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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-28 · Heft 44 (28.10.1850) · p. Seite 609

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 44 (28.10.1850)
Date
1850-10-28
Page
Seite 609 (sequence 9)
Language
German
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609 Kurz Nordmanns Rede, di< sowol den Glauben als das Hoffen seines Volkes fn) schön und klar uns darstellte, würde jeden Judenbekehrer (waren sie nur da gewesen!) davon überzeugt l^ben, daß dies Volk, das durch alle Zeiten und Stürme hindurch, diesem seinem Glauben und Hoffen stcls treu geblieben, daß dies Volk ihrer seichten und plattköpfigen Proselitenmacherei Etwas entgegenzubictcn hat, daS nicht von gestern auf heut erst, sondern einen Glauben, der seit Jahrhunderten bestehend, Halt genug haben wird, ihren engherzigen Bestrebungen zu trotzen, hat er dock so vielfach den Verfolgungen und dem Tode selbst die Spitze geboten. Ein Volk, da?> wie das israelitische, so klar mit sich selbst, so entschieden weiß, was es soll und will, ein solches Volk Ledarf keiner Bekehrung. Möge vielmehr unsere Zeit, die so vielfältig überall nach Vervollkommnung und Willensklarheit ringt, möge sie immer je mehr und mehr auch dem israelitischen Volke die Schwingnr lösen und den Weg bahnen, damit auch es auf diessmre, wie wir Christen auf unsere Weise, empor sich hebe nach dem Morgenrothe der Vollendung. *) *) Die oben erwähnte Rede i|t ,,zum Besten der Armen" gedruckt erschienen. Sie entspricht obigem Urtheil. Wir führen das Schlußwort derse-lden hier an: ... Der Kampf von außen Hut aufgehört, so sollen wir auch den Staub abschütteln von unseren Kleidern, den Staub von unseren Institutionen. Unsere Religionsangelegenheiten, unsere inneren Institutionen, auf die seit Jahrhunderten nicht die nöthige E-orge verwendet werden konnte, mögen wir trachten, sie vier den Augen der Welt, vor den Augen unserer eigenen Kinder, sie wieder in ihr wahres Licht zu stellen. Schon siird unter uns in kürzester Zeit so große Schritte vorwärts geschehn, aber noch bleibt so viel zu thun übrig. Schon leuchtet wieder in hellerm Lichte die Lampe Israels; aber noch sehe ich so manche dunkle Flecken, die das Licht abhalten. Diese Flecken, die uns die Zeit aufgedrlsckt, mögen wir cs als unsere heiligste Aufgabe betrachten, sie zu besiirigen. Eine günstigere Wendung hat das Schicksal Israels genommen in neuerer Zeit; mögen wir zeigen vor dem Auge der Welt, daß wir dieser günstigen Wendung würdig sind. Der Dank vor Gott, unsre eigne Ehre, die Erhaltung unserer Religion, das Wohl unsere Kinder richten allzugleich dieselbe Forderung an uirß. Die Stammvater Israels, erzählt die Schrift, so oft sie der Herr aus einer Noth errettet, so oft sie in ein besseres Verhattniß getreten, errichteten Dankaltäre dem Allmächtigen. Dankaltäre sollen auch wir errichten dem Allgütigen, besten Hilfe wir in der neuern Zeit so oft geschn. Der Wiederaufbau so vieler unserer Institutionen, die in Verfall Großbritanien. London, im Oktober. Auch hierher bringen die deutschen Jsraelilen ihre inneren Kampfe. In jüngster Zeit sind mehrere Meetings gehalten worden, und es biloet sich ein Kahal, das sich von der Autorität des Di'. Adler losgesagt, sich „deutsches Kahal" nennt, und sich einen eignen Radbinen und Chasan anstellen will. Frankreich. Paris, 15. Oktober. Die Mächtigkeit, mit welcher sich die Geistlichkeit nach dem neuen Unterrichtsgesetze des Schulwesens bemächtigt, ruft auch die hiesigen Israeliten aus ihrem Schlummer auf, und läßt sie an die Gründung neuer jüdischer Schulen denken. Jnsonders ist es der Großrabbine von Paris, der diesem wichtigsten Gegenstände den größten Eifer widmet. Jetzt wird eine neue Kinderbewahranstalt für 20h Kinder wieder eröffnet. Ebenso wird bald eine Abendschule für den hebräischen Unterricht eröffnet. (Nach den Arch. isr. de Fr.) Afrika. Konstantine. (Bericht desGroßrabbinenWeil. Schluß.) Nach der Gemeinde von Konstantine ist die zu Bona die zahlreichste, von ungefähr 120 Familien und 600 Seelen. Hierunter sind kaum 20 Familien eingeboren in Bona, die größere Zahl ist aus Konstantine und Tunis. Gerade die Tunenser aber, die in der Heimath die gedrückteste Menschenklasse sind, leisten hier der Verwaltung die größten Hinderniffe mit einer unbeschreiblichen Frechheit. Die Synagoge in Bona genießt den Ruf der größten Heiligkeit in Algerien; man nennt sie Ghriba geralhen; der Aufbau so mancher Anstalten, die die Zeit erfordert; die Wiederherstellung unsers Gottesdienstes in seiner ursprünglichen Reinheit und Einfachheit, seien uns jene Dankaltäre. Neue Tempel sehe ich aussteigen allenthalben in den Gemeinden Israels; mögen diese neuen Tempel sein die ersten Grundsteine zu jenem größern geistigen Bau, den wir aufzuführen haben, und es wird in Erfüllung gehn der Schlußsatz unsrer Schriftstelle: TO 'm TOn Israel wird wieder in seinem Schmucke erscheinen, Freude und Heiterkeit wird in seiner Mitte wohnen." 44*

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