Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1850)
- Date
- 1850-09-09
- Page
- Seite 519 (sequence 11)
- Language
- German
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519 Händen der Laien liegt, welche in den Gemeinden, wo der Kandidat als Rabbine fungiren soll, als die Reichsten die vorlauteste Stimme führen. Wie könnte nun ein solcher Religionslehrer, die augenfällige Schöpfung ihrer Protektion, es auch nur wagen, während seiner Fungirung ihren Willen, so oft derselbe einer moralischen oder religiösen Befferung bedarf, zu lenken, ohne zu befürchten, nach den so schnell ablaufenden drei Jahren, bei der nächsten Rabbinerwahl ihrer Gunst verlustig zu sein? Ir) Bei dem Umstande, daß der Rabbine aus Mangel eines fixen, ausreichenden Gehaltes stets gezwungen ist Geschenke von den einzelnen Gemeindegliedern anzunehmen, um sein Auskommen leidentlich zu erschwingen. Dieser Umstand bringt den Rabbinen mit aller Gewißheit um alle Achtung und benimmt seinem Worte (wenn er etwa noch Muth hat, es zu verlautbaren) jede Kraft. Damit jedoch dem Rabbinen die Erfüllung seiner wichtigen und heiligen Pflichten gegen Gott und gegen den Monarchen, ja selbst gegen seine Gemeinde ermöglicht werde, was nur durch gänzliche Aufhebung der beschriebenen Abhängigkeit geschehen kann — so bittet untcrthänigst Gefertigter: Ein hohes k. k. Ministerium geruhe, den in diesem Gesuche ehrfurchtsvoll entworfenen Plan unserm erhabenen Monarchen zur allergnädigsten Genehmigung zu unterbreiten, damit fortan 1) die Rabbinerwahl in die Hände von fähigen, einsichtsvoller, gewissenhaften und geschworenen Männern gelegt werde; 2) daß die Anstellung des Rabbinen auf lebenslänglich Dauer habe; und 3) daß der Gehalt des Rabbinen bemessen, auf die Gemeinde repartirt, und von derselben ämtlich erhoben werde. Und sollte schließlich Ein hohes k. k. Ministerium diese ehrfurchtsvolle Bitte gnädigst gewähren; so wird der untcrthänigst Gefertigte sich glücklich schätzen, die Aufmerksamkeit des hohen Ministeriums auf eine wichtige Verbesserung im Staate ehrfurchtsvoll gelenkt zu haben." Hohenems, 14. August. (Privatmitth.) Montags am 12. d. fand hier bei der als selbstständig konstituirten Jsraelitengemeinde der feierliche Wahlakt des Bürgermeisters und der Gemeinderathe in Anwesenheit des k. k. Herrn Bezirkshauptmanns von Feldkirch statt. Die hohe Bedeutung dieser Wahlhandlung ward wohl erkannt und gewürdigt, dahe« auch nur sehr wenige Wähler ausbliebcn, und dermoch wurde mit der größten Einmüthigkeit und Eintracht die Wahl vollzogen, und das Vertrauen ihrer Mitbürger berief die Herren: 1) Philipp Rosenthal, Fabrikbesitzer, zum Bürgermeister; 2) Samuel Men;, Hauptagerit der k. k. adriatischen Versicherungsgesellschaft zu Triest, zum ersten Gemcinderath; 3) Em. Brettauer, Besitzer ein er Lederfabrik, zum zweiten Gemeinderath. Männer von Freisinn, Vaterlandsliebe und Anhänglichkeit an unsere konstitutionell« Regierung; Männer, in deren Hände das Wohl der Gemeinde zum Trost und zur Freude aller ihrer Mitglieder mit vollem Rechte gelegt werden konnte, da dieselben bereits schon seit geraumen Jahren der Gemeinde mit Rath und That Ersprießliches leisteten. Auch in den Mitgliedern des Ausschusses (5 andere) wurde mit Einhelligkeit Intelligenz und praktische Erfahrung berufen. Nach vollzogener Wahl begab men sich in den israelitischen Bettempel, wo die Ne» erwählten vor dem Tabernakel den Amtseid ablegten. Nachdem der Sängerchor einen feierlichen Psalm algesungen, hielt der Herr Rabbiner Dr. Ehrmann ein« begeisterte und sehr anregende Rede an die Herren Eidleistenden, welche durch das beredtsame Wort des b-cgabten Predigers, der den Ernst und die Wichtigkeit des Tages sowol als ihre neuen Pflichten treffend hervorhob, bis zu Thränen gerührt wurden; eine R« hrung, die sich nicht nur Schwörenden, sondern auch aller Zuhörer aus verschiedenen Konfessionen bemächtigte. Zum Beschlüsse dieser religiösem Feierlichkeit wurde im Choräle die Kaiserhymne gesungen, und vom Herrn Rabbiner unserm Kaiserhaus«, dem hohen Ministerium k., dem anwesenden Herrn Bezirkshauptmann Honstätter, den beeidigten Gemeindeoertretern und allen in der Synagoge befindlichen Personen der Segen gespendet. Wir können nicht umhin zu Ende dieser kleinen Schilderung dem humanen Betragen unsers genann-