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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-09 · Heft 37 (9.9.1850) · p. Seite 517

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 37 (9.9.1850)
Date
1850-09-09
Page
Seite 517 (sequence 9)
Language
German
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dabei mitgewirkt. Schon lange vor dem Beginn der Feier 'waren die Raume von einem sehr zahlreichen Herren- und Damenpublikum, ohne Unterschied der Konfessionen, gefüllt, für die bei der jüdischen Gemeind« fungirenden Vorsteher, die Mitglieder der verschiedenen Kommissionen derselben, so wie endlich für die besonders eingeladenen Ehrengäste waren besonder« Plätze reservirt. Unter den Letzteren erwähnen wir besonders die Herren Bürgermeister Naunyn und den Stadtrath I)r. Beit, als Vertreter des Magistrats, den Stadtverordnctenvorsteher Seidel und Stadlv. Schäffer in Vertretung der Stadtverordnetenversammlung, den Regiergngsrath Lüdemann, in Vertretung des Polizeipräsidenten, dem Direktor der Singakademie Run gen Hagen, so wie noch mehrere musikalische Autoritäten. Gegen 10 Uhr erschien am Eingänge das Rabbinat, die Herren Oettinger, Rosenstein und vr. Sachs, Jeder eine mit frischen Blumen und Kränzen geschmückte Gesetzesrolle (Tora) tragend, unter Vorantritt des Kaufmanns Herrn S. M. Fränkcl, welcher durch die aufopferndste Thätigkeit sich um das neue Werk besonders verdient gemacht, geleitet von dem Gemeindevorstand und den bei dem Bau betheiligten Personen. Als der Zug die Schwelle des Gotteshauses betreten, empfing ihn unter Posaunenschall der von einem zahlreichen Sängerchor ausgeführte und in hebräischer Sprache gesungene Choral: „Willkommen Euch, im Namen Gottes, wir grüßen Euch vom Hause Gottes, Euch Alle segne Gott rc.", nach dessen Beendigung die Tora's in das ebenfalls festlich geschmückte Allerheiligste gestellt wurden. Hierauf folgte ebenfalls unter Musikbegleitung und in hebräischer Sprache die Aufführung einer Kantate, welche, wie alle übrigen Gesänge, von dem Unterkantor Herrn Louis Levy gedichtet, und von dem talentvollen Chordirigenten Herrn Louis Lewandowsky in Musik gesetzt war, und hatte der Letztere auch persönlich die Leitung der musikalischen Aufführung übernommen. Dichtung und Komposition, Aufführung und Begleitung entsprechen in jeder Beziehung allen gerechten Ansprüchen, die Dichtung sowol als die Komposition gaben nicht sowol ein lebendiges Zeugniß des künstlerischen Talents, als auch namentlich der Höhe der Idee und des Gedankens, mit welchem der Dichter und der Komponist die Weihe der Feier aufgefaßt und sich in ihr hineingelebt hatten. Hierauf (nach der Kantate) wurde von dem Kantor Herrn Lichtenstein — in hebräischer Sprache — mit gleichem Ausdruck und tiefem religiösen Gefühl ein von dem genannten Herrn Levy ebenfalls verfaßtes wahrhe st schönes Gebet vorgetragen. — Nachdem die Versammlung stehend dies Gebet vernommen und mitgebete« halte, bestieg der Rabbiner vr. Sachs die Kanzel zur Abhaltung der Festpredigt. Er leitete dieselbe mit einem Dankgebet gegen die Gottheit ein, welche dem redlichen, unermüdeten Streben einiger weniger für die heilige Sache erglühter Gemeindegliedcr, Kraft und Beistand verliehen, auf daß in so kurzer Zeit ei« würdiger Gottestempel erstanden und knüpfte hieran einen Dank an die Gründer und Beförderer dieses Werkes. In der Predigt selbst, welche sich um den TM: „Wie schön sind deine Wohnungen, o Gott" bewerte, setzte er auseinander, was ein Gotteshaus in Israel ist und sein soll, indem er ausführte, was ein Jsrmlrt in dem neuen Gotteshaus« hineinzubringen habe. Nicht sei man gekommen um den Bau und die äußere Zierde desselben zu bewundern. Der große prächtige Gottestempel in der heiligen Stadt Jerusalem, er fei zerstört, seine Prachtwerke seien von Menschenhand zertrümmert worden, doch die Lehre Israels, das heilige, ewige, unvergängliche Gotteswort, das sei geblieben, das habe Israel siegreich hindurchgetragen, durch die Tage des Elends und der Noth. Und jetzt, wo ein freundlicheres Geschick über Israel herangchrochen, jetzt, wo die Knechtung und Knechtschaft, d-erHaß und die Verfolgung der Menschlichkeit gcwichiA, jetzt sei es wieder die Gotteslehre, durch welche es seine Zukunft und seine Aufgabe zu lösen habe. W» der Drang nach jenem Gotteswort sich wieder lebendiger rege, da dürfe man voll froher Zuversicht in d ie Zukunft schauen und der Segen Gottes werde da nicht fehlen, wo Religion und Gottesfurcht herrscht. — Ein Schlußgesang endete die Feier, welche wol auf Jeden, der derselben beiwohnte, einen wahrhaft große« und erhebenden Eindruck gemacht und gab sich hierüber die allgemeinste Anerkennung kund. Namentlich wurde dem Herrn vr. Sachs und dem Dirigenten und Komponisten Herrn Lewandowsky vielseitig persönlich der wärmste Beifall ausgesprochen. G. L. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 29, August. Man schreibt der D. A. Z.r Ihr Blatt enthielt kürzlich die Nachricht aus Weimar, 87*

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