Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-30 · Heft 40 (30.9.1850) · p. Seite 556

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 40 (30.9.1850)
Date
1850-09-30
Page
Seite 556 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225701--11291-3241391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

556 bekennt, des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, als Grundlage eines unp?j, für uns und unsere Geschlechter nach uns — Amen." Ein Gebet und folgende Verse endeten die erhebende Feier: Der Mensch entwirft in seinem Geist Zu schaffen und zu bauen, Doch nur wenn es Dein Wille heißt. Kann er vollbracht es schauen. Wir wollen bau'» ein Gotteshaus, Die Stätte Deiner Ehren, So rüst' mit Deiner Kraft uns aus In gnädigem Erhören. Vom Rheine, im September. (Privatmitth.) Es ist wahr, daß die jüdischen Gemeinden überall noch Vieles zu wünschen übrig lassen, insonders giebt es eine Unmasse von kleinen Gemeinden, in denen, schon aus Mangel an genügenden Mitteln, der Fortschritt nicht sichtbar ist; aber übersehen wir, mit welcher Dauerhaftigkeit die Gemeinden aller Orten im Zustande völligen sich selbst Ueberlassenseins erhalten werden, wie ohne das vielbesprochene Kirchcnregiment, ohne Besitz und ohne Staatsunterstützung nirgends die Synagoge zum Wanken kommt: so muß jedes wahrhaft israelitische Herz sich erhoben und gekräftigt fühlen. Man darf niemals über einzelne Detailmängel das Verdienst und die Mächtigkeit des Ganzen übersehen, und macht man sich den obigen Gedanken recht klar, sieht man, welche Opfer überall der Jude ohne Zwang, ohne Verfassung, ohne Eidschwur der Gemeinde bringt, so wird man keine Anstrengung für verloren erachten, die man für das Judenthum übernimmt. Israel hat seine große Bestimmung erfüllt, und wird niemals zurückstehcn, sie zu erfüllen. Das Bild, welches mir hier stets lebendig vor der Seele steht, ist die Gemeinde im Schlußmomcnte des Versöhnungstages, die nach 24stündigem Fasten noch mit unendlicher Kraft und Ausdauer sieben Male Eprt’N ton 'n „der Ewige ist Gott" ausruft! Solcher Gemeinsamkeit anzugehören, wird niemals seinen Werth verlieren. Eßlingen, 14. September. (S. M.) Kürzlich kam hier, zum ersten Mal in Württemberg, der Fall, vor, daß ein hiesiger christlicher Einwohner eine Jüdin ehelichen wollte, ohne daß die Letztere zur christlichen Religion übertreten sollte. Die Regierung hat aber die Genehmigung versagt, weil in diesem Punkte die Grundrechte noch nicht eingeführt seien. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 21. September. (Privatmitth.) Ihre Zeitung erhält ihre Leser stets in fortlaufender Kenntniß über die hiesige Anschlußfrage, d. h. Vereinigung der Judenstadt in Kommunalangelegenheiten mit den anderen Theilen unsrer Moldaustadt. Faktisch, wissen Sie, ist der Anschluß geschehen: die jetzt genannte Josephsstadt hat gemeinschaftlich mit den anderen Stadttheilen in das neue Kollegium der Stadtverordneten gewählt; es sind auch Juden in dasselbe hineingewählt; ja, es fand sich zufällig, daß der zweite Alterspräsident ein'Jude war, Herr M. I. Landau. Sie wissen aber auch, daß der Anschluß noch viele Fragen in sich enthält, daß die Einkaufssumme der Josephsstadt noch nicht festgestellt ist, daß von gewisser Seite her auf das Eigenthum der jüdischen Gemeinde, selbst den uralten Gottesacker Anspruch gemacht wird, wenn auch nur, um die Sache aufzuhalten, um ihr recht kitzliche Hindernisse zu schaffen. Jetzt faßt man die Sache so an: man sagt, so lange der Anschluß noch nicht vollständig durchgeführt ist, dürften die Juden, welche im Kollegium sitzen, nicht an Verhandlungen über Verwaltungsgegenstände Theil nehmen, dürfte namentlich Landau nicht den Vizevorsitz führen. Es ist dies nun freilich grundfalsch; denn sobald einmal die Wahl ausgeschrieben und ausgeführt worden, ist die Berechtigung von selbst gegeben, und die fraulichen Momente als untergeordneter Natur können diese Berechtigung nicht sistiren; die Wahl ist nicht unter Bedingungen geschehen, folglich können nicht nachträglich Solche gestellt werden; die Gewählten sind, sobald sie gewählt sind, nicht mehr Vertreter des Viertels, das sie gewählt hat, sondern Stadtverordnete, also Vertreter der ganzen Stadt, und können also aus den Verhältnissen eines LH eiles heraus nicht mehr beschränkt werden. Aber man weiß ja, welchen Beifall noch immer Argumente finden, und wären sie noch so unrichtig, wenn sie nur gegen die Juden gerichtet sind. Ich füge dem noch eine Argumentation hinzu, die der „Lloyd" bringt, und so lautet: Die gegenwärtige Argumentation der Gegner ist eben keine glückliche zu nennen, und giebt der eigenen Partei auch manche Blöße. Sie dreht sich fortwährend im Kreise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.