Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1850)
- Date
- 1850-09-30
- Page
- Seite 561 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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561 Himmelspforten öffnet. — Kurz, es ist unsere Pflicht, das zu thun, m. F., was unser uns persönlich unbekannter, nichtsdestoweniger aber hochgeschätzter Freund Diesterweg (Wegweiser) uns wohlmeinend räch: Auf die Existenz Gottes immer hinzuweisen, aber nicht dieselbe erst zu erweisen. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 18. September. Die Psalme in Uebersetzung, Betrachtungen und Gebeten. Ein Buch zur häuslichen Andacht für Israeliten. Von Dr. D. Rothschild, Rabbiner in Aachen. Bonn, 1850. Es liegt uns von dieser Schrift eine Lieferung von 38 Seiten vor; da sie aber eben die Ps. einzeln behandelt, so laßt sie sich an Tendenz und Charakter besprechen. Leicht ist erkannt, was der Vers. will. Jeder Psalm wird in guter deutscher Uebersetzung vorangestellt; dem folgt eine „Betrachtung", und den Schluß macht ein „Gebet". Es ist hier von einer eigentlichen Bearbeitung der Psalmen nicht die Rede, denn es wird nicht der Psalm als ein Ganzes, sein Inhalt, sein Jdeengang in Betracht gezogen, sondern aus dem Psalm ein Hauptgedanke herausgegriffen, und dieser in der „Betrachtung" besprochen. Der Zweck des Buches ist also: eine kleine Stunde andächtiger Betrachtung, die sich an den Psalm lehnt, für den ihrer Bedürfenden zu schaffen. Man fragt sich, ob dies zu dem angegebenen Zwecke der richtigste Weg ist. Wir glauben kaum; denn die Psalmen um richtig verstanden zu werden, bedürfen der Erklärung, die den ganzen Psalm und in allen seinen Theilen begreift. Wollte der Vers, hievon absehen, so dünkt es uns, er wäre richtiger vorgegangen, wenn er nur je die wesentlichsten Verse des Ps., die seiner „Betrachtung" zu Grunde liegen, herausgegriffen. Was nun die Betrachtungen selbst betrifft, so giebt es für die Asketik stets zweierlei Sprachen; entweder die ruhige, leidenschaftslose, leise hinfließende, oder den Aufschwung, die tief erschütternde, bilderreiche, sich erhebende. Der Vers, hat die Erstere in seiner Gewalt, und daher in seiner Wahl. Welche vorzuziehen, das ist Sache des Lesers und seiner Stimmung. Allerdings bricht sich diese ruhige Erwägung in unsrer Zeit und in unsrer Glaubensgenossenschaft schwerer Bahn, und fesselt schwerer. Aber ihr Verdienst ist ihr nicht abzusprechen, denn sie beruhigt und beschwichtigt. Wir wünschen daher dem Werke einen recht guten Ab- und dadurch schnellen Fortgang. 19. September. Streitschriften, jüdische Streitschriften, wie selten sind sie jetzt im Verhaltniß zu der frühem Ueberfülle! Jedes Ereigniß, das Juden betraf, ein Dutzend Streitschriften, begleitet von hundert geharnischten Zeitungsartikeln, rief es hervor. Dadurch, daß die jüdisch-politische Frage für die Gegenwart ziemlich entschieden ist — obgleich Niemand sagen kann, was noch in der Zeiten Hintergründe schlummert — noch mehr, daß überhaupt die Gegenwart den Charakter hat, nur allgemeine Fragen, die auf's Ganze eingreifen, zu behandeln, endlich am Meisten, weit jetzt mehr geschwiegen als gesprochen wird, das bedeutender ist, worüber man schweigt, als worüber man spricht — sind die Streitschriften auf jüdischem Gebiete eine Rarität geworden. Das Land, das in der Emanzipationsfrage am Meisten zurückgeblieben, Baiern, ist denn auch das einzige, das Streitschriften erwarten läßt. Da liegen uns denn auch einige treffliche, von Rabbiner vr. Adler in Kissingen verfaßt, vor. Emanzipation und Religion der Juden oder das Judenthum und seine Gegner. Ein Sendschreiben an Herrn Professor Dr. Allioli, Landtagsabgeordneten und Dompropst in Augsburg. Von Dr. Adler, Rabbiner. Fürth, 1850. Offener Brief an die Herren Landtagsabgeordneten Ruland, Sepp, Allioli und Konsorten. Von Demselben. Fürth. Nachtrag zu dem offenen Briefe. Von Demselben. — Warm, aus bewegtestem Herzen, in flammendster Erregung ist der „offene Brief" geschrieben, wo der Vers, die Heuchelei und Unwahrheiten der Gegner, die sie in ihren Reden und Anträgen bei der zweiten baierschen Kammer dokumentirt hatten, kurz, aber einschneidend behandelt. Wir lassen eine Hauptstelle zur Charakterisirung folgen: „Der Jude soll nicht mehr unter dem pharaonischen Matrikelgesetze schmachten, nein, er soll der Eclaubniß zur Ansässigmachung gänzlich beraubt sein, denn das ist der Sinn eines Antrages, daß über jedes Gesuch eines Israeliten die ganze Gemeinde abstimmen soll. Die ganze Gemeinde soll erst vernommen werden und ihre Zufriedenheit aussprechen, ehe ein Jude ein Familienleben begründen soll. Gerechter Gott, kann man so mit den heiligsten Gefühle der Natur, mit dem Rechte, oder richtiger der heiligsten Menschenpflicht seinen Spott treiben? kann man so das Theuerste, was es für ein fühlendes Herz auf Erden giebt — das Familien-