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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-07 · Heft 41 (7.10.1850) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 41 (7.10.1850)
Date
1850-10-07
Page
Seite 574 (sequence 10)
Language
German
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574 entzogen. Das kümmerliche Leben begann also auf der Hochschule von Neuem. Hakndorf hatte die Medizin erwählt, und durch alle Plackereien hindurch verfolgte er, immer weiter fortschreitend auf der schwierigen, aber ihre Getreuen unnennbar lohnenden Bahn des Wissens, mit Muth und Ausdauer sein Ziel. Er studirte zuerst in Würzburg, wo er in der Philosophie besonders auch Wagener hörte, dann in Erlangen, darauf in Bamberg, wo das große Hospital zugleich die beste Gelegenheit zu praktischer Uebung in der Heilkunde gab, und zuletzt in Heidelberg, wo er die acht schwere Fragen über die Nervenkraft im Körper enthaltende medizinische Preisfrage löste, die 1810 in lateinischer Sprache, worin sie geschrieben sein mußte, gedruckt erschien, und wo er auch promovirte und sich nach Vertheidigung seiner „Theses ex universa medieitia3 pro facultate legendi, Heidelberg, Gutmann 1810", als Privatdozent inhabilitirte, mit der ihm sicher gegebenen Aussicht auf baldige Professur. Nachdem er jedoch anderthalb Jahre mit dem besten Erfolge dort Vorlesungen über Pathologie, materia medica und Psychologie gehalten, auch, schriftstellerisch thatig, seinen „Versuch einer Pathologie und Therapie der Geistes- und Gemüthskrankheiten, Heidelberg, Braun, 1811", herausgegeben hatte, ging er, um sich in seinem Fache noch mehr zu vervollkommnen und Erfahrungen zu sammeln, nach Frankreich, dessen Universitäten, öffentliche und Privatheilanstalten er besuchte, und hielt sich zwei Jahre in Paris auf, dem Mittelpunkte der europäischen Kultur und der besten Schule für einen jungen Arzt, der durch Bekanntschaften und Aufmunterungen von vielen und bedeutenden Seiten sich bald dort orientirt und eingelebt hatte. Allein der Krieg war ausgebrochen und bereits so weit gediehen, daß jede Verbindung mit dem verhaßten Frankreich abgeschnitten und eine ungehinderte Rückkehr in das deutsche Vaterland unmöglich zu werden drohete, wenn man sie nicht sofort beschleunigte und nicht in den damals leicht erregbaren Verdacht des Mangels an Patriotismus kommen wollte, was für immer schaden konnte. Haindors, seit langer schon mit der einzigen Tochter des Rentners E. Marcks in Hamm verlobt, eilte auf das dringende Begehren der Familie in die Heimath und kam eben mitten im Kriegsgetümmel noch rechtzeitig an, um die besorgten Seinigen zu beruhigen und in der wilden Bewegung von Kosacken, die das schöne Vaterland arg durchschwärmten, von Zügen der Freiwilligen, von einheimischen und flüchtigen französischen Truppen gegen Vexationen, deren jedes Haus damals selbstredend ausgesetzt war, mit seiner jungen Kraft und Gewandtheit schützen zu helfen. Als die Fluth der Ereignisse etwas nachzulassen begann, begab sich Haindorf auf den Rath der Familie als praktischer Arzt nach Minden, wo ein Solcher fehlte. Man kann sich denken, daß der Aufenthalt in einer so kleinen, stillen Stadt und ein voraussichtlich so beschrankter Wirkungskreis dem regen Geiste und den Fähigkeiten Haindorf's keinesweges genügte. Bei Tafel lernte er bald zufällig einen durchreisenden hochgestellten russischen Offizier kennen, der kein Wort Deutsch verstand und sich höchlich freuete, Jemanden gefunden zu haben, der fertig französisch sprach und ihm zugleich Auskunft über französische Zustände geben konnte, und begleitete diesen auf seine Bitte zum Vergnügen nach Hannover. Hier besuchte er seinen berühmten Kollegen, Hofrath 1)r. Sti eglitz, der ihn bald schätzen lernte, nachmals mit ihm sehr befreundet wurde und ihn veranlaßte, nach den leicht und glanzend bestandenen betreffenden Prüfungen in hannöversche Dienste zu treten, und, da er hiefür leichter die Zustimmung seiner Familie voraussetzen durfte, als wenn er, nach dem anfänglichen Vorschläge, der Armee als Generalarzt gefolgt wäre, so wählte ec die durch einen Tausch für ihn vakant gewordene Stelle eines Oberassistenzarztes am akademischen Hospitale und eines Privatdozenten mit der Anwartschaft auf die nächste Professur in Göttingen, wo er in sehr besuchten Kollegien über Anthropologie, Psychologie, materia medica und Therapie las und sein ausgezeichneks Buch: „Beitrage zur Kulturgeschichte der Medizin und Chirurgie Frankreichs und vorzüglich seiner Hauptstadt, mit einer Uebersicht ihrer sammtlichen Hospitäler und Armenanstalten, nebst mehreren, wahrend der Jahre 1813 und 14 dort gesammelten medizinisch-chirurgischen Beobachtungen" schrieb, das er dem Overpräsidenten von Westphalen, Freiherrn v. Vincke widmete, der daraus und später durch persönlichen Umgang den Verfasser immer höher achten lernte. Der gerechte Wunsch seiner Schwiegereltern, ihr einziges Kind mehr in der Nähe zu haben, und die in demselben noch bestärkende gleichzeitige Aufforderung der Regierung, daß alle Preußen, welche im Lande wieder angestellt sein wollten, zurückkehren möchten, bewogen ihn, Göttingen zu verlassen, um preußische Dienste zu übernehmen. Er wurde als Dirigent des Militärlazareths in Weset bestimmt, dann aber bald als Stabsarzt bei dem Lazareth zu Münster versetzt, welches Amt er aber als Jude schon nach 1 ^jähriger treuen Verwaltung quittiren mußte, und blieb nun Professor der Medizin und

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