lande, der französisch sprechen kann, sein Name ist Raphael Rousseau. In der Umgegend von Bona, Guelma und an anderen Punkten der Provinz Konstantine giebt es Ackerbaukolonieen, in denen auch eine oder mehrere israelitische Familien existiren, die allerdings dem Zusammenhänge mit ihren Glaubensgenossen sehr entrückt sind, was bei Unglücksfallen sehr fühlbar ist. Außerdem giebt es noch eine kleine Gemeinde in l Philippeville.! Der Sprengel von Konstantine umfaßt noch eine ziemliche Anzahl Gemeinden, über welche keine genauen Nachrichten dem Berichterstatter zu Gebote standen; zu Guelma, Setif, Bathoa, Biskara und Boncada, endlich die eben entstehende zu Bougie. Außer diesen Gemeinden giebt es eine große Anzahl Israeliten, die unter den arabischen Stämmen zerstreut sind. Die ein wenig unbestimmten Nachrichten, die über die Lage dieser Nomaden gesammelt werden konnten, stimmen nicht mit gewissen Beschreibungen überein, welche man davon gemacht hat, und an denen die Einbildung mehr Theil hatte als die Wirklichkeit. Man hat vorgegeben, daß diese Bevölkerung das treue Bild der alten patriarchalischen Stämme vorstellen, daß sie sich dem Ackerbau und der Rindviehzucht widmen. Man hat mir im Gegenlheil versichert, daß diese Israeliten in der elendesten Lage leben, daß ihr materieller Zustand ebenso traurig ist wie ihre moralische Existenz. Es sind halbbarbarische Völkerschaften, in der äußersten Unkultur lebend, Nichts von der Religion kennend, weder Synagoge, noch Kultus, noch Gottesdienst habend. Einige, das ist aber die geringste Zahl, begeben sich zu den Festtagen nach der nächsten Gemeinde, Konstantine oder Bona. Aber die Mehrheit kann weder lesen, schreiben, noch die Gebete im Hebräischen verrichten, und hat keinen Lehrer zur Disposition, um die Jugend in den ersten Elementen des religiösen Unterrichts zu unterweisen. Welche schöne Aufgabe wäre es, einigen Samen der Zivilisation, des Unterrichts unter diese über die Oberfläche der Provinz zerstreuten Unglücklichen zu streuen! (Nach den Arcli. isr. de Fr.) Rußland. Petersburg, 2. Oktober. (Pet. Ztg.) Der Reichsrath hat im Departement der Gesetze uns in der allgemeinen Versammlung einen vom Minister des Innern gestellten Antrag, wegen Anstellung gelehrter Hebräer zu besonderen Aufträgen bei den Generalgouverncuren, geprüft, und hiernach beschlossen: 1) Bei jedem Generalgouverneur, in dessen Verwaltungskreise Hebräer ansässig sind, werden aus ihrer Mitte einer

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