Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1850)
- Date
- 1850-10-28
- Page
- Seite 602 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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602 wir uns, von, der Unglückssiatte näher Wohnenden aufgefordert, an die Herzen Israels, um eine Gabe bittend. Ü6 wird in diesen Blattern das Verzeichniß der Gaben mitgetheilt, und über ihre Verwendung Rechenschaft abgelegt werden. Die Redaktion. Geschichte und Vernunft. Ein Gespräch. (Fortsetzung aus No. 35. 37.) A. Auf den Menschen wirken von außen zuerst die Menschen, mit denen fortwährend er in Berührung kommt; wir haben hier Eltern, Geschwister, Hausgenossen, Lehrer, Mitschüler, Lehrherren, Standesgcnossen, Freunde, Umgang zu nennen, wie spater Gatte oder Gattin und so weiter. Ein Supplement waren die Zeitereignisse in ihren Kundgebungen durch die Zeitblatter, Tagesschriften. Innerhalb aller dieser Berührungen liegt wieder eine Allgemeinheit, die Sitte der Zeit und des Volkes, der Geist der Zeit und des Volkes als Totalität aller Einzelrichtungen, Schattirungen, Nüancirungen. p. Gut. Und zweitens? A. Die Vergangenheit, theils indem diese wieder die Unterlage des Zeit- und Volksgeistes ist, theils indem sie in ihren Monumenten, namentlich Schriften zum Menschen spricht und auf ihn einwirkt. p. Worin wird nun diesen gegenüber die Individualität bestehen? A. In der unter d i esen Wirkungen geschehenden Entwickelung der angeborenen Anlagen, und in der eigenthümlichen Aufnahme und Verarbeitung dieser Wirkungen. p. Wir sehen also klar, daß die Individualität, selbst in ihren innersten Tiefen ohne jene Einwirkungen gar nicht gedacht werden kann, daß die wesentlichsten Elemente derselben aus jenen bestehen, und gerade der Umstand, daß zuletzt Einwirkung und Selbstschöpfung in der Psyche gar nicht mehr getrennt und hcrauserkannt werden können, liegt der Beweis für die tief eingreifende Wichtigkeit jener. Wir sind zu dem nicht mehr hinwegzuraumcnden Resultate gekommen: daß die Individualität im Menschen eine von den äußeren Influenzen und von dem von außen in den Geist Hineingekommenen völlig abhängige und stets durchtränkte ist. Es wird nun aber ferner darauf ankommen, ob wir jenen Einwirkungen ebenso eine bestimmte Existenz zusprechen müssen, wie der Individualität. A. Wie verstehen Sie dies? D. Ob wir in allen diesen einzelnen Einwirkungen nur vage, vereinzelte und zufällige Erscheinungen erachten müssen, oder ob sie sammrlich einen Zusammenhang haben, so daß sie ebenfalls ein Ganzes, dann natürlich ein fortschreitendes Ganzes bilden. <A. Ich wünsche. Sie sagen mir, was sie hierüber denken. D. Nicht darauf käme es an, sondern was wir hierüber denken müssen. Wenn wir den gegenwärtigen Menschen in seiner Abhängigkeit von den Einwirkungen, gewissermaßen als Produkt derselben erkannt haben, so fetzt dies voraus, daß die auf den gegenwärtigen Menschen Einwirkenden ebenso aus den Einwirkungen der Früheren hervorgegangen sind, und verfolgen wir dies rückwartsschreitend, so haben wir ein fortwährendes Hervorgehen der jedesmaligen Gegenwart aus der frühern Zeit, und es stellt sich also eine fortlaufende Einwirkung innerhalb der ganzen Zeit der Menschheit als unleugbar hin. Die zweite Frage ist dann aber, ob diese fo rtla u fen d e Einwirkung auch eine fortschreitende, also nicht blos eine Einwirkung, sondern auch eine Entwickelung ist. Hierzu wäre aber ein Zwiefaches nothwendig, erstens daß die jedesmalige Gegenwart das, was von der vorhergegangenen Zeit auf sie eingewirkt worden, weiter bearbeite, zweitens, daß dies eben durch eine ganze Zeit nicht blos Vereinzeltes, sondern ein Allgemeines, Zusammengehöriges, Ganzes ist. Das Erstere werden wir sofort zugeben müssen, da wir ja in der Individualität ein Verarbeiten des Aufgenommenen von vorn herein erkannt haben. Das Zweite wird sich aber auch ergeben müssen, da wir ja überall in dem Vergangenen einen und denselben Faktor haben, der einen zweiten Faktor in dem unleugbaren Volks- und Zeitcharakter hat. Wo also die Faktoren dieselben sind, müssen wir auch eine allgemeine Aehnlichkeit der Produkte haben. Aus allen Einzelheiten verbunden wird sich demnach immer ein Allgemeines abstrahiren, und da dieses Allgemeine einer Zeit auch Produkt aus der Einwirkung der ganzen Vergangenheit ist: so erscheint die Gesammtheit der Menschheit in einer fortschreitenden Entwickelung. «A. Was hätten wir nun hieraus weiter zu folgern? p. Wir werden zunächst erkennen, daß es gewisse Produkte der gesummten Geschichte der Menschheit giebt, die eben dadurch ihre Begründung für die Menschheit haben, und welchen gegenüber das Individuum wol dasRecht weiterer Verarbeitung und im-