Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1850)
- Date
- 1850-09-23
- Page
- Seite 542 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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542 israelitischen Kultus zu errichten, zur Ausführung brächte. Es ist heute, den 30. August, wo die Einweihung dieses Tempels stattgefundcn, der vermittelst der Gaben der Frömmigkeit und der Unterstützung der Stadt und der Regierung erbaut worden. Das neue Bauwerk ist groß, erhaben, umgeben von zwei Reihen von Tribunen, mit einem Plafond darüber, der an der, der Eingangspforte gegenüber befindlichen Seite in eine skulptirte Wölbung endet, unter welcher das Tabernakel, das von einer prächtigen Draperie aus rothem Sammet, der mit Stickereien in Gold bedeckt ist, und auch die Zehnworte in goldenen Lettern enthält, verhüllt wird. Die Fenster dieses Heiligthums sind durch gemaltes Glas von einer hübschen Wirkung geschlossen. Obgleich die Zeremonie um ein Uhr Mittags stattfand, waren alle Lüstres angczündet, wie auch der Kandelaber mit neun Armen, der dem Tabernakel gegcnüberstcht. Die Synagoge war schon gefüllt, als die Behörden eingeführt wurden. Der Präfekt, begleitet vom ganzen Präfekturrath, vom Maire und dessen Gehilfen, der General Randon, der General von Tournemine, der General Kommandant der Kriegsschule, der Generalprokurator, eine große Menge Offiziere, Beamte, angesehene Bürger wurden an die für sie bestimmten Plätze geführt; der Generalrath hatte seine Sitzungen suspendirt, um sich zur Synagoge zu begeben. Die Damen waren nicht vergessen. In erster Reihe sah man die Gräfin von Saint-Marsault mit ihren Töchtern und Frau von Gerando. Zur bestimmten Zeit kam ein Zug, dem die mit reichem Schmuck versehenen Gesetzesrollen vorgetragen wurden, beim Eingang der Halle an, wo das Chor, die Vorsänger und eine große Zahl weißgekleideter, Körbe mit Blumen tragender Mädchen, die Blumen streuten, erwarteten. Alsbald ließ eine hallende Musik Fanfaren ertönen, die Truppen präsentirtcn, die Trommeln wirbelten: die Bewegung der Israeliten, stolz auf ihren Tempel, glücklich sich darin vereinigt und glaubensstark zu finden, war sichtlich und tief; dieser Augenblick war sehr feierlich. Die Psalmen Davids, mit Begleitung gesungen, setzten in ihren hebräischen Lauten die in Erstaunen, deren Ohr nur an die lateinische Psalmodie gewöhnt ist. Die Melodie war sehr schön, sehr akzentuirt, sehr religiös. Der Zug der Personen, welche die Bücher Mosis trugen, war durch den Großrabbinen des Zentralkonsistoriums, den Großrabbinen von Metz und den Großrabbinen von Dijon geleitet. Man bemerkte den Eifer, mit welchem die Israeliten, die nahe standen, die reiche Bekleidung der heiligen Bücher berührten und ihre Finger dann zu den Lippen führten. Die Ehrfurcht vor heiligen Gegenständen ist eine Tugend. Der Großrabbine des Zentralkonsistoriums, der von Paris gekommen, und der Großrabbine von Metz hielten Reden zur Feier des Tages. Wir bedauern, daß die Entfernung, in der wir uns befanden und die schwache Stimme der Redner uns verhinderte, ihre Worte zu verstehen. Wir glaubten zu verstehen, daß der Großrabbine von Metz zum Schluffe auf die Vereinigung aller guten Menschen drang, und das Lob des Präfekten des Moseldepartements aussprach. Ein große Zahl religiöser Gesänge wurde sehr gut ausgesührt, und die Zeremonie endigte durch die Ertheilung des Segens. Wir beeilen uns, um diesen Bericht über eine für uns neue Zeremonie nicht zu verspäten, die wir nur als Zuschauer zu beurtheilen vermögen. Sie warsehr schön, wohl geordnet, bisweilen imposant. Die Anwesenheit der arabischen Häuptlinge, die noch in unserer Stadt weilen, und ihre tiefe Aufmerksamkeit auf Alles was sie sahen, wurde bemerkt. Nach der Zeremonie gab der Präsident des Konsistoriums ein großes Mahl, welchem der Präfekt, der Maire, der Baumeister des Tempels, mehrere Mitglieder der Akademie und die angesehensten Israeliten beiwohnten. Dieser Tag wird eine große Erinnerung zurücklassen und ein merkwürdiges Datum in den Annalen unserer Mitbürger sein; wir bringen ihnen unsere Glückwünsche. Italien. Ankona, 24. August. Das 8. uflicio ilella inquisizione in Ankona hat ein Zirkular erlassen, dem zu Folge alle Mägde unter 35 und alle junge Männer unter 25 Jahren, die in israelitischen Häusern Dienste leisten, dieselben binnen Monatsfrist verlassen müssen. (Ankona liegt im Kirchenstaate!)