Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1850)
- Date
- 1850-09-23
- Page
- Seite 541 (sequence 5)
- Language
- German
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541 gegen die sich alle Stimmen nicht laut genug erheben können. Wir theilen darüber folgenden Artikel des „Lloyd" mit: Die letzte Sitzung des abtretenden Stadtverordnetcnkollegiums war in mehrfacher Beziehung von Interesse. Auf der Tagesordnung war die Anschlußfrage der Josephstadt an die Stadlgemeinde, die aber nicht zum Abschlüsse kam; sondern es wurde, nachdem die Herren Haklek, Dr. Pinkas und Dr. Horacck ihre Bedenken vorgebracht, beschlossen, den Gegenstand dem antretenden Kollegium zur Erledigung zuzuweisen. Ein solches Ablehnen, nachdem das Kollegium in früheren Sitzungen sich ohne alle Noth mit der Erledigung befaßte, dürfte Manchen befremden, allein wir glauben den wahren Grund errathen zu haben, der heute Dr. Pinkas dazu bewogen hat, den Antrag zu stellen, die Erledigung des Gegenstandes zu verschieben. Es gilt der Partei des Herrn Dr. Pinkas vor Allem das antretende Kollegium so rasch als möglich unpopulär zu machen, wozu die Anschlußfrage die beste Gelegenheit zu bieten scheint. Die Männer der czcchischen Partei werden nämlich in Bezug auf die Anschlußfrage Anträge stellen, von denen sie im Vorhinein überzeugt sein dürfen, daß sie das Kollegium nicht billigen wird. Da aber die Anschlußfrage in nichts anderem besteht, als daß eine Summe Geldes genannt wird, welche die pragcr Judengemeinde zu zahlen hat, so dürfte die czechische Partei auch außerhalb des Kollegiums auf starke Sympathien rechnen, und in dieser Weise hofft man vielleicht Boden zu gewinnen, um gegen das neu antretende Kollegium zu operiren. Es wird hier alles darauf ankommen, wie sich die Presse in dieser Frage benehmen wird. Wird sie es nicht versäumen, sowol die Motive, welche die czechische Partei bei ihren Anträgen leitet, als auch die Anträge selbst gehörig zu beleuchten, so erwarten wir von dem gesunden Sinne der Bewohner Prags, daß das Manöver der Czechen mißlingen werde. Um aber nachzuweisen, daß die czechische Partei wirklich nichts anderes beabsichtigt, als das Unmögliche zu beantragen, will ich beispielsweise bemerken, daß Herr Dr. Horacek bereits gestern beantragte, der Josephstadt keine Terminzahlungen zu verwilligen, sondern die ganze enorme Summe auf einmal abzuverlangen. Ein ähnlicher Antrag dieser Art ist, den jüdischen Kirchhof nicht der Kultusgemeinde zu überlassen, weil die pl-iger katholischen Kirchen wegen Verschönerung der Stadt auch die Kirchhöfe kassi'ren mußten. Der alte silbische Kirchhof wird als Solcher vielleicht seit einem Jahrhundert nicht mehr benützt; aber er enthält Denksteine, die noch über die Periode der Erbauung Prags zurückreichen dürsten. Er ist eine wahre historische Merkwürdigkeit Prags und nicht der letzte in der Reihe. Keiner von den vielen Fremden, welche nach Prag kommen, wird es versäumen, diese althistorische Stätte aufzusuchen. Dieser Kirchhof soll nun zur Verschönerung'der Stadt mit einigen Zinshäusern bebaut werden. Das wäre in der That ein Vandalismus wie wir am Wenigsten von jenen beantragt zu höcm fürchten dürften, die nicht Worte des Schmerzes und des Unwillens genug finden können, wenn das unbedeutendste slavische Baudenkmal auf dem kleinsten böhmischen Dorfe Schaden erleidet. Von den Lzechen, die doch gerne so weit mit ihrem Bewußtsein zurückgehcn, hatten wir mehr Achtung von den Denkmälern der Vorzeit erwartet. Vielleicht will man den alten jüdischen Friedhof deshalb vernichten, weil ti Zeugniß ablegt, daß Juden und Slaven wenigste»s gleichzeitig in Böhmen eingewandert sind, um sie wie die Deutschen als Kolonisten einer spätem Zeit zu erklären. Herr Pinkas stellte am Schluffe der Sitzung noch den Antrag, eine Kommission zur Ausarbeitung einer Denkschrift zu ernennen, welche die Wirksamkeit des abtretenden Kollegiums darstellen und durch den Druck veröffentlicht werden soll. Der Antrag wurde angenommen und die Herren vr. Pinkas, Fryc und Horacek, ferner die Herren Jaros und Hanke als Kommissionsmitglieder erwählt. Zuletzt verliest Herr Jaros eine an das Kollegium gelangte gerichtete, von 500 Mitgliedern gezeichnete Vertrauensadrcsse. Einige Skandale dieser Sitzung erlauben Sie mir lieber ganz zu übergehen. Frankreich. Metz, 30. August. (Inclep. de la Moselle.) Es war iwi Jahre 1848, in der unglücklichen Zeit, wo alle Arbeiten aufgehört, die Arbeiter zu einem erzwungenen Feiern verurtheilt, alle Geschäfte gelähmt waren, als das israelitische Konsistorium von Metz die glückliche Idee hatte, die Thätigkcit der Arbeiterklasse anzuregk tt, indem es den, seit langer Zeit beschloffenen Entwmf, einen großen Tempel dem Gebrauch des