Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1850)
- Date
- 1850-10-14
- Page
- Seite 581 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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581 tirt, wo und wie am Besten ein neues großes Gotteshaus aufgeführt werden könnte; Pläne sind in Masse entworfen worden. Allein — wie dort bei jeder Gemeindeangelegenheit — so ist man auch hierbei stets bei den Entwürfen stehengebliebe». Sollte endlich einmal ein reifes Projekt zur Ausführung kommen, so zerrte es der Eine hierher, der A«dre dorthin, bis cs mitten durchriß, und — weg wer Alles. — Posen ist die größte und reichste Gemeinde des Großherzogthums und hat dessenungeachtet cbm so wenig einen „großen Tempel", als eine „öffentliche Unterrichtsanstalt für die Jugend *) ^>ufz uw eisen. Ueber diesen letztem Mangel haben wir uns erst neulich in dieser Zeitung ausführlich genug vernehmen lassen. Was aber die „Betschulen" betrifft, so haben wir nur noch zu bemerken, daß unter allen in Posen vorhandenen, die des Brüdervereins die einzige ist, in welcher ein ordnungsvollerimd zeitgemäßer Gottesdienst abgehalten wird. Die in derselben vakant gewesene Kantorstelle ist neuerdmgs durch einen jungen Mann aus Ungarn, der seiner „köstlichen Stimme"1 2) wegen sehr gefallen ftll, wieder besetzt worden. — Herr Prediger Pleßner ist nach P. 1) Wie die dreiklassige s. g. städtksch-jüdisHe Schule nicht genügend ausreicht, ist von dem Berichterstatter XXIl in No. 29 d. Bl. deutlich genug auseinander gcgesetzt worden. Die kurze Replik aus Posen, vom 11. v. M. (in No. 35) hat nur widersprach en, aber nicht widerlegt. Der Kvrresp. aus No. 29 bleibt — ohne den dortigen drei Lehrern nur im Entfeu-ttesten Etwas zur Last legen zu wollen — fest dabei stehen, daß 1) in die stadtisch-jüdische Schule von P., wie sie jetzt beschaffe» ist, durchaus nicht alle arme Kindar der Gemeinde ausgenommen werden können; daß ferner: 2) wenn die Kinder der Wohlhabenden und Bemittelten aus der Anstalt entfernt würden, dadurch eine ziemliche Anzahl von Plätzen für die Kinder der Mittellosen dürfte gewonnen werden, und daß endlich 3) sollte in P. eine Gemeindeschule (i. e. Freischule) errichtet w! rden, diese allermindestens 6 Klaffen mit ebensoviel Lehrer» — welche Letztere nicht abgenutzte Kräfte sein dürfen — haben müßte. Die Verdienste der „nicht nur geprüften, sondern auch vielfach erprobten" drei Lehrer an der stadtisch-jüdischen Schule stellt Niemand in Atrede; der Korresp. in No. 29 lhul dies am Allerwenigsten. 2) Möge der Brüderverein hier eine besseie Akquisition gemacht haben, als es vor 4 Jahren bei ähnlicher Gelegenheit der Fall gewesen, wo ebenfalls auf die „S ü ßlichkeit der Stimme" sehr viel Gewicht gelegt worden war. zurückgekehrt; ob aber der Oberrabbiner Eger dort bleiben wird ist wieder sehr ungewiß. Bei Posen haben wir den Mangel eines großen Gotteshauses bedauert; bei Lissa aber werden wir uns in dieser Beziehung nicht zu beklagen haben. Denn diese Gemeinde hat einen Tempel so groß und so schön, wie man ihn selten findet*). Allein, was hilft's? der Gottesdienst, wie er in diesem Tempel abgehalten wird, ist Nichts weniger als erhaben und würdevoll. Da herrscht leider! noch der alte „Schlendrian" mit allen seinen Unsitten und Mißbräuchen, wie vor 20 und 30 Jahren 2). Eins ist in der neuern Zeit abgeschafft worden, nämlich die Mizwotversteigerung. Sonstist „Alles beim Alten geblieben". Die große Mehrzahl in der Gemeinde wünscht es nicht besser, und die, welche anderswo vom Baume der Erkenntniß gekostet und daher zu Hause auch gern „etwas Besseres" haben möchten, sind viel zu träge 3), um Hand an'sWerk zu legen. Klagen und räsonniren kann Jeder über das, was ihm nicht gefällt; doch „dem Uebel abhelfen?" — Ja, das würde erstens Mühe kosten, und zweitens Geld. Und wer giebt sich heutzutage gern Mühe, und wer schont nicht gern seinen Beutel, wobei am Ende doch Nichts zu erübrigen wäre?-Die Gemeinde Lissa hat aber außer dem erwähnten großen Tempel noch mehrere andere sogenannte „Nebenschulen" aufzuweisen. Diese alle, so wie der große Tempel sind in den letztverflossenen „heiligen Tagen" überfüllter denn je gewesen. Dies kam daher, weil die 200 Juden, welche von Lissa aus die leipziger Messe besuchen, und sonst in der Regel schon vor n:wn wu-i, oder mindestens vor "neo ar> dahin abgereist zu sein pflegen, diesmal — da die Messe später fällt — Alle noch zu Hause waren und das Vergnügen genießen konnten, an den heiligen Festen in der geliebten Heimath den Gott der Gnade und Barmherzigkeit anzubeten. Die reichen und gebildeten Kaufleute sind alle daheim gewesen; doch an die Herstellung eines würdevollen Got- 1) Das Gebäude steht schon lange, ist aber vor drei Jahren innerlich, mit einem Kostenaufwand von 5009 Thlr., sehr geschmackvoll rcstaurirt worden. 2) Eine Schilderung hiervon würde den Leser nur langweilen, darum verzichten wir darauf. 3) Oder eigentlich viel zu indisserent.