Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 41 (7.10.1850)
- Date
- 1850-10-07
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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567 Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 26. September. Der amtliche Theil der „Wiener Zeitung" enthält Nachstehendes: Se. Mai. der Kaiser haben mit allcrh. Entschließung vom 20. September d. I. über Antrag des Ministerralhes die den Judengcmeindcn und Judenfamilien im Kronlande Ungarn, dann in der serbischen Wojwodschaft und dem Temescher-Banate auferlegte Strafkontribution gänzlich nachzusehen, und allergnädigst zu befehlen geruht, daß es von jedem fernern Verfahren in dieser Beziehung abzukommen habe. Dagegen ist es der allerhöchste Wille, daß ein eigener Fonds zur Förderung des israelitischen Schul- und Unterrichlswescns in den benannten Landestheilen mit einem Stammkapital von einer Million Gulden K.-M. gebildet werde, zu dem alle Israeliten in Ungarn, dann in der serbischen Wojwodschaft und dem Temescher-Banate, mit alleiniger Ausnahme der ganz Mittellosen, im Verhältnisse ihres Einkommens beizutragcn verpflichtet sind. Die Vertheilung dieser Summe auf die Gemeinden hat durch ein eigenes, in Pesth zu diesem Behufe zu konstituirendes Komito, dem auch Vertreter der betheiligten israelitischen Landesgemeinden in angemessener Zahl beizuziehen sind, zu geschehen, gleichwie die Gemeinden die ihnen zuerkannten Pauschalbeträge auf die Familien oder Individuen umzulegen haben. Die Einzahlung geschieht in acht halbjährigen gleichen Raten, wovon die erste mit Ende Dezember d. I. einzuzahlen ist. Ueber die Verwaltung und Verwendung des Erträgnisses des neu zu bildenden gedachten israelitischen Schul- und Unterrichtsfonds werden die näheren Bestimmungen nachträglich erfolgen. (So wäre also die erste Bedingung, der nervus rerum gerendarum, das Geld, da, und es käme nun auf das Zweite an, die glückliche und angemessene Verwendung! —. Im Gemeinderath zu Preßburg wies ein Repräsentant des Klerus jede Vereinigung der verschiedenen Religionsgesellschaften in der Schule hartnäckig von sich. Der Sturmangriff auf die konfessionelle Gleichberechtigung wurde aber abgewehrt, indem die geachtetsten Männer des Gemeinderaths der Konstitution Rechnung trugen. Die.zu stiftende Realschule ist für alle Bürger jeder Konfession eröffnet. — Allein jetzt protestirt der Primas von Ungarn. Der Protest wird nun ein Aktenstück für's Archiv bleiben und als Zeugniß dienen, welche Kämpfe noch bevorstehen, ehe die Verfassung in Erfüllung gehen kann. Kolomea, im September. Kolomea gehört zu den größeren Kreisstädten Galiziens. Der „Lloyd" enthält einen Artikel, in welchem die Nothwendigkeit eines Gymnasiums nachgewiesen wird. Unter Anderm heißt es da: „Da es doch höchst wünschenswerth wäre, daß für die Bildung der Juden in Galizien Etwas geschehe, und dies auch im Interesse der Regierung liegen müsse, da sie ihre politische Gleichberechtigung ausgesprochen, so ist die Errichtung eines Gymnasiums in Kolomea um so paffender, als die hiesigen Juden an Rohheit und Unwissenheit ihre Brüder in den anderen Theilen des Kronlandes bei Weitem überlreffen. Nichts aber fördert so sehr die Bildung, als die Nähe einer guten Unterrichtsanstalt; und besonders bei den Juden, bei denen der Nachahmungstrieb stark ist, und die schon eine gewisse Apathie am Weiterstreven hindert, kann man mit Gewißheit auf die wohlthätigsten Folgen rechnen. Es ist aber dabei nicht aus den Augen zu verlieren, daß die Juden aus den Städten hier den Kern der Bevölkerung bilden, und von ihrer Zivilisation der Bildungsgrad des Kronlandes vorzüglich bedingt ist." Syrien. Damaskus, 28. August. Kaum daß wir vor Kurzem einen Akt der bürgerlichen Gleichstellung zwischen den verschiedenen Religionsgenossenschaften von hier zu melden hatten, als schon ein Ereigniß der entgegengesetztesten Art an die Stelle tritt. Es wird von hier aus Folgendes gemeldet: Dieser Tage beging der Stellvertreter des Said Pascha eine der grausamsten Handlungen gegen einen preußischen Staatsangehörigen, einen gewissen Abraham Romano, welcher ein Opfer des blinden Fanatismus geworden ist, an dessen Vorkommen man in Europa nicht glaubt, der aber gleichwol in unserer Gegend dann und wann wieder auftaucht, und sich geltend zu machen weiß. In der Nacht vom 2. auf den 3. d. M., wurde im Hause, welches Abraham Romano bewohnte, ein Diebstahl begangen. Romano wurde plötzlich durch das Geschrei seiner Nachbarn aus dem Schlafe geweckt, und die Ursache des Lärmcns vernehmend, untersuchte er auch seine Sachen