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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-21 · Heft 43 (21.10.1850) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 43 (21.10.1850)
Date
1850-10-21
Page
Seite 590 (sequence 2)
Language
German
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590 gesellschaft gesandt, klein, aber stark und lang bewährt. Keine großen und mächtigen Kathedralen vermögen Euch die Gemeinden zu bieten, um in ihnen das Wort Gottes hören zu lasten, keine reichen Pfründen, keine hohen Ehrenämter lohnen Eure Mühen! Oft nur ein verfallenes hölzernes Gebäude, ein kümmerliches Auskommen ist Alles was sie bieten können! Aber die Religion, als der Schatz, zu dessen Hütern Ihr berufen, ist eine alte, oft bewährte, muthig vertheidigte, ihr Glaube unbesiegt, ihre Hoffnung unerschütterlich. Was ihr an außerm Glanze und äußerer Pracht abgeht, dasersetzt der innere Schatz ihres Glaubens, ihrer Wahrheit, ihrer Liebe. Ihr seid berufen zu Pflegern des alten Baumes, dessen Wurzeln tief im Boden der Vorwelt ruhen, und der nicht aufhört junge Sprößlinge zu treiben, so sehr man ihn auch hat zu erdrücken gestrebt! Seht Euch um, wie um ihn her gewühlt und gearbeitet wird, um endlich die Kraft dieses Riesenstammes zu brechen.... Jetzt ist eine Zeit eingetreten, wichtiger und entscheidender denn je, der Staat ist da angelangt, wo er bie Gestaltung des Judenthums in die Hand nehmen muß und nicht lange abweisen kann, und was thut Ihr oder habt Ihr gethan, um der Gesetzgebung ein richtiges Bild von unseren Bedürfnissen beizubringen? Die Zukunft unserer Religion, die die Keime neuer Lebenskraft zu Tage gefördert, liegt in Eueren Händen! Von Euch wird sie einst gefordert werden, wenn sie trüber und trauriger ausfallen sollte, als wir zu hoffen berechtigt! Wenn wir die Sonne, die wir erwarten, niemals sehen, wenn die letzten Sterne der Hoffnung uns untergehen, und eine Nacht hereinbrechen sollte, dann wird Alles von Eurer Hand gefordert werden, wenn man nicht wird sagen können, daß Ihr das Eure gethan habt! Und über diese Zukunft muß mit Nächstem ein entscheidendes Wort gesprochen werden, ein Gesetz kann uns zur eisernen Fessel oder zum sanften Leitbande werden! Es kann unsere Glieder zusammenpressen oder sie erwecken zu neuem Leben und Streben! Nein, da dürft und könnt Ihr nicht ruhig Zusehen, da müßt auch Ihr ernste und mahnende Worte reden, ehe der entscheidende Schritt geschieht! Ihr müßt und werdet handeln, damit unseren Feinden allein nicht das Feld überlassen bleibe! Sie belagern und bestürmen die Ohren der Gesetzgeber, schreien Zeter über jedes Stückchen Freiheit, das uns gegeben wird. Haben nicht Stimmen in den gesetzgebenden Kammern laut genug gegen uns gesprochen? Hat jene heuchlerische Presse nicht Schmach und Schande genug auf uns gehaust und des Volkes blinder Wuth die Waffe in die Hand gedrückt, die sie geheiligt hat durch den Wahn der Vollstreckung des göttlichen Gerichtes, um über uns herzufallen und uns zu vernichten? Hat es von den Kanzeln nicht laut genug gedonnert gegen uns? Und dennoch habt Ihr geschwiegen und immer geschwiegen! In Stuttgart tagte eine evangelische Synode, in Wien ein Kongreß von Bischöfen, in Linz ein katholischer Kongreß — und die Juden? Da Ihr gerufen wurdet zu heilsamer Berathung, warum habt Ihr Euch kalt abgewendet? Und wollt Ihr immer noch schweigen und Nichts thun und dennoch Hoffnung setzen auf eine so zweifelhafte Zukunft? Seht, wie unsre Religion, das theuer errungene Erbgut unserer Väter, verlassen und vergessen ist, wenn Ihr sie vergesset! Keine Staatsmacht stützet sie, an keinem Throne findet sie Schutz, keine Hierarchie hält sie aufrecht, sie war und ist immer auf die Kraft ihrer Bekenner, insonders aber auf die Kraft ihrer Lehrer angewiesen, und wie herrlich hat sich dieselbe in den früheren Jahrhunderten bewährt? Wo es galt zu entbehren und zu leiden, da waren sie die Ersten, wo es galt den Zorn der Verfolger zu mäßigen, den Kerker zu suchen, den Scheiterhaufen zu besteigen, da waren sie die Ersten! Das waren echte Nachfolger des großen Dulders Moses, unsers Lehrers, echte Nachfolger des Propheten, die sich in's Angesicht speien ließen, weit sie ununterbrochen redeten, wo es die Wahrheit galt! Wohlan! erwärmet Euern Eifer an solchen Lichtern des Glaubens, erstarket Euch an solchem Muthe, lasset endlich fahren jenes heillose Schweigen, ja, vergesset endlich Euern Streit der Parteien! Orthodoxe oder Reformer, was wollt Ihr anfangen, wenn über Israel eine traurige Zukunft hereinbräche! Ihr Alle wollet ja das Heil Israels, jetzt müsset Ihr Euch vereinigen, auch Einer darf nicht fehlen, entschieden und kräftig müßt Ihr darlegen, was unfecs Glaubens und unsers Rechts ist, was die Gemeinden bedürfen in dieser Zeit des Verfalls, was in der Schule gelehrt werden muß! Und daran müsset Ihr festhalten, wie an dem letzten Anker der Hoffnung, und mag dann kommen was da wolle, Ihr und Eure Gemeinden werden ruhig und sicher sein. Und

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