Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1850)
- Date
- 1850-09-23
- Page
- Seite 543 (sequence 7)
- Language
- German
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543 Rußland. „ Petersburg, 4. Septem be«. Se. Majestät der Kaiser hat eine Entscheidung des mit den Angelegenheiten der Israeliten beauftragten Kvmitös, das Tragen jüdischer Kleidung betreffend, genehmigt und Folgendes befohlen: Das Tragen einer besondern Kleidung ist den Juden vom 1. Januar 1851 an überall verboten; die Generalgouverneui« können jedoch in Fällen, wo sie es für nothwendiz halten, gegen Entrichtung einer bestimmten Abgabe bejahrten Israeliten, die über 60 Jahre alt sein müsse», gestatten, jüdische Kleidung noch ferner zu tragen. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Aus Pommern, km August 1850. Die politischen Stürme der verflossenen Jahre haben ausgetobt, es ist die Ruhe der Ermattung, des Sichverlorengebens eingetreten und wir werden uns nun wieder, getauscht und müde gehetzt, an di« einzige Macht, die bis jetzt in keinem Kampfe unterlegen, an die Religion, an unser Judenthum. Jedoch wilL ich heute nicht von der äußern Gestaltung desselben in unsrer Provinz berichten. Es ist da wenig Erfreuliche unter vielem, sehr vielem Widerwärtigen; wenngleich der Drang nach Verbesserung sich hier und dort Bahit bricht und auch an manchen Orten sich Geltung verschafft. Es ist vielmehr die Absicht meiner heutigen Mitthckimg, eine Abhandlung über die Moral des Jud-enthums im Vergleiche mit derjenigen des Christentums, welche von meinem würdigen Freunde, dem Rabiner Dr. Klein in Stolpe mir mitgetheilt worden, auch einem großem Publikum zugangig zu machen. Mein würdiger Freund wird mir dies hoffentlich verzeihen, nach dem Spruche des Weisen: 1^272 nü 2272n *!>«. Jedoch bin ich demselben die Bemerkung schuldig, >aß diese Arbeit schon im Jahre 1847 bei Gelegenheit M allgemeinen Landtages in Folge einer Unterhaltunz des Verfassers mit dem Landtagsabgeordneten v. Gotcherg verfaßt worden, also für ein größeres Publikum eigentlich nicht bestimmt ist. W c 1 in y. „Ln seinen Göttern malt sich dev Mensch!" Schiller. Das Judenthum, das alt und stark, wie die Pyramiden Egyptens, auf mehr als vier Jahrtausende herabschaut, hat größer und erhabener, als diese Kunstwerke aus Menschenhand, die Geister der Nachwelt auf sich gezogen; denn es hat seine himmlische Abstammung dadurch hinlänglich bewährt, daß es durch alle Jahrhunderte seine Anhänger erhielt, und aus allen Brandungen der Sturmfluthen, welche auf seine Bekenner hereinbrachen, sie emporhob und emporhielt. Daß Solches nur in seiner inner« Macht, in seinem Geiste und seiner eigenthümlichen Würde lag, leuchtet genugsam daraus hervor, daß gerade es diejenige Religionsform aussprach, die nicht bloß während der Herrschaft des Heidenthums eine durchgängige Opposition bildete, und wenn auch weniger politisch angefeindet, doch keine geistige Verwandtschaft fand und sich nie mit den Ideen der anderen, heidnischen Völker befreunden konnte, sondern die auch nach Entstehung des Christenthums, das doch ursprünglich aus ihr herauswuchs, nur zu bald durch das Letztere, oder vielmehr durch dessen Träger und Bekenner in eine ihm ungewohnte, unnatürliche Stellung gedrängt wurde, wahrend zu erwarten gewesen war, daß Beide auf Einem Stamme wachsend sich hätten verständigen und vereinigen müssen. Doch es soll hier nicht die Untersuchung geführt werden, warum diese Vereinigung unterblieb, und wie vielmehr durch die spatere, allmatigeKonzentrirung des Judenthums und seine enge Umgrenzung seiner schriftlichen und mündlichen (geoffenbarten und traditionellen) Lehre einerseits, und durch die spatere, allmälige Erweiterung des Lehr- und Dogmenbegriffes der christlichen Kirche, zugleich gestützt durch den äußern Anwachs der bisher heidnischen, politischen Macht andererseits der Riß ein immer größerer und bis auf heute unausfüllbarer geworden ist (dies bliebe der Kirchengeschichte beider Konfessionen zu erörtern); sondern darauf richte sich hier der Beweis, daß, was so lange Zeit, was viele Jahrhunderte hindurch, was fast bis auf den heutigen Tag dem Judenthume die Bahn einer größern, würdigern Anerkennung im Reiche des Geistes, wie seinen Bekennern im Reiche der Politik verschloß, ohne Zweifel nur die Unkenntniß (und darum das Mißtrauen) der Gegner in der bezeichneten doppelten Lehre des Judenthums verschuldete. Es gab einst eine Zeit der krassesten Unwissenheit (die des Mittelalters), wo ein Geistlicher (also Einer aus der