Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1850)
- Date
- 1850-10-28
- Page
- Seite 607 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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607 Sie es wünschen, in einem andern Artikel demnächst ausführlich besprochen werden. Aus Mittelfranken, im Oktober. (Privatmitth.) Die in unserm letzten Berichte erwähnte, geschmackvoll, ohne Ueberladung ausgestattete Synagoge zu Windsbach wurde am 11. Oktober, als am Vorabend des Namenstags unsers Königs auf eine feierliche Weise eingeweihet. Einen rührenden, für den mit den frühem Lokalverhältnissen Vertrauten doppelt erhebenden Anblick gewährte der lange Zug von Andächtigen von der alten zur neuen Synagoge durch die Straßen der Stadl, voran die Chorsänger unter Musikbegleitung einen Psalm anstimmend, gefolgt von den Trägern der gleichmäßig bekleideten Tora's unter einem gleichfarbigen Baldachin, dem sich viele Staatsdiener in Uniform, Geistliche, Schullehrer, das Landwehroffizierkorps, der Stadlmagistrat, die Gemeindeangehörigen und Gäste je drei und drei angereihet hatten. Der Einzug in die Synagoge, so wie der dreimalige Umzug mit den Tora's erfolgte in schönster Ordnung unter entsprechendem Gesang, dessen Einübung und Leitung ein schönes Verdienst des Herrn Lehrers Blank von dort bildet. — Die Krone der Vollendung setzte aber dem Ganzen die Festpredigt des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Feuchtwang von Oettingen auf, der von der Gemeinde hiezu eingeladen worden war. Es gelang demselben in seinem einstündigen, ganz freien Vortrag über Ps. 2, 11. nicht nur seine jüdischen Zuhörer, sondern auch die christlichen wahrhaftzu erbauen und zu erheben. Nicht minder ansprechend war dessen Homilie beim Morgengottesdienst über den ersten Vers des Wochenabschnitts, bei welcher derselbe noch unbefangner und klarer zu sprechen schien. Sein anspruchloses sanftes Auftreten außer der Synagoge hat ihm nicht minder alle Herzen gewonnen. Eine rühmliche Erwähnung verdienen noch das Festgedicht von Herrn Landwehrhauptmanns vr.Schilffarth und die Thätigkeit des Herrn Stadtschreibers Bickel von dort, der nicht nur die bei solchen Bauunternehmungen eintretenden gemeindlichen Wirren durch seinen Einfluß immer beseitigte, sondern auch die Mühe nicht scheuete, den Bau, namentlich aber die innere Einrichtung zu überwachen und zweckmäßig anzurathen. Wir vermögen diesen kurzen Bericht nicht zu schließen, ohne ein ernstes Wort, das aus einem für das Iudenthum und seine Bekenner warm schlagenden Herzen fließt, an Or.^euchtwang öffentlich zu richten: Sie haben sich, Herr Rabbiner, durch ein asketisches Leben, durch eine tüchtige wissenschaftliche Bildung, verbunden mit einem seltnen Rednertalent in kurzer Zeit eine in der heutigen Judenheit seltne Popularität und somit einen breiten Boden segensreichen Wirkens erworben; Sie kennen die Schäden Israels nach beiden Richtung en sattsam; Ihre mit aller Begeisterung vorgetragemen Ansichten und Begriffe vom Gebet und seinen Elßordernissen können Sie in ihren Konsequenzen nicht nur nicht zum Gegner einer Kullusreform, sie müssen Sie zum eifrigsten Beförderer derselben machen; Sie stehen mit Ihren Ideen und Grundsätzen trotz Ihrem festen Anschließen an alle hergebrachten Brauch« und Uebungen mitten in den Strömungen der Neurzeil! Erwehren Sie sich ihrer nicht! Sie sind der Mann, der in den Riß sich zu stellen und die Gegensätze in der heutigen Judenheit innerhalb eines größt u Kreises zu vermitteln vermag, wenn Sie nicht unlhacig zuschauen und im Gehenlassen Heil suchen, pudern kräftig eingreifend helfen zur Schaffung neuer Institutionen und zur zeitgemäßen Belebung der veralteten, welchen die schönsten Vorträge außerdem nicht aufhelfen können, da sie selbst in den Herzen ihrer ßieissten Anhänger keine Wärme, keinen fruchtbringenden Boden vorsinden. Noch kennen Sic das Leben, seine mächtigen Anforderungen und seine Uebermacht über alle Lehre. Entziehen Sie sich pm nicht; es kommt wahrlich weder in Büchern, noch in jener Klasse von Menschen zu Ihnen, die sich fc>nv berechtigsten Anforderungen entgegenzustemmen und den Riß täglich nur unheilbarer machten. Geben Sic sich ihnen nicht gefangen; es erwächst kein Segen daraus; hüten Sie sich vor Uebertreibungen und vor dem Rückfall in das Gebühren unserer früheren Eifcr und ihren Mißgriffen. Sie halten mir, Herr Rabbiner, diese freimüthigen Worte zu gute; Ihr frommer Sinn, Ihre Anspruchslosigkeit bürgen mir Lasur. Auch Andere werden mir darob nicht zürnen; > st es doch gleich aus wessen Mund das Wort der Wahrheit kommt, so es nur redlich gemeint und in Ehren gesprochen ist. K. Aus MitteisEttnkerr, im Oktober. (Privatmitth.) Herr Rabbiner Dr. Schleßmger aus Sulz-