Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1850)
- Date
- 1850-10-28
- Page
- Seite 604 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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604 jedoch Seitens der Ministerien des Innern und des Kultus zum Bescheid erhalten, daß das Polizeipräsidium sich im vollen Recht befinde. Gleichzeitig ist aber von denselben Ministerien die Wahl eines neuen jüdischen Gemeindevorstandes nach den alten gesetzlichen Bestimmungen vom 17. April 1750 angeordnet worden. — Ich irrte mich, ich sagte, in den vormarzlichen Zustand, nein! der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin wird 1850 nach dem Judenreglement von 1750 gewählt! Schöne Konsequenzen, die aus den inneren Kämpfen der Berliner hervorgehen, und die bald Anwendung auf's ganze Land finden werden. Das sind berliner Errungenschaften. —. An des Königs Geburtstag wurde auch von der Akademie der Michael Beer'sche Preis erkannt. Es wurde ein als Bewerbung um den durch die Michael Beer'sche Stiftung ausgesetzten Preis von 500 Thaler eingegangenes Bild (das einzige) von Meyer Isaak Michael, eine Hag ar, mit ihrem verschmachtenden Sohne in der Wüste, einstimmig des Preises Werth befunden. Der Künstler ist in Hamburg 1823 geboren, auf der dresdner Akademie gebildet und gegenwärtig in Paris. Magdebuvs), 21. Oktober. Die neuesten Mittheilungen des statistischen Büreau's in Berlin bringen Angaben über die Starke der Armee und ihrer Theile. Die preußische Statistik unterlaßt nie auch die Rubrik „Religion" durchzuführen, und so wird auch die Armee in die katholische, evangelische, jüdische, griechische und mennonirische Armee, letztere aus 2 Mann bestellend, eingetheilt. Es finden sich im ,,Kriegsministerium, reitenden Feldjägerkorps, in der Gardeunterossi'zierkompagnie, in den Staben der Generalkommando's — kein e Juden; in der Infanterie: 095, in der Kavallerie 111, in der Artillerie 07, unter den Pionieren 5, im FestungSpmonale 17, in der Landwehr 05, im Milttaroildungswesen 1, in den Intendanturen und Traindepors 1 Mann, zu!ammen 902. Es ist der 228ste Jude Militär, während der 81ste Kawolik und 5S,re Evangelische Militär ist. Sind diese Tabellen richtig? Ulis siel wenigstens auf, daß im MiMarmecizmalwesen kein Jude als vorhanden bezeichnet wlrd, wahrend wir selbst zwei darin kennen, die Juden sind und dennoch preußische Militärärzte. Aus Ohevfchlesien, Ende September. (Privatmitth.) Es dürste den Lesern Ihres geschätzten Blattes nicht unangenehm sein zu erfahren, wie sich bei der den 23. und 24. d. M. in Sczepanowitz bei Oppeln stattgefundenen Schaustellung des land- und forstwissenschaftlichen Vereins auch viele Juden betheiligt haben. So befand sich dabei „auszuzeichnendes Rindvieh" aus der Zucht der Herrschaft Norok, dem Herrn Guradze gehörig — des Arrendator Friedländer in Oppeln, des Brauer Pringsheim daselbst, der Johanna Leubuschen in Czarnowanz und des Gastwirths Schönfelder in Königshuld. Sonderbar ist es, daß von den drei Prämien wegen Schweinezucht, zwei Juden — dem Dominio Nerok und dem Gastwirth Schönfelder — zu Theil wurden. Wir wollen damit zumeist darauf aufmerksam machen, welchen Einfluß die Juden auf die Kultur Oberschlesiens und wieder umgekehrt, der so sehr billige und verbesserungsbedürftige wie fähige Grund und Bo^en daselbst auf die Verhältnisse der Juden haben könnten. In den kleinen Städten und auf dem Lande in Oberschlesien treiben die Juden bei ihren sonstigen Geschäften zumeist auch Ackerbau. Wie klein wäre nun für Manche der Schritt, sich jetzt, wo fast alle Gewerbe danieder liegen, ganz der Ackerwirthschaft zu widmen, wenn er nur zum Beginn einige Aufmunterung und Unterstützung fände. Sobald erst einige Juden ihren Glaubensgenossen durch die That beweisen, wie der Haushalt lediglich durch den Ackerbau bestritten werden kann, dann folgen gewiß Viele ihrem Beispiel. Und auch für den oberschlesischen Bauer, der übrigens, wenn nicht von außen auf ihn influirt wird, gewiß nicht judenseindlich ist, — das beweist schon das allgemeine Sprichwort: ke bieda, to do Zyda (in der Roch wende dich an den Juden) — dürfte mit der Zeit, durch die größere Tyaligkeit, Vorsorglichkeit und Nüchternheit seines jüdischen Nachbars, der Impuls zur bessern Bearbeitung seines Ackers, namentlich aber zur Ausnahme der Oostoaumzucht gegeben werden. Von Seiten der Behörden läßt sich hierzu keine Unterstützung erwarten, man hat auch gerade kein Recht dazu, darum nachzusuchen. Dagegen sollten die vielen vermögenden und reichen Juden, deren Oberschlesien nicht wenige hat, sobald wie möglich einen