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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-30 · Heft 40 (30.9.1850) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 40 (30.9.1850)
Date
1850-09-30
Page
Seite 558 (sequence 10)
Language
German
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Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Vorlesung über die von Diesterweg ausgestellte These: „Ans die Existenz Gottes muß immer hiugewiesm, dieselbe darf aber nicht erst erwiesen werden." In einer fast nur aus christlichen Schullehrern bestandenen Lehrervcrsammluug gehalten von Schweizer zu Kronheim*). „Gott!" oder „Nicht Gott!" ist das Axiom, um welches sich die Beweistheorien, die Deduktionen der Philosophie, die Folgerungen und praktischen Verirrungen des Skeptizismus spharoidisch bewegten seit der Zeit jener sieben Weisen, die den Stolz Griechenlands ausmachten, bis auf unsere Tage, wo der Streit übereinen weltlichen oder außerwelllichen Gott aufs Neue entbrannte. „Wahr, Wirkungen ohne Ursache sind undenkbar, ein Universum ohne Basis ist ein Unding. Muß aber auch eine Idee undenkbar sein, weil Eure Vorstellungskraft sie nicht zu erfassen, zu begreifen vermag? muß ein Etwas ein Unding sein, weil Ihr es nicht mit Euren Sinnen wahrnehmen, nicht betasten, nicht beschauen könnt?" ruft der Zweifler dem Theologen zu. „Sind die mittelst des ewigen, unwandelbaren Naturgesetzes sichtbar werdenden Erscheinungen darum außerordentlich und durch göttliche, metaphysische Einflüsse herbeigeführt, weil Ihr Kinder, Srümpcr in der Erfassung jener unveränderlichen Normen, jener geheimnißvollen Wechselwirkungen geblieben seid, die der Chemiker, der Physiker mit geschickter Hand löset, beliebig anwendet und Euer» Geist in Staunen setzt? Beweisen Euch die mannigfachsten Erfindungen und Entdeckungen verwichener Jahrhunderte, die kühnsten Unternehmungen der neuesten Zeit nicht zur Genüge, daß der Mensch keines Gottes bedarf, um den Schleier vor den Misterien der Natur hinwegzuziehen, und mit eigner Kraft sie zu bewältigen und zu seinem Bedarf und Genüsse auszubeuten verstehet?" „Ist der Mensch," ruft andererseits der Theologe, „etwa umsonst und ohne höhere Absicht mit den trefflichsten Anlagen, mit den eminentesten Kräften ausgestattet, wenn er anders dem blinden Zufälle, dem Ungefähr anheimgegeben wäre und nicht vielmehr eine erhabene weise Hand ihn wahrend seines Lebenganges durch *) Wir werden uns über die in diesem Artikel ausgesprochene Meinung in einer der nächsten Nummern auslassen. Redakt. die Windungen und Jrrsale dieser Welt leitete? Müßte nicht auch er mit seinem Tode zu unsichtbaren Atomen sich auflösen und irgend einem andern, gleichviel ob menschlichen oder thierischen, ob vegetabilen oder mineralischen, Wesen zum Urstoffe, zum Keime dienen? Waren nicht alle seine Geistesanstrengungen, seine sammttichen sittlichen Bemühungen vergebens und würden nicht alle seine gehegten Hoffnungen und vermeintlichen Aussichten in Nichts zerrinnen? Wäre er nicht thöricht, genösse er nicht die Sinnlichkeit in vollen Zügen, da sein Grab auch das Grab seiner Erwartungen und Wünsche, seiner Sehnsucht und Täuschungen ist?" Dies, m. F.! scheint mir der Zankapfel zu sein, um welche die atheistische (gottesleugnerische) und die kirchliche Partei seit Jahrhunderten streitet, dies der Erkenntnißbaum, um dessen Besitz die Hyder der Hölle und die Lichtgestalt des Himmels in ewigem Kampfe Liegen, und deren jede den Menschen für ihre Ansicht zu gewinnen trachtet. Woher aber mag dies wol kommen? wo mag vornamlich der Grund für die neueste Tendenz jener Umsturzpartei sein, die unter dem Namen Kommunismus, Sozialismus rc. sich proklamirt nnd die, trotz allen Widerstands, aller Unter- und Niederdrückung tief, ja sehr tief Wurzeln schlägt und Ln vielleicht nicht so sehr ferner Zeit stolz wie der Löwe daherschreitet und Alles in ihren Rachen verschlingt? — Woher mag dieser Schlund sich geöffnet haben, der Alles in sein Pest aushaucbendes Bereich zu ziehen droht? — Meine Antwort ist: „Weil die Einfalt des Glaubens gewichen und ein erkünstelter an seine Stelle getreten ist." Daran aber tragt unsere theologisch-philosophische Pädagogik die Hauptschuld. Das Kind in seiner Unschuld, in seiner naiven Gemüthlichkeit läßt sich ohne Grübeleien, voll des innigsten Vertrauens und ungetheilter Hingebung auf den Schöpfer des Alls, auf den Leiter der Geschicke Hinweisen, und fühlt sich dabei zufrieden und getröstet. Erst unsere Schulen, d. h. der in denselben zu ertheilende Religionsunterricht, bilden es zum Zweifler, zum Epikuraer. Unsere Katechismen stellen es gewissermaßen der Willkür des Kindes anheim, ob es der Religion derVäter anhangen wolle oder nicht. Die Religion, unter deren schützendem Obdach fast mehr Schandlichkeiten als Tugenden von jeher verübt wurden, die Sittlichkeit mit ihren nervigen, muskulösen und markigen Jugendgestat-

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