Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1850)
- Date
- 1850-09-30
- Page
- Seite 554 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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554 leider noch hinausgeschoben werden müssen. Obgleich nun jetzt in dem Befinden des Herrn Prof. Haindorf einige Besserung cingetreten ist, so macht doch dessen Schwäche und Entfernung — er ist nämlich schon seit längerer Zeit bei seinem Schwiegersohn, dem Rittergutsbesitzer Herrn Lob auf Kaldenhoff bei Hamm — eine festere Fundirung des Seminars für die Zukunft, die bereits von Ihrem Korrespondenten aus dem Saucrlande eindringlich empfohlen worden, und nicht minder eine innere Reform desselben äußerst nothwendig und wünschenswerth, zumal gerade jetzt der geeignetste Zeitpunkt dafür gekommen ist. Für die Erstere wird eben Herr Löb, der früher schon für die Anstalt gewirkt und derselben fortwährend eine edle Theilnahme schenkt, die nöthige Sorge tragen und so das große, heilige Werk seines Schwiegervaters fortsetzen; für die Letztere besitzt das Institut bereits eine sehr rüstige junge Kraft in dem rühmlichst bekannten Herrn Rabbiner Dr. F. Friedländer hier, der Fähigkeit und Sachkenntniß mit Eifer und Liebe für die Sache verbindet, wie er dies schon durch sein vierjähriges tüchtiges Wirken an hiesigem Orte zur Genüge bewiesen hat. Derselbe hat bei Gelegenheit der projektirtcn Stiftungsfeier eine eigene historische Denkschrift über den Verein hcrausgcgeben, in welcher nicht nur die pekuniären und äußeren, wie inneren Verhältnisse der Schule und deren bisherige, schöne Wirksamkeit übersichtlich dargestellt werden, sondern die auch schon die beachtcnswerlhesten Winke für die Zukunft und die Reorganisation der Anstalt enthält. Schon der gute Zweck des Werkes, dessen Reinertrag dem Vereine gewidmet ist, welcher eine solche Unterstützung immer bedarf, dürfte demselben die weiteste Verbreitung sichern, auch abgesehen von dem für jeden Menschenfreund, und für jeden Israeliten insbesondere interessanten Inj halt. Ich lege Ihnen ein Exemplar der mir dieser i Tage zugekommenen Schrift hiencben, um die Besprechung derselben in dem einzigen Organ der jüdischen Angelegenheiten, der AUg. Ztg. des Judenthums, Ihrer gewandten Feder zu überlassen. Wenn Sie, verehrter Herr Redakteur, auch für unser, unbestritten sehr wohlthätiges, der allgemeinsten Aufmerksamkeit würdiges Institut Ihre Stimme erheben, so wird das gewiß von Nutzen sein. Magdeburg, 23. September. (Privatmitth.) Am 19. September, Nachiniltags drei Uhr fand hier die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge statt. Es interessirt dies um so mehr, als vor 1807 hier kein Jude wohnen durfte, von da ab die Gemeinde nach und nach heranwuchs, die außerordentliche Kostbarkeit des Grund und Bodens in der engen, volkreichen und durch die kräftige Industrie höchst belebten Festung der Gemeinde die Erbauung eines ihr eigengehörigen Tempels unmöglich gemacht hat, und jetzt endlich, da von den städtischen Behörden der Grund und Boden zu sehr begünstigenden Bedingungen der Gemeinde überlassen worden, diese zum Bau schreiten konnte. Wahrend an der einen Seite ein stattliches Gemeindehaus von 9 Fenstern Front für die Religionsfchule, Gemeindesaal und Amtswohnungen bereits vollendet steht, wurde am obigen Tage der Grund zur Synagoge gelegt. Es erschienen der Regierungspräsident Robbe, der Landrath v. Gerhard, mehrere Stadträthe, mehrere Stadtverordneten u. s. w., der Vorstand, die Gemeindevertreter, die Baukommission und ein sehr zahlreicher Theil der Gemeinde, so wie hiesiger Einwohner auf dem Bauplatze. Eine sehr angemessene Musik bildete die Introduktion, worauf folgende Verse gesungen wurden: Kling auf, mein Lied, zum höchsten Herrn Des Himmels und der Erden, Denn Seine Macht, von Stern zu Stern, Wohnt auch im Schooß der Erden. Und was wir bergen drunten ries. Es ist durch Ihn geborgen, Bald steigc's empor, wenn Er es rief In Seiner Gnade Morgen. Hierauf hielt llr. Philippson die Weiherede in folgender Weise: Mit Gottes Gnade beginnen wir, mit Gottes Gnade vollenden wir — Amen! Was der Mensch in den Schooß der Erde senkt, es ist, wie die Saat, die der Landmann in den durchfurchten und durchgrabenen Boden streut, immer zu gleicher Zeit die Frucht vorangegangener Anstrengung und die Hoffnung zukünftiger Ernte, aber ebenso sehr zugleich die Forderung weiterer bedeutender Arbeiten und die Bürgschaft göttlichen Beistandes. Der Stein, den wir hier der Tiefe der Erde übergeben, wie Vieles mußte voraufgehcn, bevor wir ihn als Grundstein eines neuen Heiligthums an diese Stelle legen konnten. Zu der Sehnsucht, die Jahrzehende in dieser