Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1850)
- Date
- 1850-10-07
- Page
- Seite 568 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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568 und bemerkte bald, daß ihm während des Schlafes das goldene Geschmeide und einige Juwelen entwendet wurden, welche seine Frau, bevor sie zu Bette ging, abgelegt hatte. Romano eilt in den Hof, wo seine Nachbarn den Dieb ergriffen hatten, welcher aus allen Kräften zu entwischen suchte. Bei der Unmöglichkeit zu entlaufen, erbot er sich endlich, die entwendeten Gegenstände zurückzustellen, und begann auch wirklich schon einen nach dem andern aus seinen Laschen zu langen. Er that dies jedoch sehr langsam, in der Hoffnung, endlich doch entwischen zu können, so, daß einer der Hausleute die Hilfe der nächsten Hausnachbaren rufen ging. In wenigen Augenblicken war der Hofraum mit vielen Muselmännern aus den Volksschichten erfüllt, welche bereit waren ihnen Hilfe zu leisten. Als sie aber in dem Diebe einen Türken, folglich einen Religionsgenossen erkannten, wendeten sie sich gegen die Beraubten, die durchgehends Juden waren, mit der Behauptung, die Israeliten hätten den armen Mann in's Haus gelockt, um ihn zu tödten. Obgleich man bei dem Diebe die geraubten Gegenstände fand und dieser den Diebstahl nicht geleugnet hatte, verlangten die Türken, daß Romano nebst zwei anderen jungen Israeliten sich sammt dem Diebe mit ihnen sogleich in's Serail begeben sollten. Da der Dieb sich so unterstützt sah, bestätigte er selbst die von seinen Glaubensgenossen erfundene Fabel und ging bereitwillig in das Serail, wohin auch die Israeliten folgten, die sich Nickis vorzuwerfen hatten, und hofften im Serail gerechten Schutz zu finden. Dort wurden sie sogleich vor den Stellvertreter des Pascha gebracht, welcher die Israeliten nicht anhören wollte und nur die Muselmänner sprechen ließ, die ihm die erdichtete Fabel erzählten. Der Kiaja (Stellvertreter) gab den Befehl, den Dieb gleich in Freiheit zu setzen, dem Romano und den beiden anderen Juden hingegen eine Zahl Stockstreiche zu ertheilen. Die beiden Letzteren waren türkische Unterthanen und unterzogen, ohne ein Wort zu entgegnen, sich der ungerechten Strafe. Romano aber glaubte als preußischer Unterthan protestiren zu dürfen und zeigte das Konsulatzeugniß vor. Dies erbitterte den Kiaja der Art, daß er den Befehl ertheilte, die Zahl der Stockstreiche zu verdoppeln, und zwar nicht guoigus, sondern parceque er ein Preuße sei. Wirklich wurde der Unglückliche auf eine so grausame Art geprügelt, daß er am 22. August in Folge dieser Schläge seinen Geist aufgab. Der Kiaja hatte sich nicht mit den Stockstreichen begnügt, sondern ihn mit Ketten belastet in einen engen Kerker werfen lassen. Erst als der preußische Konsul, Herr vr. Wetzstein, die Behandlung erfuhr und sich persönlich an den Kiaja wendete, wurde Romano in sein Haus aus sein Bett gebracht, das er nicht mehr lebendig verließ. Herr vr. Wetzstein schrieb schon zwei Noten an den Pascha, die Bestrafung des Kiaja's und Genugthuung für die grausame That verlangend. Der Konsul erhielt kein Antwort, woraus man schließen muß, daß Said Pascha das Benehmen des Kiaja stillschweigend gut heiße. Am 22. ging Said Pascha an der Spitze der Karavane nach Mekka und nahm auch den erwähnten Stellvertreter mit sich als ob gar Nichts vorgefallen wäre. Man hofft, die preußische Gesandtschaft in Konstantinopel werde sich dieser Angelegenheit mit Warme annehmen, um eine vollständige Genugthuung zu erhalten, da sonst für die Europäer, welche sich hier anstedeln, keine Sicherheit wehr geboten ist. Abhandlungen verschiedenen Inhalts, Bruchstücke aus Predigten. (Fortsetzung.) Aus den alten Schriften unsers Glaubens erfahren wir, daß es öfter Gebrauch bei den Weisen, wenn der Kreis ihrer Schüler um sie versammelt war, eine Frage aufzuwerfen, die dann von den Schülern der Reihe nach beantwortet wurde, und so dem Lehrer ein Urtheil über ihre Richtung, ihren Gedankenkreis, ihren Charakter verschaffte. Um einen ehrwürdigen Lehrer waren einst seine Schüler versammelt, und warteten, zu den Füßen feines Lehrstuhls sitzend, des Wortes, das seinen Lippen entfließen würde. Da wandte er sich an sie, und spracht Meine Theuren, in der Schrift heißt es: „unsere Augen sind verdunkelt" (Thr. 5, 17.). Darum gebet mir Antwort, ein Jeder auf seine Weise, wenn jetzt ein Ruf des Herrn zu dir spräche: 1rp:p? ngs? „öffne deine Augen!" (Spr. 20, 13.) ich will dich sehen lassen, wohin du Einblick zu haben wünschest — was würdet Ihr antwortend Da hob der Erste an und sprach: ich würde antworten: hebe die Decke auf von den Tiefen des Meeresund