Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1850)
- Date
- 1850-10-14
- Page
- Seite 586 (sequence 10)
- Language
- German
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586 Vorstandes und der Reprasentantenversammlungen vorgenommen werden. K. 62. Sollen tiefer und in das Wesen des Gottesdienstes eingreifende Veränderungen vorgenommen werden, so muß der Beschluß des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Gemeindeversammlung zur Bestätigung vorgelegt werden. §. 63. Ist eine Veränderung nach §. 61 vorgenommen, und es erheben sich in der Gemeinde Zweifel, ob dieselbe der Kompetenz des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung unterlegen, so macht eine desfallsige Vorstellung, wenn sie von 25 stimmberechtigten Mitgliedern unterschrieben ist, eine Gemeindeversammlung erforderlich. Der Vorstand hat dieser das Gutachten des hiesigen und zweier auswärtigen Rabbiner des Inlandes über den in Frage stehenden Gegenstand vorzulegen, und nach deren Anhörung entscheidet sodann die Gemeindeversammlung durch einfache Stimmenmehrheit. (Schluß folgt.) Was das Wesen einer Synagoge ausmacht, das sind zweifellos zuerst jene Rollen der Lehre Mosis, jene ■nsD, die wir in der nach Sonnenaufgang gewandten Lade bergen, und als die Quelle unserer Religion verehren. Und mit diesen Büchern Most's die Bücher der Propheten, und mit diesen die Bücher der trmrö, der h. Schriften. Denn wie wir immerfort verlesen aus den Büchern Mosis und der Propheten, so sind unsere meisten Gebete entlehnt aus den Psalmen, oder zusammengefugt aus Psalm- und Prophetensprüchen. Was sonst noch in den Jahrtausenden unsers Glaubens von uns gedacht und geschrieben worden, denket es Euch hinweg, und die Synagoge besteht immer noch wie sie ist; aber denket Euch jene Rotten aus dieser Lade und mit ibr Propheten und Psalmisten hinweg, und es ist keine Synagoge mehr. Wie sollte es auch anders! Wohin Israel in der langen Zeit seines Daseins zog, diese trug es mit sich von dannen, diese allein ließ es niemals zurück. Wenn seine Paläste in Trümmer, seine Wohnungen in Asche sanken, wenn ihm seine Habe, das Land seiner Väter genommen ward, ja wenn sein Tempel auf Zion zerbrochen, ihm selbst aber das Joch der Knechtschaft auf den wunden Nacken gelegt worden — die Rollen Mosis, die Bücher der Propheten, die Gesänge der Psalmisten, sie rettete es, sie deckte es mit seinen Leibern und seinen Geistern. Nach Babel zog's und nahm sie mit sich, nach Rom zog's und nahm sie mit sich, in alle Welt zog's und brachte sie dahin; als es selbst in die Urwälder Amerikas, in die Steppen Australiens drang, bald holte es diese Rollen, diese Bücher sich nach. Wie wenn Israels und dieser Rollen Dasein mit geheimnißvollem Zauber aneinander gekettet wäre, daß sie nicht ohn' einander existiren könnten.... Uno noch einmal: wie sollt' es auch anders! Was sind denn diese Rollen, diese Bücher? Keine Bilder, keine Symbole, wie in allen anderen Religionen, keine Zeichen, in denen eine geheime Bedeutung läge, nicht das Pergament, denn um ein Leichtes und es ist für uns unbrauchbar, sondern — die Lehre, die darin verkündet, die Gedanken, die darin ausgesprochen, der Geist, der darin wehet, die Erkenntniß, die Sittlichkeit, die Weisheit, die darin niedergelegt — sie sind es, die sie uns heilig, unentbehrlich, mit unserm innersten Dasein verknüpft machen.... Lächelt nur, die Ihr auf der Dunstwolke des Unglaubens stehet, wir stehen auf festem Grunde; spottet, die Ihr auf den Dornen stechender, zerfressender Kritik ruhet, wir ruhen auf sicherm Lager; wir stehen auf dem festen Grunde einer viertausendjährigen Lehre, der alle unsere Geschlechter angehörten, wir ruhen auf dem sichern Lager einer Erkenntniß, die immer wieder in uns auflebt, und in die wir uns immer wieder hineinleben.... Wir wissen es, diese Rollen und Bücher, aus ihnen ging Alles hervor, was an religiösem Lichte und religiöser Flamme die Menschenwelt erleuchtete und erwärmte. Aber wir wissen auch, daß deshalb überall um diese religiöse Idee in der Menschenwelt Kampf und Zwiespalt entstand und sich fortspann, Israel aber immer einig, immer ein Ganzes um diese Lehre und ihren Inhalt verblieb, Einzelne verlieren sich, aber die Gesammtheit verbleibet so. Auch in der Gesammtheit Israels Entwickelung, Streben nach mehr Licht, Sehnsucht nach mehr Wärme, aber innerhalb der Lehre selbst nicht gespalten, nicht zerrissen. Und so konnte und kann es nicht anders sein. Wo wir diese Rotten und Bücher hintragen, da ist eine Synagoge Israels, und wo wir eine Synagoge Israels errichten, da sind diese Stellen und Bücher; und darum sagen unsere Weisen: Yrm manb ptwr bb vbi? bra „wer für Erbauung einer Synagoge arbeitet, arbeitet für das Licht der Welt." Wenn aber also diese Bücher der Lehre die geistige Grundlage sind, auf die sich die Synagoge aufbaut, was