Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1850)
- Date
- 1850-09-30
- Page
- Seite 555 (sequence 7)
- Language
- German
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555 Gemeinde ohne Befriedigung lebte, mußt« sich der Schutz der Staatsregierung und des Gesetzes, die wesentliche Förderung von Seiten der städtischen Behörden, ein muth- und einsichtsvolles Anbahm« und Leiten des Gemeindevorstandes und ein krästip s Zusammenwirken der Gemeindeglieder gesellen, iw diesen Stein solcher Bestimmung überweisen zu?»nnen. Wie er aber also die Frucht bedeutender Mühen ist, so setzen wir auf ihn nun auch die frelidige Hoffnung hohen und heiligen Erntens. Wii sehen im Geiste auf ihn ein schönes, geweihetes Hcnrs sich erheben, mit weitem Raum und Säulen uird Kuppel, wir sehen die andächtige Menge hineinwoHlen, Lobpreisende, Danksprcchende und Mühsalbeladene, ferne Geschlechter, die noch nicht sind, noch der Erde Saum nicht betraten, wir sehen sie hier Lehre de§ Heils empfangen, Erkcnntniß, Liebe, Heiligung « sich aufnehmen, Tröstung und Aufrichtung ersahen. Das ist ein Ernten, wie Keines gesegneter. Aber wir wissen es auch, bis zu solchcm Ziele ist des Arbeitens und Ringens noch ein großes Maaß zu erfüllen, der Opfer noch sehr viele z« bringen. Ihr, Mitglieder dieser Gemeinde, seid Jhi auch des ernstesten Willens, mit aller Kraft sie zu tragen, und alle Hindernisse zu überwinden? Ihr, Männer des Vorstandes und der Gemeindevertretung, mirdet Ihr den schönen, edcln Muth, mit dem Ihr, trotz der Voraussicht großer Schwierigkeiten, das Wer! begonnen, nimmer verlieren? Wohl, mindestens legal Ihr heute den stillen Mahner hier hinein, nicht zu erriüden, bis diesem Grundstein auch der Schlußstein des Baues entsprach, bis wie jener im Busen der Erd« ruht, die hohe Zinne im goldnen Strahle der Son«« leuchtet. Und dazu ist dieser Grundstein auch die Bürgschaft des göttlichen Beistands, das Pfand des Segens von oben. Was hier gebauet wird, wird nicht geschafft zu einem persönlichen, sondern zu allgcmeiium Nutzen. Denn das Ergebniß wahrer Hcrzensfrömmizg keit bleibt niemals innerhalb der engen Grenzen selbst einer Gemeinde, sondern strömt über in immer »eitere und weitere Kreise bis in den großen Ozean t»cr ganzen Menschheit. Was hier gebauet wird, wiifc nicht geschafft zu einem faß- und meßbaren Erzeugrmß mcnschlicher Thatigkeit, sondern der Idee, der höchsten und reinsten Idee, dem Zeugniß von Gott, Sch i-pfer Himmels und der Erden, dem Erheben zu Bott, dem Leben in Gott, der Verherrlichung Seims hochherrlichen Namens! Wie sollt' Er dazu Seinen Segen nicht verleihen?! Und hat er uns auscrsehcn, nach vierzigjährigem Bestände dieser Gemeinde, endlich den Grundstein zu einem eigenen, würdigen Gottehhause zu legen, wie sollt' Er uns nicht auch Seinen Beistand gewähren, um zu vollenden, was wir begonnen, um auszuführen, was wir entworfen!? Und in allem diesem Bedenken und Fühlen, lasset uns, hochgeehrte Anwesende, noch einen Augenblick hier sinnend verweilen. Was wir dem Schooße der Erde übergeben, das soll unser Auge niemals wieder schauen, aber da drunten soll es ruhen, als der unsichtbare Träger eines großen Baues, als die unerschütterliche Stütze eines umfassenden Werkes. Dies heiligt diesen Stein, dies giebt ihm seine weihevolle Bestimmung, denn was ist größer als die Grundlage großen Heiles zu sein, und doch nicht zu glänzen im Lichte des Tages und den Ruhm der Zeit nicht herauszufordern? Und darum sind wir hierhergetrcten, diesen Stein zu legen, geweihet unter dem Anrufen des göttlichen Segens, durch die Hand hoher Diener des Staates, unsers theuern Vaterlandes, einsichtsvoller Vertreter unsrer ehrwürdigen Vaterstadt, und durch die Hand des Vorstandes als Vertreter dieser Gemeinde. Und diese-Weihe hafte an ihm für alle Zeilen. Amen! Nach dieser Ansprache ließ sich der erste Vorsteher, Herr Ferdinand Friedcberg, über die Motive und Schwierigkeiten des Baues, und auf welche Weise diese zu überwinden seien, aus, der zweite Vorsteher, Herr Albert Spir, verlas das Dokument, das in einem gläsernen Behälter in den Grundstein eingelegt wurde, der mit Blumengewinde umkränzte Stein wurde in die Tiefe niedergelassen, der Deckstein, mit einer Inschrift versehen, ebenfalls. Hieraus schritten auf einer Brücke die anwesenden Staats- und städtischen Beamten hinunter und verrichteten die üblichen Hammcrschläge; ihnen folgten die drei Vorsteher, zu den oben genannten noch Herr M. Morgenstern, der Vorsitzende der Baukommission, Herr Stadtrath G. Max, der Vorsitzende der Gemeindevertreter, Herr Karl Friedeberg, und der Rabbiner Dr. Philippson. Stadtrath Max sprach ebenfalls, und hob mit Feuer die Nothwendigkeit hervor, in das neue Gotteshaus auch eine würdige Goltesverchrung einziehenzu lassen; Dr. Philippson sprach als Letzter den Weihespruch: „Ich weihe dich im Namen des einigen Gottes, des Gottes, den Israel seit drei Jahrtausenden