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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-07 · Heft 41 (7.10.1850) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 41 (7.10.1850)
Date
1850-10-07
Page
Seite 575 (sequence 11)
Language
German
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575 Chirurgie an der hiesigen Akademie bis zu der Aufhebung derselben im Zahre 1847. So verdanken wir es einem eignen Zusammentreffen von Privat- und öffentlicher Angelegenheit, daß wir unfern verehrten Landsmann in unserer Mitte behielten. — Die Wechselfalle einer stürmischen Zeit, die heiteren und ernsten Abenteuer des Krieges waren durchlebt, der Friede wieder hergestellt; endlich, im Hafen der Ruhe angelangt, wurde der Brave von einem Schlage getroffen, dessen Wunde nie ganz vernarbte. Nach einjähriger, glücklicher Ehe (1816) starb ihm seine Gattin; der Augenblick., in welchem sie Mutter wurde, gab ihr den Tod, wie der einfache Leichenstein sagt. Alle die, ob auch noch so herzlichen Beileidsbezeugungen seiner zahlreichen Bekannten, vermochten den Schmerz nicht so zu lindern, wie die einfachen Worte des wackern, auf die Trauernachricht sofort herübergeeilten Schwiegervaters: „Sie haben eine gute Frau, ich habe eine gute Tochter verloren; wir wollen unfern Gram vereinigen und uns zusammen trösten." Sie blieben auch vereinigt. Haindorf schritt nicht zur zweiten Ehe. Er widmete sich der Erziehung seiner Tochter, die des Vaters treues Ebenbild, worin ihm Fraulein v. Glaubitz, eine sehr gebildete und geistreiche Dame, die er in Paris kennen gelernt hatte, mit redlichem Eifer Erleichterung verschaffte, und lebte als Lehrer an der Hochschule und als viel beschäftigter Arzt, in den ersten und angesehensten Hausern der Stadt Hausarzt und Freund, aber darüber die Armen, die sein begehrten und die er immer unentgeldlich behandelte, keinesweges vernachlässigend, seinem edeln Berufe und den Wissenschaften, dieser sichern Zuflucht eines Jeden, der sie sucht und ehrt. Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften, und Mitarbeiter an verschiedenen medizinischen und anderen Zeitschriften, fuhr er natürlich in seiner schriftstellerischen Thätigkeit fort, und ließ noch besonders drucken: „John. Reid, Versuche über hypochondrische und andere Nervenaffektionen. Aus dem Englischen übersetzt, mit Anmerkungen und Zusätzen. Essen und Duisburg bei G. D. Bädecker, 1819." AlleinHaindorf ist nicht blos einseitig Mediziner, sondern, auf der Höhe der Zeit stehend, vereinigt er mit tüchtiger Sachkenntniß eine universelle, namentlich philosophische Durchbildung, und noch jetzt geht keine irgend bedeutende literarische Erscheinung unbemerkt an ihm vorüber. Inden Jahren 1825 — 30 verfaßte er noch nach handschriftlichen Quellen eine recht angemessene Geschichte Spaniens und Frankreichs, wie er denn auch Mitglied des historischen und, als verständiger Kunstfreund, Vorstand des rheinischwestphätischen Kunstvereins ist. Doch noch mehr, als wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen, die seinem Namen in der gelehrten Welt einen guten Klang brachten, erfreute und erfreut sich unser Haindorf wegen seines in jeder Beziehung fleckenlosen Charakters, seiner edeln Menschenfreundlichkeit, mit der er Allen und Jedem wohlthut, und wegen seiner reinen, wahren und anspruchslosen Humanität der größten und allgemeinsten Liebe und Hochachtung, die sein einziger, aber auch schönster Orden." Dieser Mann war es, der an die Spitze des im November 1825 konstituirten Vereins trat, und seitdem der Hauptträger desselben blieb. Der Vers, der Denkschrift entwickelt nun den Verlauf des sich entwickelnden Vereins, stellt sehr ausführlich die Art der Leitung und die Mittel seiner Erhaltung, endlich die Wirksamkeit des Vereins dar, die aufs Rühmlichste selbst in Zahlen spricht, die Frequenz und äußere Einrichtung der Schule, die Lehrwerse und Disziplin, das Lehrerpersonal, und fügt am Schluffe ein Wort über „den Fortbestand der Anstalt" hinzu. Unsere Leser werden hieraus das vielfach Interessante und Belehrende der Broschüre erkennen. Wir halten es für unsere Pflicht, einige Worte des letzten Artikels hier noch anzufügen, deren Erfüllung wir von Herzen wünschen. Der Fortbestand der Anstalt kann leicht gesichert werden, wenn das edle Beispiel von Marks von Seiten der Reichen und Wohlhabenden unter unseren Glaubensgenossen, nicht blos in Rheinland-Westphalen, obwol hier zunächst, sondern überall, die geeignete Nachahmung findet. Möchten sie, von der Nothwendigkeit dieser Nacheiferung überzeugt, auch durch diese unparteiische und treue Geschichte des Vereins sich dazu angespornt fühlen und, fern von eitler Ruhm- und Vergnügungssucht, zu deren Befriedigung oft Tausende nutzlos vergeudet werden, nicht vergessen, daß das Gute, bleibt es auch still verborgen, nie verloren geht, und daß sie sich hier ein preiswürdiges, ewiges Denkmal setzen können. Jetzt ist die erste fünf und zwanzigjährige Jubelfeier des Vereins, der passendste Moment dazu gekommen und er darf nicht spurlos vorübergehen. Denn daß bei den jetzt geltenden Verfassungsgrundsätzen auf eine staatliche Errichtung jüdischer Lehranstalten noch weniger, als früher, gerechnet werden dürfe, daß diese Letzteren aber unumgänglich nöthig, wenn nicht Alles wieder in träger Auflösung zergehen soll, und daß es für uns ungleich besser, wenn dieselben durch uns selbst gegründet und in edler Unabhängigkeit und Selbstständigkeit erhalten werden, daß endlich der Ertrag des

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