Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1850)
- Date
- 1850-10-21
- Page
- Seite 599 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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599 sicht ausdrückt, schließt der Vers. mit den Worten: „Wie auf den Karten eines Landes die Umrisse angrenzender Länder mit ausgenommen sind, damit der Beschauer sich orientire, wie es Zeichnungen giebt, deren Rahmen andere, theilweise hineinragende Schildereien bilden, so würde der für das klassische Atterthum begeisterte Jüngling in den Rahmen des Bildes, das ihn entzückt, von der glühendern Sonne des Orients beleuchtet, noch eine andere, zweite Welt hineinragen sehen, durch deren Gegensatz jenes nur noch mehr gehoben würde, und der Mann würde sich einer, nicht erst spater mühsam zu suchenden Gedankenfülle freuen, deren früh gewonnenen Keime dem Genius die herrlichsten Früchte tragen können. Je mehr, je vielseitiger wir aber die Menschheit erkennen, je mehr auf diese Weise das menschliche Wesen in seiner mannigfachen Entfaltung uns klar wird, einen um so klarern und liefern Blick thun wir auch in unser eignes Selbst und um so größere Fortschritte machen wir in der schweren Aufgabe, die uns der alte Weise stellt, wenn er mahnet: „erkenne dich selbst!" So der gesch. Vers. Zum Schlüsse gestatten wir uns, in kurzen Worten auch unsere Meinung auszusprechen. Wenn wir den Unterricht gestalten könnten, wie wir es wünschten, oder wenn ich einen begabten Knaben zu bilden hätte, so würde ich so verfahren (ich sehe hier ab vom religiösen Moment!): die erste Sprache und Literatur, die der Knabe kennen lernte, wäre die hebräische, dann die griechische und römische, dann neuere Sprachen. Das Motiv ist folgendes: der Geist des jungen Menschen macht naturgemäß die Entwickelungsstufen der ganzen Menschheit durch; im aufsteigenden Alter hat er das Analogon für jede derselben in sich; diesen Entwickelungsstufen der ganzen Menschheit gemäß muß ich den zu bildenden Geist nach und nach mit den Schöpfungen jeder dieser Stufen bekannt machen. Es giebt nichts Verkehrteres, als lange nachdem man lateinisch, und dann griechisch, und nebenbei moderne Sprachen getrieben hat, zum Hebräischen sich zurückzuzwängen, für dessen Formen und Ausdrucksweise das Verstandniß innerhalb der klassischen und modernen Sprachen und Literaturen dem Jüngling dann schon verloren gegangen. Dies im Kurzen, wir werden wol einmal Gelegenheit haben, dies weiter zu entwickeln. Korrespondenz. Die jüdische Religionsschule in Braunschweig. Spr. Sal. 1, 7. Gottesfurcht ist das Erste des Wissens. Idiä. 9,10. Der Anfang der Weisheit ist Gottesfurcht. Am 29. des vor. Mts., an dem Feste der Gesetzesfre ade, hielt der Landesrabbiner, Herr Dr. Herzfeld, in dm Synagoge zu Braunschweig eine Predigt, in welcher er der Gemeinde eindringlich an's Herz legte, ihre Kinder fltißig an dem Religionsunterrichte theilnehmen zu lassen, dm er zwei Mat wöchentlich ertheilt. Bis jetzt ist diese Schule nur von sehr wenigen Kindern und sehr unregelmäßig besucht, und sogar die dazu festgesetzten Stunden silrd von Einigen zu dem Unterricht im Tanzen und der Musik benutzt worden. Jeder Israelit, dem es darum zri chun ist, daß das Judenthum nicht untergehe, wird dcrn Herrn vr. H. mit vollem Herzen beistimmen; ja ihm seinen Dank zollen für das zu rechter Zeit gesprochene Wort. Doch, wenngleich die Anforderung an die Eltern die gmechteste ist, so ist die Ausführung bei dem Zustande, ir welcher sich diese Schule gegenwärtig befindet, unmöglich). Die für den Unterricht der Religion festgesetzten Stunden — mit welchem noch der im Uebersetzen der hebräischen Gebete und in der hebräischen Sprache verblenden ist — fallen auf den Sonntag-Vormittag und dm Mittwoch-Nachmittag. Knaben sowol wie Mädchen beuchen die ganze Woche andere Schulanstatten, in welche sie vom Morgen bis Abend theils den Unterricht der Lehrer empfangen, theils die Lektionen derselben zu Hause reMiren oder die von den Lehrern erhaltenen Aufgaben ausarbeiten müssen. Nur der Sonntag und die Nachmittage der Mittwoch und des Sonnabends gehören ihnen z» ihrer Erholung. Wenn nun ein Schulkamerad christlichen Glaubens zu seinem jüdischen Freunde spricht: willst du nicht heute mit uns einen Ausflug in's Freie machen? Oder wenn die Ettern selbst bei schönem Wetter ausgchen, die Kinder aber, der Religionsstunden wegen, daheim bleiben müssen, kann man billiger Weise sie tadeln, iffim sie Solche nur mit Unlust besuchen, in denselben ze rstreut sind, also nicht auf den Vortrag der Lehrer hören oder sich gar ganz davon loszumachen suchen? Aber, wird man mit Recht fragen, ist dem abzuhelfnt? und wie? — Und ich antworte ohne Bedenken: dem ist abzuhelfen, auf eine einfache Weise abzuh«elfen! — I. Auch in den christlichen Schulanstatten nimmt