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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-28 · Heft 44 (28.10.1850) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 44 (28.10.1850)
Date
1850-10-28
Page
Seite 603 (sequence 3)
Language
German
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603 mer weiterer Entwickelung, nicht aber das Recht der Bestreitung und Leugnung hat. A. Und welches wäre daher das Verhältniß des Individuums zu diesen Produkten der gesummten Geschichte? D. Daß das Individuum diese Produkte zur Grundlage seiner Forschung und Verarbeitung zu machen hat, und in der Entfernung von ihnen stets ein Kriterium seiner eigenen Forschung findet. <A. Und wenn das Individuum nun das Gegentheil will und thut? So hat es eben seiner Individualität ein übermäßiges Maß von Berechtigung vindizirt, das ihr nicht zukömmt. A. Machen wir uns dies an einem Beispiel klarer. A. Gern. Nehmen wir die Lehre von Gott. Die Existenz Gottes, als des Wesens, das nicht die Welt selbst ist, sondern dessen Produkt die Welt ist, ist eine Lehre, welche als ein Produkt der gesummten Geschichte der Menschheit feststeht. Aus der frühesten Zeit bis heute haben diese Lehre alle Geschlechter der Menschheit gehabt und ausgesprochen. Und wenn die verschiedenen Religionen diese Lehre auf's Mannigfaltigste gestalteten, so blieb doch die Existenz Gottes selbst als ein allgemeiner Kern, als die Uebereinstimmung aller vorhanden. Diese Lehre immerfort zu verarbeiten, auszubilden, zu entwickeln ist das Recht jedes Menschen. Sobald er aber so weit gelangt, die Existenz Gottes selbst zu leugnen, hat er sich dem Produkt der gesummten Geschichte gegenübergestellt, wozu er schon in sich keine Berechtigung hat, da seine Individualität aus der Geschichte hervorgegangen ist. Er müßte vielmehr an die richtige Entwickelung seiner Individualität zweifeln, da so in ihm Grundlage und Produkt seiner Individualität im Widerspruch sind. A. Geben Sie mir noch ein Beispiel. D. Nehmen wir die Lehre vom persönlichen Eigenthum. Die gesummte Geschichte erkennt die Berechtigung des Individuums auf gesonderten Besitz von Dingen, über die ihm daher allein der Verbrauch, die Verwendung zusteht, an, und das Gesetz „du sollst nicht stehlen" sichert dieses Eigenthum. Nun haben diese Berechtigung die verschiedenen Völker und Zeiten in der Verästelung und Detaillirung verschiedentlich verarbeitet und entwickelt, durch alle hindurch aber geht die Anerkennung, daß das Eigenthumsrecht vom Individuum nicht zu trennen ist. Es ist dies also ein Produkt der gesummten Geschichte, und es steht zwar jeder Zeit und jedem Individuum zu, die Lehre vom Eigenthum weiter zu verarbeiten und zu entwickeln; sobald aber eine Leugnung des Eigenthumrechts, eine Vernichtung dieses Rechtes daraus hervorgeht, hat sich die Individualität eine Berechtigung zugeeignet, die ihr vom Standpunkt der gesummten Menschheit abgesprochen werden muß. N. Sind wir hierüber einverstanden, so wird das Wichtigste sein, sestzustellen, woran wir ein solches allgemeines Produkt der Geschichte erkennen, damit wir nicht derselben aufbürden, was in ihr nicht liegt. A Ganz richtig. Versuchen wir dies. Zuerst werden wir Alles davon scheiden müssen, was nur auf Beobachtung, auf äußerer Wa hrneh mung beruht. Wir können keiner naturhistorischen Behauptung eine Unumstößlichkeit zuschreiben, weil sie eben nur auf äußerer Beobachtung und Wahrnehmung beruht. Alsdann wird es darauf ankommen, was das Uebereinstimmende in allen den Lehren und Einrichtungen der verschiedensten Völker und Zeiten ist; denn indem jede Zeit und jedes Volk dem Gemeinsamen eine besondere Einzelentwickelung zukommen läßt, kann nicht diese, sondern nur jenes als ein Produkt der gesummten Geschichte angesehen werden. Wir werden da entweder auf ein Ursprüngliches in der Menschheit geführt, das in seinen Keimen gar nicht mehr aufzusinden, oder auch was zu einer Zeit in einer bestimmten Lokalität erstanden, von da ab aber siegreich durch alle Folgezeit und alle Völker sich gebreitet hat. Es wird uns da bald mehr oder weniger degenerirt erscheinen, immer aber zuletzt in der Entwickelung fortschreitend. (Schluß folgt.) Zeitrrrrgs Nachrichten. Deutsch lau d. Berlin, 20. Oktober. Wie Alles nachgerade in den vormärzlichen Zustand zurückkehrt, ohne daß jenes frische Streben, jene rührige Kraft nach vorwärts, die damals in Allem lebte, zurückgekehrt wäre — ohne daß jene erschlaffende Traurigkeit gewichen wäre, die an dem Marke aller Entwickelung jetzt nagt — so auch unsere Gemeindeverhaltnisse. Die Regierung hat über die jüdische Gemeinde entschieden. Das Polizeipräsidium hat den jetzigen Vorstand nicht für legitim erklärt. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat sich dicserhalb beim Ministcrio beschwert,

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