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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-10-07 · Heft 41 (7.10.1850) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 41 (7.10.1850)
Date
1850-10-07
Page
Seite 569 (sequence 5)
Language
German
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569 beit Tiefen des Abgrunds, von denen es heißt: biNtD 'ft “tm yi22fcn „Unterwelt und Abgrund liegen offen vor dem Ewigen" (Spr. 15, 11.), damit ich schaue was da drunten verborgen ist, was noch kein Sterblicher erblickte ich verkünde, mb2* 22 msüp rn->n 2a2a diö „da ist Gewimmel ohne Zahl, Thiere groß und klein" (Ps. 104, 25.).... Aber der Weise schüttelte das Haupt und erwiderte: kennst Du die Antwort nicht? "'2w2N!2l •»•ra* tri '2 Nb •na» ünn „die Weisheit ... die Tiefe spricht: „in mir ist sie nicht," das Meer spricht: „sie ist nicht bei mir!" (Jjob 28, 14.) Und der Zweite sprach: ich würde wünschen, laß mich hineinschauen kn die Tiefen der Berge, wo Y22>b izr ipn 2i"r?b 21P21 Jtip» der Fundort des Silbers und der Sitz des Goldes ist, herauszuholen Eisen aus dem Boden, und Steine, die zu Erz man schmelzt. Diesen Pfad, ihn kennet kein Raubvogel und nicht des Geiers Auge durchspähet ihn, ihn betreten die wilden Thiere nicht, und der Löwe durchstreift ihn nicht" (Jjob 28, 1. ff.), ihn will ich beschreiten, den Menschen anzuzeigen, wo sie Erzes die Menge, Goldes die Fülle erlangen können. Aber der Weise schüttelte das Haupt und erwiderte: kennst du die Antwort nicht? NN2NN... Nbn t-rnnn ‘-mp *|n^ Nb i-rpria Y22 bjrür „die Weisheit ... nicht zahlt man köstliches Gold für sie, und wäget nicht Silber dar zum Kaufpreis, sie wird nicht ausgewogen mit Gold von Ophir, mit köstlichem Onyx und Sapphir, ihr Besitz geht über Perlen..(das. V. 15. ff.) Und der Dritte hob an, und sprach: laß mich hinei'nschauen in die Tiefen des menschlichen Herzens: ">2 2b rvWbtfn 221 trnbN „denn nur Gott kennet die Geheimnisse des Herzens" (Ps. 44, 22.). Da schwieg der Weise lange Zeit, endlich begann er: wessen Herz meinest Du, mein Sohn? Ich weiß, antwortete der Schüler, 'ft mnb in.2i amb -tdi t]D2b (Spr. 17, 3.) „Schmelztiegel für Silber, Ofen für Gold, aber die Herzen der Menschen prüfet Gott" — darum meine ich nur mein eignes Herz. Wie aber, sprach der Weise, heißt es nicht: 11223 n22 INI*» 2b „das Herz kennet seinen eigenen Kummer, und in seine Freude mischt sich ein Anderer nicht" (Spr. 14, 11.), wozu bedürftest Du also des Einblicks durch Gott in Dein eignes Herz? Der Schüler antwortete: Meister, aber es steht doch geschrieben: rriN’tftrS ^1?.? nYiriöaa yq; ra „Verirrungen, wer steht sie ein? von den verborgenen sprich mich frei!" (Ps. 19, 13.) So lange ich meine eigenen Fehle nicht einsehe, so lange meine Sünden mir selbst verborgen sind, wie könnt' ich wahnen, mein Herz zu kennen, glauben, Einsicht zu haben in die Wege meines eignen Geistes? Und der Weise winkte ihm: Fürwahr, Du allein hast das Rechte getroffen. Jahrtausende sind verflossen, seitdem der geistvolle Schüler also zu seinem ehrwürdigen Meister gesprochen, aber sein Wunsch ist noch heute gerecht, und sein Wort noch heute wahr. Ob die Menschen die Tiefen des Meeres und Abgrunds aufgedeckt, die Geschöpfe des untersten Grundes hcraufgehott und untersucht haben; ob die Menschen zu den Gründen der Berge gedrungen, wie Hiob sagt: „an Kieselstein legt man die Hand, kehret von Grund aus Berge um; in Felsen bricht man Ströme durch, und das Tröpfeln der Ströme hemmt man" — vor dem menschlichen Herzen, vor unsecm eignen Herzen, das in dieser Brust klopft, stehen wir wie vor einem unauflöslichen Rathsel, und das Geheirnniß desselben wird nicht ausgeschöpft. Und doch hanget davon unser ganzes Heil ab, doch beruhet darin unser ganzer Werth, wie der weise König spricht: 1222 ^2N 2123’ naain „die Weisheit des Klugen ist, seinen Weg zu verstehen." Nur was wir mit ganzem Bewußtsein thun, ist des Menschen würdig, ist unsre That. Aber, fragen wir, warum ist es so? was ist die Ursache, daß unser Herz uns selbst ein Rathsel, ein Geheimniß bleibet? Weit, m. Fr., in ihm ein ewiger Widerstreit der Gegensätze vorhanden, die Religion will die Lösung, giebt die Mittel der Lösung, aber wir vollbringen sie nicht, oder kaum. Der Schöpfer hat den Menschen zu seinem Selbstherrn eingesetzt; er soll aus eigenem Willen seine Handlungen bestimmen. In seinem Innern sollen die Triebfedern seines Geistes eine bestimmte Absicht schaffen, und dann sollen die Arme seines Geistes hinausgreifen in die Welt der Erscheinung und in dieser jene Absicht zur That bringen. Vom ersten Athemzuge an gehet die Entwickelung und Bildung und Erziehung des Menschenkindes dahin, ihn selbstständig in seinem Wollen und Thun zu machen. Und da ist keine väterliche Gewalt und keine Zucht des Lehrers, da ist keine Herrschaft des Gesetzes und keine Macht des Despoten groß genug, dem Menschen die Selbstständigkeit seines Wollens und Thuns zu nehmen. Und dennoch in dieser Selbstbestimmung des Menschen, welch ein Streit und Widerstreit! Wenn unsere Weisen dem Menschen einen 212N 23T und 2212 22P eine Neigung zum Guten und eine Neigung zum Bösen zuschceiben, wir reichen nicht damit aus! Zuerst

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