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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-07 · Heft 41 (7.10.1850) · p. Seite 572

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 41 (7.10.1850)
Date
1850-10-07
Page
Seite 572 (sequence 8)
Language
German
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572 Vorsitzende, als Vertreter des Vorstandes, und Ln Fällen der K. 32 gedachten Art, der Vorsitzende der Repräsentanten, können zu jeder Zeit, wenn ein Redner vollendet hat, das Wort fordern und ergreifen. §. 34. Wenn Jemand ungebührlich und wider die Bestimmungen des §. 6 sich betragt, so hat der Vorsitzende zuerst ihn durch ein beruhigendes Wort zurechtzuweisen, bei fortgesetzter Ungebürlichkeit ihn durch Tadel zu verweisen, und, bleibt dies fruchtlos, ihn aufzufordern, die Versammlung zu verlassen. Der Vorsitzende hat das Recht, den Redner, der von der Sache abschweift, zu ersuchen, zur Sache zu kommen, und dem Redner, der sich maßloser oder beleidigender Ausdrücke bedient, das Wort zu entziehen. Entsteht in der Versammlung ein durch Wort und Klingel nicht zu bewältigender Tumult, so hebt der Vorsitzende die Versammlung auf. §. 35. Auf Antrag von zehn Anwesenden auf Schluß der Diskussion stellt der Vorsitzende die Frage auf Schluß. Hierauf bestimmt der Vorsitzende die Fragestellung. Gegen diese, ohne wieder in die Diskussion der Sache zurückzugehen, kann Jeder das Wort fordern. Sind Zweifel über die Fragestellung erhoben, so laßt der Vorsitzende die Versammlung über die Fragestellung durch Abstimmung entscheiden. §. 36. Die Abstimmung geschieht in der Regel durch Aufstehen und Sitzenbleiben. Auf Antrag von drei Anwesenden muß die Zählung vorgenommen werden. Beschließt die Versammlung die Niedersetzung einer Kommission, so hat der Vorsitzende entweder die Personen vorzuschlagen, und die Versammlung sie zu bestätigen, oder die Versammlung aufzufordern, Personen zu nennen und über die genannten abzustimmen. §. 37. Die Wahlen der Vorsteher und Repräsentanten werden durch Stimmzettel vollzogen. Der Vorsitzende ernennt zwei Anwesende zum Sammeln, Eröffnen und Zählen der Stimmzettel. §. 38. Bei der Eröffnung jeder Versammlung liest der Vorsitzende die §§. 33 bis 37 zur Kenntnißnahme und sorgfältigen Beachtung vor. (Fortsetzung folgt.» Literarische Nachrichten. Magdeburg, 23. September. Der Verein für Westphalen und Rheinprovinz zur Bildung von ElementMehrern und zur Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden zu Münster. Historische Denkschrift zu der am Mittwoch den 21. August 1850 stattfindenden Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Anstalt, nebst einer Biographie des Stifters und Dirigenten, von Dr. Salomon Friedländer. Der Reinertrag ist zum Besten des Vereins. Preis 71/2 Sgr., ohne die Wohlthatigkeit zu beschränken. Brilon, 1850. Die ausführliche, besonders fleißig gearbeitete, und mit mancherlei guten Bemerkungen versehene Denkschrift auf die bekannte Anstalt, beginnt, nach einer Einleitung, in welcher die Stellung der Juden, aus der der Verein hervorwuchs, charakterisirt ist, mit einer biographischen Skizze des verdienten Prof. Haindorf, die wir hier wiedergeben, da sie gewiß bei dem Rufe dieses Mannes Vielen willkommen sein wird, aber auch an sich des Interessanten genug enthält. „Alexander Haindorf ist am 2. Mai 1784 zu Lenhausen im Kreise Meschede geboren. Sein Vater, ein vermögender Handelsmann, war ein sinniger, gefühlvoller Mann, der viel gedacht und ein tiefinnerliches Leben geführt zu haben scheint. Ach, wer weiß, was im Herzen und im Geiste eines damals so viel geplagten, armen Juden vorgegangen sein mag! Zwei Söhne erster Ehe, die er sorgfältig erzogen und mit Opfern hatte ausbilden lassen, machten ihm vielen Verdruß und verschwendeten das mühsam Erworbene; eine Tochter wurde im Orte selbst gut, die andere an einen Lehrer nicht so glücklich verheirathet. Die Mutter, des Vaters zweite Frau, war fromm und gut, aber stets kränklich. Von seinen Stiefbrüdern hatte der kleine Alexander viel zu erdulden, er mußte ihnen Alles thun und geben, um nur Ruhe zu haben; indessen lernte er bei seinem Lehrer, einem polnischen Bachur (Tatmudschüler), wie es deren ehedem in Deutschland so viele gab und in deren meist schlechten Händen der ganze Jugendunterricht lag, — der biedere Alte hatte trotz seiner schon zerrütteten Vermögensverhaltnisse einen Solchen für seinen jüngsten Sohn zu halten nicht verabsäumt! — das Hebräische, Uebersetzen der Bibel mit dem Kommentar des Raschi, Mischna u. s. w., so trefflich, daß er schon in seinem achten Jahre eine selbst ausgearbeitete Derascha (Rede) zur größten Freude seiner Eltern und unter Beifall aller Anwesenden hatten konnte, worüber der Knabe ganz entzückt war, der nach dem Willen des Vaters Rabbiner werden sollte und sich nun schon als Solchen

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