Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1850)
- Date
- 1850-10-14
- Page
- Seite 587 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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587 ifi die wirkliche, sichtliche Grundlage? was ist zweitens der Synagoge unentbehrlich, um Synagoge zu sein? bantD' nö5B, die Versammlung Israels, die zur Gottesverehrung sich versammelnden Israeliten, mag ihre Zahl groß oder gering sein. Uns ist die Synagoge nicht wie die Kirche ein geheimnißvolles, mit Autorität, mit der Kraft zu binden und zu lösen versehenes Wesen, das auch ohne die Gemeinde besteht, ja das über der Gemeinde steht, und sie bewältigt — sondern bei uns ist die Synagoge an sich gar Nichts, sondern die Gemeinde ist Alles. Wo die Gemeinde Zusammentritt, da ist Synagoge, heute hier, heute dort; wo zehn Männer versammelt sind zum Gebet, da ist Synagoge, da ist öffentliche allgemeine Gottesverehrung. Ohne die Gemeinde aber hat die Synagoge an sich gar keine Bedeutung. Woher dies, m. Fr.? Es beruht dies auf einem tiefen Unterschiede, der zwischen unsrer und allen übrigen Religionen besteht. Die Religion Israels ist in Israel naturwüchsig, die anderen Religionen sind auf die Völker erst übertragen. Unsre Religion entstand in unserm Stamme, und verblieb in diesem Stamme, und dieser Stamm verblieb ihr. In der Geschichte der großen Menschenfamilie ist dies von hoher Bedeutung. Denn damit war unsre Religion nicht etwa verschlossen für die andre Menschheit — ihr Inhalt ging ja von Zeit zu Zeit in großen Pulsen auf die Menschheit über; unsre Religion blieb nur die Quelle, aus der die übrigen frei nach beliebigem Maße schöpften — da war es aber von höchster Bedeutung, daß diese Quelle wie von einer unerschütterlichen Umfassung, von einem Stamme, von Israel erhalten werde, daß ihre ewig sprudelnden Wasser sich nimmer verlieren. Aber ebenso wichtig ist dies für Israel selbst. Von einem übertragenen, von einem künstlichen Werke kann man sich trennen, frei machen, aber von einem naturwüchsigen niemals; das ist mit allen Fasern unsers Seins, mit allen Fibern unsers Geistes so durchwachsen, da wurzelt unser Geist so fest darin, und unser Geist in ihm, daß eine Trennung ohne vollen Riß des ganzen Innern nicht möglich ist. Und ferner: dadurch ist unsre Religion wie ein Familienkleinod, von Vater auf Sohn, von Mutter auf Tochter vererbt, und wer sich von ihm lossagt, reißt sich zugleich von der langen Reihe seiner Väter los, und stürzt sich in die öde Fremde. Wohl, m. Fr., darum ist der Glaube in Israel ein ganz anderer, als der in anderen Völkern. Er hat sich die Naivetat des Ursprünglichen bewahrt, und umfaßt doch zugleich die Forschung des Verstandes, er hat sich wie in ein Monument der Geschichte, der vierJahrtausende verkörpert, und lebt doch in unserm ganzen Herzen. Und darum ist es dies, was den Israeliten ausmacht, das HevZ, Und der befriedigte Verstand, und die Ehrfurcht vor der Geschichte, das ist den Vätern, und die innerste Uebereinstimmung unsers Stammcharakters. Und darum ist die Synagoge nicht ein Gebäude aus Stein, sondern ein Bauwerk aus lebendigen Herzen. Eine Rolle Mosis und eine Zahl aus Israels Männern, und die Synagoge ist vollendet, Grund- und Schlußstein sind da, Mauer und Zinne! Literarische Nachrichten. Leipzig, 5. Oktober. In diesen Tagen ist die Ute Lieferung des Bandes III. des Philippsonschen Bibelwerks ausgegeben worden, welche bis zu Kap. 20 der Sprüche Satomonis führt. Die 12te Lieferung, welche den Schluß der Sprüche nebst der Einleitung zu diesem Buche enthalten wird, folgt in Balde. So nimmt das umfassende Werk seinen Fortschritt. Magdeburg, 6. Oktober. In Bezug auf die in Ro. 39 enthaltene Anzeige der Umarbeitung des Bette r'schen Kinderfreundes durch Herrn Joel Nathan für israelitischen Schulen gehen uns von Herrn Leeser in Dülmen und Herrn Z. in W. Bemerkungen zu, die dahin gehen, daß Herr I. N. durchaus nicht die Sorgfalt, das Spezifisch-Christliche aus dem Buche zu entfernen, die doch seine ganze Arbeit ausmachte, in einem Maße angewendet hat, wie sie mit Recht gefordert werden kann, und wie sie allein sein Werk empfehlenswerth macht. So führen die gesch. Korresp. Stellen an, wie: So heißt es Seite 22, Zeile 11 von unten. Lasset uns Gott lieben (spricht Johannes) er hat uns zuerst geliebt. Finden sich denn im alten Testamente keine Belege, daß man Gott lieben solle? Seite 22, Zeile 5 von unten. Nicht fern mehr ist die Zeit, wer sollte sich darüber nicht freuen, daß alle Völker der Erde, die Kraft des Evangeliums erfahren werden u. s. w. Seite 24, Spruch 21. Christlich übet Edelmuth.