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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-28 · Heft 44 (28.10.1850) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 44 (28.10.1850)
Date
1850-10-28
Page
Seite 606 (sequence 6)
Language
German
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606 den natürlichen Bundesgenossen dieses Pfaffenthums, ist das kurze Interregnum der Grundrechte zu Statten gekommen, indem sie während desselben ihr heißersehntes Ziel — vollkommene Trennung von der Synagogengemeinde — erreichten und nun nicht mehr blos <!j8pon83Nlio, sondern unter der Aegide der Gewissensfreiheit die Ketzer verfluchen dürfen. So konnte der kurze Freiheitstraum, für den Augenblick wenigstens, nur dazu dienen, der religiösen Unfreiheit Vorschub zu leisten. Doch in einem Punkte hatte sich die Orthodoxie gar sehr verrechnet. Sie wollte nämlich ihre Triumphe auf dem Grabe jener Institute, welchen die mecklenburgischen Juden so Vieles zu verdanken haben, des Landesrabbinats und Oberrarhs, wie der ihnen in weit überwiegender Anzahl anhangenden Gemeinden feiern, wahrend die Gemeinden und diese Institute fester als jemals stehen und der Staat gerade jetzt sogar die Besoldung des Landesrabbinen auf sein Budget übernahm. Man muß mit unseren jüdischen Lokalverhältnissen innig vertraut sein, um die Schwierigkeiten ermessen zu können, womit die an der Spitze unserer kirchlichen Verwaltung stehenden Männer für die Erreichung dieses Zieles zu kämpfen Hutten; denn es galt die Ueberwindung ebensowol des zähen Elementes der Denkfaulen, wie des zersetzenden der Nichtswollenden, welche fast in sammtlichcn an sich nur kleinen Gemeinden vertreten, ohne umsichtige und unermüdliche Entgegendämmung mit ihrem vereinten und von außen her mächtig unterstützten Streben nach Auflösung der religiösen Organisation leichtes Spiel gehabt haben würden. Und doch meint Ihr Korrespondent vom Rheine: dieRabbinen seien ein träges, unnützes Geschlecht, weil sie in einer Zeit, wo Alles in Trümmern zerfallen will, so wenig rumoren und nicht wie die christlichen Pastoren sich längst versammelten und beriethen und Beschlüsse faßten, um — hinterher Alles ebenso gehen lassen zu müssen, wie ihre Gemeinden wollen. Diese harte Beurrheilung, die sich so leicht niederschreiben laßt, beruhet, gelinde gesagt, entweder auf einer völligen Unkenutniß der das jüdische Gemeinwesen gegenwärtig bedrohenden Gefahren, oder auch durchaus unklaren Vorstellungen von den Mitteln, jenen Gefahren entgegenzutreten. Das faule talmudische System, das die Sachse, Frankel und baierische Adler durch das Uebergießen einer poetischen Brühe vergeblich schmackhaft zu machen suchen; der hohle Jndifferentismus, welcher, eine allgemeine Zeitrichtung, einen großen Theil von Juden durch den Strudel der Bewegung um so gewaltiger mit fortriß, als diese ihr politisches Theil nur von der, in ihrer Entweihung auch der himmlischen Monarchie todtfeindlichen Demokratie zu erwarten haben; das Unklare und Fragmentarische in der Reform des Judenthums, das zumal dem Nichttheologen und unter dem jetzigen Geistersturme keinerlei festen Halt bieten kann; die bedeutenden Geldopfer endlich, welche bei dieser innern Zerrissenheit der, in der Regel weder vom Staate noch durch Stiftungen unterstützte jüdische Kultus von jedem Einzelnen noch obendrein fordert — dies sind die Hebel, woran das israelitische Gemeindeleben seit lange laborirt und die in den letzten zwei Jahren in ihrer vollen Größe hervortraten, und solchen Nebeln konnte wahrlich in demselben Augenblicke, wo ein Geist der Zerstörung wuthentbrannt alle Lebensgebiete durchzog, weder durch papierne Organisationen, noch durch pompöse Berathungen und Ansprachen abgeholfen werden. Es giebt nur ein Mittel dagegen, und dies bestehet im Ausbau des echten, auf einer festen religiösen Grundlage beruhenden Reformgedankens, der nach unsrer Ueberzeugung lediglich durch die Fortsetzung des von den Rabbinerversammlungen begonnenen Werkes geschehen kann. Jeder Einsichtige wird aber zugeben, daß daran eben erst jetzt wieder gedacht werden dürfe und die jüngstverflossene Zeit der wüthenden Orkane sich nicht dazu eignete, die Faden der religiösen Entwickelung in die Hand zu nehmen und weiter fort zu spinnen, sondern die Aufgabe eines jeden Rabbinen darauf beschränkte, die dem Kultusleben feindlichen Mächte mindestens ihrer sofortigen Zertrümmerungskraft zu berauben, wozu ihn gewiß nur Energie, Besonnenheit und gehörige Würdigung der in seinem Wirkungskreise vorhandenen Zustände, nicht aber die Rathschlage auswärtiger Kollegen befähigen konnten. Erst dann würde die Rabbinen der Vorwurf der Trägheit mit vollem Rechte treffen, wenn sie auch jetzt, nachdem die Wogen zur Ruhe gekommen sind und die gegenwärtige religiöse Verfassung in ihrer ganzen Morschheit sich gezeigt hat, mit der Wiederaufnahme der durch den Marz 1848 unterbrochenen Arbeit noch säumen wollten. Ein Weiteres hierüber, wie über das tiefe Dunkel, worein die baierischen Rabbinen das Ergebniß ihrer jüngsten, in diesem Blatte einige Mal erwähnten Zusammenkünfte hüllen, soll, wenn

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