Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-28 · Heft 44 (28.10.1850) · p. Seite 608

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 44 (28.10.1850)
Date
1850-10-28
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225705--11347-3241451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

608 bach, bekanntlich vor einiger Zeit aus politischen Gründen nach Amerika gegangen, ist dieser Tage von dort zurückgekchrt. Wir freuen uns, diesen tüchtigen Mann rvieder zu den Unsrigen zahlen zu dürfen. — Vor einigen Monaten ist in Schwabach, 53 Jahre alt, der Distrikrsrabbiner Herr Abraham Wechsler, ein eifriges Rüstzeug seiner Partei, gestorben. Charakteristisch ist, daß er's in vielen langen Jahren, trotz großer Anhänglichkeit seiner Gemeinden an ihn, nicht zur definitiven Anstellung bringen konnte, erst in der letzten Zeit ist's ihm gelungen. Man will eben nirgends die Macht aus den Händen geben. Dagegen verdient die rege Theilnahme für die Hinterlassenen alles Lob. Gegen die Todten ist man immer liebreicher, als gegen die Lebenden. — Aus Pappenheim erzählt man uns, daß der dortige Magistrat dem jüdischen Arzte Dr. Neuburger den Aufenthalt hartnäckig verweigert und daher von der k. Regierung in eine Strafe von 200 fl. genommen worden ist. — In Gunzenhausen, wo sich seit einiger Zeit ein bessrer Geist regt, der bereits in eine Verschönerung der Synagoge und in die Wahl des tüchtigen Lehrers Herrn Ottenstein seinen Ausdruck gefunden, wurden am letzten Festtag zu allgemeiner Erbauung deutsche Lieder beim öffentlichen Gottesdienst gesungen, und die Leichenbegängnisse zweckmäßig geordnet. Herrn Rabbiner Grünbaums Wirken macht sich sehr fühlbar. K. Oesterreichischer Kaiserstaat. Brünn, 15. Oktober. Die gestrige öffentliche Gerichtssitzung bot das Bemerkenswerlheste dar, daß der Vertheidiger des Angeklagten, Herr Richteramtskandidat Lemderger, wahrscheinlich der erste Israelit war, der vor einem kaiserl. österreichischen Gerichte, und zwar mit dem entschiedensten Beisalle pladirte. Aus Ungarn, im Oktober. Das pesther Lokalblatt meldet aus sicherer Quelle, daß bei ferneren Häuserankäufen durch Israeliten nicht mehr die bisher üblich gewesene Unterbrcitung hohem Orts nöthig sein wird. Prag, 13. Oktober. Der rühmlich bekannte Religivnellehrer, vi.Wolfgang Wessely, und jetzt Professor der hebräischen Literatur, der aber eigentlich Jurist ist, wird in diesem Semester praktische Uebungen und Konservatorien über die wichtigsten Materien des allgemeinen und österreichischen Strafrechts beginnen. Die Schweiz. Basel, 4. September. Die zu Basel erscheinende „Schweizerische Nat.-Ztg." enthält von dort aus folgenden Artikel: Heute war es uns vergönnt, der Einweihung des israelitischen Gebethauses beizuwohncn, und wir können nicht unterlassen, einige Bemerkungen darüber auszusprechcn. Wir werden in keine weitere Beschreibung dieser Festlichkeit eintreten, sondern einfach versuchen, den innecn Eindruck einer so würdigen Feier wiederzugebm. Die ganze heilige Handlung hatte etwas recht Ernstes und Würdevolles, und das Zeremonielle dabei, der Umzug mit den GesetzesroUen in der Synagoge, dies aus uralter Zeit Hergebrachte und Erhaltene, wies so recht wieder daraus hin, wie von Generation zu Generation dieses vielfach verfolgte Geschlecht doch seinem alten Glauben und seinen Satzungen treu geblieben. Eine der Sache angemessene und inhaltreiche Rede üder daS Hoffen und Bestreben des jüdischen Volkes hielt der uns Allen so vielfach bekannte Rabbiner Nordmann. Er setzte in einfachen Worten die Bedeutung des Gotteshauses im Allgemeinen (woran auch jeder Christ sich hätte erbauen können) auseinander und dann die besondere des israelitischen Gottesdienstes, dem man so oft vorgeworfcn, bloß Zeremoniendimst ohne innere Hcrzensnahrung zu sein. Er gab zu, daß hier freilich Manches zu wünschen übrig bliebe, daß aber die Zeit selbst, die den Bestrebungen dieses von Gott so schwer hcimgcsuchten Volkes immer hemmend in den Weg getreten, daß die feindseligen Beschränkungen von allen Seiten her, die überall streitend wider das ernstliche Bestreben des jüdischen Volkes auftraten, daß diese vielfach die Schuld trügen, warum Israel hinter seiner Vervollkommnung noch stets zurückstehe, und fragt» ob aber nun der Kämpfer, der mit Staub und Blut bedeckt aus dem Kampfe zurückkehrt, sich seiner Wunden zu schämen hätte. Er wies dann dagegen auch hin auf unsere so vielfach bewegte Gegenwart, die in ihrem regen Schaffen und Erneuern endlich auch dem israelitischen Volke mitDuldfamkeit entgegenkommt und, vereint mit den ernstlichen Bestrebungen in eigner Mitte nicht ermangeln wird, das Volk Gottes den Verheißungen Jehova's immer naher zu bringen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.