Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-16 · Heft 38 (16.9.1850) · p. Seite 532

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 38 (16.9.1850)
Date
1850-09-16
Page
Seite 532 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225660-3225699--11265-3241363
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

532 rind Sprachvermögens stehen", d. h. ungefähr bis zum 11. Lebensjahre. Zu diesem Zwecke ist das vorliegende Heftchen aber ganz vorzüglich. Die Lehren sind in richtig geordneten, in gedrängter, aber der kindlichen Stufe höchst angemessener Sprache abgefaßten Sätzen vorangestellt, worauf Bibelsprüche und Berschen folgen. Alles, was auch stofflich dem Kindesatter unangemessen ist, hat der Verfasser weggelassen. Wir machen die Lehrer ganz besonders auf dieses Schriftchen aufmerksam, und bedauern, daß wir nicht schon früher Einsicht davon genommen. — öwa ftüi-n rnaa Biblisches Spruchbuch zum Religionsunterricht in Israelitischen Schulen von L. M. Haine b ach, Pcivatlehrer. Rödelheim, 1850. 207 S. Auch bei diesem Werke haben wir die Befriedigung, ein gutes Schulbuch anzeigen zu können. Unter geeignete Ueberschristen sind eine große Menge Schriftstellen geordnet, und in hebräischer wie deutscher Sprache mitgetheilt, also Text mit gegenüberstehender Uebersetzung. Wir können den Gedanken des ganzen Werkes und die gute Fülle dessen, was uns geboten wird, nur anerkennen. Nur zweierlei Forderungen hatten wir noch zu stellen gehabt: 1) daß die Stellen, sowol dem Sinn als der Sprache nach, innerhalb der einzelnen Rubriken stufenweise und ansteigend geordnet worden, und 2) daß ein Wörterbuch hinzugesügt, oder kurze grammatikalische und lexikalische Anmerkungen — wie in den französischen und englischen Ausgaben leichterer Klassiker der Baumgartner'schen Verlagshandlung — was um so nöthiger war, da die Stellen aus allen Theilen der Schrift, also auch den schwierigsten, entlehnt find. (Schluß folgt.) Belletristisches. Der Schlemichl. Eine Skizze aus dem Leben. (Fortsetzung und Schluß aus No. 23. 2 1. 20, 28. 31.) 10. Schlemkehl war also fort. Ein halbes Jahr war vergangen; da war er wieder da. Die ganze Stadt durchlief das Gerücht wie ein Lauffeuer: Schlehmiehl ist wieder da. Und Jeder setzte hinzu: der wird fehlen. Allerdings war er sehr verändert. Er trug fast feine und anpassende Kleider; er war männlicher geworden, und ein struppiges Bärtchen um Kinn und Wangen hervorgeschossen; auch seine Haltung gerader und sicherer. Aber das Haupt war ihm gebeugt und die Wangen waren eingefallen, der Blick stier, wie nach innen gewandt, er war sehr abgemagert. Schlemiehl mußte einen großen Schmerz in seiner Brust tragen. Doch fragen wir erst, warum er zurückgekehrt? In vertrauten Stunden hat er es mir nach und nach mitgetheilt. Er war mit dem Doktor nach N. gereist. Wie war ihm das Herz beschwert, als er aus dem Thore fuhr, als er nach und nach eine bekannte Landschaft nach der andern — jede flüsterte ihm eine Erinnerung zum Abschiede zu — hinter sich ließ. Als er aber einmal über die Grenze seines Vaterlandchens hinausgelangt und die Neuheit der Gegenden und Ortschaften ihren Reiz auf ihn ausübte, die bequeme Weise zu reisen, die Achtung, die ihm erwiesen ward, ihn erhob — da schlug sein Herz jugendlich auf, und aus feinem Innern schossen Blüten in die Höhe, die bis dahin ungeahnt waren. Die Familie des Doktors sah mit Verwunderung auf ihn, wie beredt er sprach, und wie gewandt er sich benahm. Der Gedanke an diese Reisetage blieb ihm als sein beglückendstes Eigenchum. Endlich langten sie an. Er wurde, nach Verhaltniß dessen, was ec gewohnt war, kostbar einquartirt, denn er bekam ein Stübchen mit dem Nothwendigsten wohl versehen. Die ersten Wochen blieb er sich selbst überlassen. Denn den Doktor erwartete eine Ueberlast von Geschäften, und Frau und Tochter hatten Besuche zu machen und zu empfangen. Unser Held benutzte seine Freiheit, um die große Stadt und deren reiche Umgebungen zu durchstreifen und kennen zu lernen. Endlich ließ ihn eines Morgens sein Wohlthater rufen, und sprach zu ihm: „Mein Junge, jetzt ist die Zeit des Müßigganges vorbei, und wir müssen uns zur Arbeit entschließen. Willst Du? Schnell und eifrig erfolgte eine bejahende Antwort. „Nun wohl, ich erwartete nichts Anderes. Du weißt, ich habe die Absicht, Dich zum Chirurgen zu bilden. Ist das auch Dein Wille?" Auch dies ward bejaht. „Schön. Ich muß Dir aber sagen, daß ich ein Praktiker bin, und gern Alles praktisch angreise. Ich halte es daher nicht für gut, wenn ich Dich hinsetzen und Bücher studiren ließe, die Du nicht verstehst; sondern Du

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.