Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1850)
- Date
- 1850-10-21
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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591 mag der ferne Horizont auch Reicht und Sturm heraufbringen, mit Stolz werden wir »ns unseren Seelsorgern anschtießen und sie werden uns Trost geben aus den Quellen des Heils, aus denen Israel schon seit Jahrtausenden schöpft! Aber brechet endlich Euer Schweigen und tretet aus dem Dunkel des Nichtsthuns hsecvor! Ihr seied fähig dazu, habt Euch gekraftigt dazil Lurch Studien aller Art. Es ist wahr, wir können mit Bewußtsein auf unsere Geistlichen Hinweisen, sie habem mit eigner Kraft die Höhen aller Bildung erklömme», mit eigner Hand die Thore geöffnet und sind eingedMgen Ln die Hallen der Wissenschaft, sie könnten, wenn sie wollten, ein kräftiges Wort reden für Israel! Was aber kann es uns nützen, wenn dieses fehlt? Ob Ihr Lais Wort Gottes noch so scharfsinnig ausleget, und ein Buch noch so voller Gelehrsamkeit schreibt — das wirb Israels Heil nicht gründen! Handeln, entschiedenes Handeln, da wo es Noth thut, Handeln im Naturen dessen, dessen Dienste Ihr Euch geweiht, Handeln, um dem verlassnen und oft verrathenen Volke Stütze zu sein, das allein ist Eurer würdig. Die Gemeinden harren Errer That und vertrauen Euch! Machet dies Vertrauen »icht zu Schande! Wirket heute, damit die Zukunst einst segnend Eurer gedenke! G—l. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Suddeutfchlan d, im Oktober. (Privatmitth.) Daß überall von nltramontaner Seite wieder gegen das Judenthum gtivühlt wird, daß man insonders das Volk aufzuregi« sucht, weil man voraussetzt, daß, wenn fort und fort das Volk bearbeitet wird, sich nachdrücklich gegen die Juden auszusprechen, die Regierungen nicht unerfindlich hicgegen sein werden — wer könnte das nicht sehen, er müßte denn absichtlich die Augen verschließen wollen. Man weiß, es giebt eine Schicht, die sonst so konservativ wie möglich, und sich als die Stützen des Konservatismus gerirend, selbst rc««lutionäre Mittel nicht verschmäht, wenn sie dadurch zu ihren Zwecken zu gelangen glaubt. Ob es ihr gelingen wird, bezweifeln wir — allein sich blind diesem Zweifel zu überlassen, und dem Gifte kein Gegengift entgegenzusetzen, das wäre albern und unverantwortlich. Die Wirkungen der Bosheit müssen ja nicht gleich allgemein sein, oft genug werden sie lokal sein, und in das Glück und den Frieden Einzelner tief eingreifen. Darum muß ihnen begegnet werden. Wir halten es daher für wichtig, in Folgendem ein Beweisstück mitzutheilen, welches der Rabbiner Formstecher jüngst in dem Beiblatte zum Frankfurter Journal zu geben sich genöthigt sah. Offenbach, im September. Obgleich die Bibel schon so alt ist, hat die Menschheit doch noch lange und mächtig zu kämpfen, bis sie sich von allen heidnischen Elementen, vom heidnischen Jrrthume und Aberglauben befreit hat. Denn daß der verfolgende und verketzernde Pietismus, diese sitten- und lieblose Muckerei unserer Tage noch Ueberreste der heidnischen Gnosis, besonders jener der Neuplatoniker sind, hat die wissenschaftliche Forschung bis zur Klarheit bewiesen. Trotzdem behauptet dieser echt heidnische, fanatische Pietismus, der Geschichte und Wissenschaft zum Trotze, daß er das wahre Christenthum vertrete, in der Wahrheit sich befände und scheuet die verwerflichsten, satanischen Mittel nicht, um seine, das Wohl der Menschheit zerstörenden Lehren durch Wort und Schrift dem so leicht zu hintergehenden, harmlosen Volke einzuimpfen. Wenn solche hocherleuchtete und tiefspekulirende Pastoren in ihrem echt pharisäischen Hochmuthe gegen christliche Ketzer eifern, wenn sie sogar zu dem Ausrufe sich Hinreißen lassen: „Die Landeskirche ist ein chriftusloses, das Wort fälschendes, die Gewissen verwirrendes, die Seelen verderbendes Institut" (Lutherisches Kirchenblatt No. 23 d. I.), dann wird der Menschenfreund zwar wehmüthig lächeln, aber er wird doch lächeln ob der drolligen Anstrengungen solcher erbärmlichen Pygmäen, welche das Licht der Wissenschaft auslöschen und das mächtige Zeitenrad aus seinem Geleise schieben wollen. Wenn aber der Menschenfreund sieht, wie diese erleuchteten und erwählten Herren als quälende Kobolde über unschuldige schwache Opfer herfallen, um ihre teuflische Lust da zu stillen, wo sie keine Gegenkraft zu fürchten wahnen, dann möchte er Thränen, heiße Thränen weinen, und zwar darüber, daß das heiligste und ehrwürdigste Gut der Menschheit, die Religion, mißbraucht wird zur Mißhandlung des Nebenmenschen. Diese schwachen Opfer sind jene Glieder der menschlichen