Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 38 (16.9.1850)
- Date
- 1850-09-16
- Page
- Seite 526 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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326 in suspenso, da das künftige Verhältniß zwischen der Stadt und dem allgemeinen Krankenhause überhaupt noch nicht entschieden ist, die unentgeltliche Armenkrankenpflege aber hier auf alten Fundationen beruht, welche die Frage verwickelt, und mancherlei Vorarbeiten zu deren Lösung unentbehrlich machen. Die Stadt würde dann das jüdische Spital zu einem städtischen Filiale umgestalten, und hinsichtlich der unentgeltlichen Armenkrankenpflege reziproke Einrichtungen treffen. Von der Erlagssumme werden der Schätzungswert!) einiger Gemeindehäuser und Dubiosen, welche die Stadt von der Judengemeinde zu 60 pCt. übernimmt, in Abschlag gebracht, der Rest unter die Mitglieder der Kultusgemeinde zur Zahlung reparlirt werden. Es wird sich daher die Kommission, um die Sache zu beschleunigen, mit der Bitte an die Regierung wenden, die Konstituirung der jüdischen Kultusgemeinde baldigst anzuordnen und vornehmen zu lassen. Morgen soll der große Bürgerausschuß zusammentreten, um über diesen wichtigen Kommissionbeschluß zu berathen. Ohne Zweifel wird derselbe dort unverändert ratisizirt werden, an einer definitiven Genehmigung von Seite der Statthalterei dürfte es dann auch nicht fehlen. Die Zur. vootores Porth, Roskoschny, Wiener und Hönigsbergcr wurden zur Verfassung des nöthigenRechtsinstrumentes designirt. Kommenden Freitag tritt die Kommission noch ein Mal zusammen, wahrscheinlich um den Vertrag schriftlich abzu schließen. Austerlitz, 31. August. (Privatmitth.) Drei Hauptmomcnte, welche letzterer Zeit hier stattgefunden, und deren Veröffentlichung in Ihrem geschätzten Blatte gegönnt sein dürfte, veranlassen mich, Sie um die Aufnahme dieser Zeilen zu bitten. Am 1. Juli wurde hier, so wie in allen Kirchen und Synagogen Mährens, wo Bezirksgerichte eingesetzt sind, deren Einweihung auf eine sehr imposante und solenne Weise gefeiert. Der erst jüngst nach neuem Slil erbaute Tempel ward elegant ausgestattet, und festlich beleuchtet, es wurden im Beisein der Ossiziere der Nationalgarde und der hier stationirten Garnison, der Geistlichen und der Bezirksgerichtsbeamten mehrere hiezu angemessene Choralgcsänge vom Kantor Schwarz, der, was Gesang und Stimme betrifft, in Mähren, seines Gleichen sucht, vorgetragcn, und Rabbiner Dusch ak hielt eine ausgezeichnete Jnstallationsrede, welche den größten Beifall gefunden hat. Am 1. August ging in Folge der am 26. Juli stattgefundenen Gemeindewahl, wo es zwei Philistern von altem Schrote und Korn gelungen war eine vom finstern Aberglauben und fanatischer Wuth erfüllte Majorität gegen die Verschmelzung der Gemeinden zu stimmen, die Wahl des Jsraelitengemeindevorstandes, und unmittelbar darauf die Eidesablegung vor sich, bei welcher Gelegenheit der wackere Prediger eine sehr passende, treffende Rede in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums hielt. Der 18. August endlich, der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers, zog eine außergewöhnliche Menge von den Schwcstergemeinden herbei. Der Tempel wurde mit den Nationalfarben dekorirt. Das Bild Sr. Majestät des Kaisers jthronte mit geschmückter Glorie über der Bundeslade und unter starkem Mörserhall ging der feierliche Akt bei einer Menschenmenge, wie sie nur das Gotteshaus fassen konnte, vor sich. Daß die hierbei abgehaltene Predigt *), die gehoffte Wirkung nicht verfehlte und die Zuhörer inspirirte, bewies der anwesende k. k. Artilleriehauptmann, indem er den Herrn Rabbiner Duschak nach geendigter Predigt herzlich küßte. Der Wunsch, den kleinen Theil einer Orgel, welcher zur Abrichtung des Chores angeschafft wurde, bei dieser Feierlichkeit mitharmoniren zu lassen, konnte nicht verwirklicht werden, da es an einem Spieler fehlte. ' Die hebräisch-deutsche Schule, welche hier seit einem halben Jahre unter Leitung und Aufsicht des Herrn Rabbiner Duschak besteht, ist nun mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt. Wolle Gott, daß sie sowol als alle löblichen Institutionen der hiesigen Gemeinde auf's Musterhafteste gedeihen, und den Nachbargemeinden zur Nachahmung dienen möge. Jonas Tintner. Pesth, 5. September. (Privatmitth.) Erwarten Sie von mir heute keine Detailsnachrichten, obgleich deren wol eine ganze Menge zu geben wären. Aber sie Alle haben keinen entscheidenden Charakter, und den Werth verloren, so wie man sie ausgesprochen. Die Bewegungen, die bei uns stattfinden, sind *) Alle drei Predigten werden gedruckt erscheinen und sind bereits der Presse übergeben worden.