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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-23 · Heft 39 (23.9.1850) · p. Seite 539

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 39 (23.9.1850)
Date
1850-09-23
Page
Seite 539 (sequence 3)
Language
German
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589 wickelter Prozesse «ttb eine bedenklich« Beeinträchtigung des religiösen Sinnes eintreten sollen. Berlin, 15. September. G rivatmitth) Man kann enragirt für Simultanschulm sein, wird aber doch zugeben, daß, sobald der Staat die öffentlichen Schulen zu strengkonfessionellen ril»cht, ja ihnen die orthodoxeste Richtung aufprägt, d«s Judcnthum sich selbst opfern würde, wenn es seine Schule nicht sicherte. Es ist nicht mehr fraglich, daß in unserm Staate gerade die Schule der Pb»tz sein wird, wo aller Widerstand gegen die strenMrchliche oder pietistische Richtung mit Macht niedergiworfen werden soll und wird, wo die strenge Kirchlichkeit siegreich einziehen wird. Man wird selbst d-ie Kirche laxer gestalten, desto strenger die Schub. Wir wollen hier nicht untersuchen, ob dies recht od» unrecht; die Tragweite dieser Bestrebung soll uns nur soweit beschäftigen, wie das Judenthum dabei betheiligt ist. Die jüdische Schule bekömmt hierdurch eine positivere Stellung, sie erhalt dadurch logisch md staatsrechtlich die vollste Berechtigung, und kann demnach dem Staat zu Leibe rücken, ihr ein gesetzliches Verhältniß zu geben. Ich muß es daher als rnscne Meinung aussprechen, daß die jüdische Schule nicht eher irgend eine Forderung, eine Petition an das Ministerium oder die Kammern richte, als bis die Fassung des Unterrichtsgesetzes im Entwürfe und die ehngefähre Richtung der Kammern über diesen Punkt Letztere wird wol so ziemlich jenem analog sein - bekannt geworden. Bis dahin wäre Alles nur Hieb« in blaue Luft, die sehr leicht mit einigen Worten höflich abgewiesen werden könnten. Erst wenn das Unlarrichtsgesetz bekannt ist, haben wir bestimmten Boden unter den Füßen. Hanau, 30. August. VvkScstern hat hier die Einweihung der neuen katholisch«« Kirche durch den Bischof von Fulda stattgefunden, zu welcher Feierlichkeit sämmtliche hiesige Geistliche außer dem deutschkatholischen Prediger und dem Rat l>iner geladen waren. Oesterrelchischer Kaiserstaat. Wien, 25. August. Das Franks. Journ. enthält folgenden Artikel von hier Ws: Daß die rechtliche und politische Gleichstellung der Juden auch in Oesterreich national geworden, beweisen die vielen Wahlen derselben in die Gemeindeämter. — Demohngeachtet ist nach der Versicherung des Unterrichtsministers selbst an eine Anstellung der Juden als Lehrer an den höheren Unterrichtsanstalten nicht zu denken, da diesem der entschiedenste Widerspruch Seitens der jene Anstalten beaufsichtigenden Kirche entgegengesetzt wird. Aus diesem Grunde ist erst kürzlich das Anstellungsgcsuch des Verfassers der „Deborah" zurückgewiesen worden. Hingegen stößt die Beförderung der Juden in den übrigen Zweigen der öffentlichen Verwaltung auf keinerlei Hindemiß. — Mehrere österreichische Rabbiner alten Schlags hatten kürzlich einen Kongreß hier, in welchem sie beschlossen, gleiche Befugnisse, wie die Geistlichen der katholischen Kirche, zu beanspruchen. An der Spitze dieser Kongregation steht der wohlbekannte Landrabbiner Hirsch in Mähren. Wien, 9. September. Der Vorstend der hiesigen israelitischen Gemeinde hat zum Bau eines neue» Tempels in der Stadt das Haus No. 487 (das sogenannte Zwetschkenkramerhaus) für mehr als JOt^OOOfL angekauft. Wien, 11. September. Die „Oesberr. Korrespondenz" meldet: Eine Deputation, bistehend aus den ältesten und angesehensten Rabbinen Ungarns, hatte die Ehre Sr. Maj. den Kaiser am 2. September in einer Audienz eine Denkschrift zu überreichen, worin die Bitte gestellt wird, daß sämmtliche Rabbiner aus dem Kronlande Ungarn eine Synode aus ihrer Mitte wählen dürfen, die über ihre zerrütteten religiösen Verhältnisse berathen, und zugleich die Weg« bezeichnen möge, wie diese verderblichen Wirren und Spaltungen auf friedlichem Wege zu ordnen wären; daß diese Synode zu diesem Zwecke auf allerhöchste Anordnung einberufen werde, und als Solche in der k. Krönungsstadt Preßburg zu ihren Berathungen zusanunentrctc, und daß endlich diese Synode nach ihrem Zusammentritt ermächtigt werde, eine eigene Kommission von mindestens sieben Mitgliedern zu ernenne«, welche in der Folge die Rabbinatsprüfungen vorzunchmen hätte, die ihr, bis ein definitives Prüfungsstatirt festgestellt ist, ausschließlich anvcrtraut blieben. Aus Ungarn, im September. Die Reformgenossenschaft der pesther Israeliten hat, wie man der

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