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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-09 · Heft 37 (9.9.1850) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 37 (9.9.1850)
Date
1850-09-09
Page
Seite 516 (sequence 8)
Language
German
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516 königl. Maj. vermöge höchster Entschließung von gleichem Datum, den Rang in der sechsten Stufe der Staatsdiener angewiesen. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne den Wunsch noch auszudrücken, daß bei der Neugestaltung der kirchlichen Zustände im Allgemeinen — welches Zeit und Umstände nothwendig erheischen — auch der israelitischen Kirche die Stellung zu Theil werden möchte, die ihr als ebenbürtiges Glied im Staatskörper gebührt. Denn trotz unserer kirchlichen Organisation vom Jahre 1831 giebt es noch viel zu verbessern. Frankfurt am Main, 29. August. (Privatmitth.) Die Angelegenheit der Rabbinerwittwenkasse hat den erwünschtesten Fortgang; die Statuten werden bald versandt werden. Das hiesige Komitö ist vom besten Willen beseelt; die Herren vr. jur. Mannhayn, Bankier C. S. Goldschmid und Grossist Louis Lottmar, Mitglieder desselben, sind Männer von ebenso viel Einsicht als Theilnahme für alles Gute, von denen sich das Beste für diese bedeutungsvolle Angelegenheit erwarten läßt. Der Friedenskongreß war eine großartige Erscheinung. Es waren an 600 Mitglieder hier, ein guter Kern für den einstigen Baum, unter dem die Völker ruhen werden. Man sprach viel vom Christenthum; Pfarrer Bonnet von hier sagte sogar im Namen des Stifters der christlichen Kirche den alten Spruch des Jesaias: „sie werden ihre Spieße zu Sicheln schlagen!" Es machte daher sehr günstigen Eindruck, daß der Rabbiner Stein vom Judenthume und seiner Friedensmission sprach. Sein Auftreten wurde von den englischen Mitgliedern (die nahebei 3/* der Versammlung bildeten) mit sehr großem Beifall, mit einem nicht endenwollenden Applaus ausgenommen, was natürlich insonders seinem Amte, unserer Religion galt, die bei den Engländern in großem Respekt steht, und ebendeshalb war diese Kundgebung so sehr erfreulich. Eis leben, 2. September. (Privatmitth.) Am 30. August wurde hier die neue Synagoge feierlichst durch Rabbiner vr. Philippson eingeweiht. Gereicht es der, aus circa 120 Seelen bestehenden Gemeinde zur Ehre, ein würdiges, sehr geschmackvolles Gotteshaus ganz aus eigenen Mitteln hergestellt zu haben, so kann andererseits die außerordentliche, herzliche und achtungsvolle Theilnahme der christlichen Mitbürger nur mit vieler Befriedigung hervorgehoben werden. Unter Anderm waren 8 christliche Geistliche im Ornate erschienen. Die Feier, die durch das ganze Sängerchor des Seminars unterstützt wurde und zu der der hiesige talentvolle Organist Klauer sehr tüchtige, ansprechende und erhebende Kompositionen geliefert, welche unter seiner Leitung präzis ausgeführt wurden. So war die Feier, in sich völlig gerundet und abgeschlossen, von tiefer Wirkung bei allen Anwesenden. Die Predigt des vr. Philippson wird im Druck erscheinen. Berlin, 20. August. Die L. C. von hier theilt mit: Die kürzlich in einer thüringischen Residenz vorgekommene Einsegnung einer Ehe zwischen einem Juden und einer Christin hat hier in einflußreichen kirchlich gesinnten Kreisen eine entschiedene Mißbilligung hervorgerufen. Auch in diesen Kreisen werden jetzt Stimmen laut, welche durch die definitive Einführung der Zivilehe solchen Vorkommnissen vorzubeugcn wünschen. Das sogenannte Toleranzedikt von 1847 bezieht sich nur auf Ehen zwischen Personen, die aus der christlichen Kirche geschieden sind, nicht aber auch auf Nichtchristen. —. In diesen Tagen wird die provisorische neue Synagoge feierlichst eingeweiht. Sie ist in sechs Wochen vollendet worden, und faßt 1700 Personen. Berlin, 2. September. Wir haben über eine wahrhaft erhebende Feier zu berichten, über eine Feier nicht sowol erhebend durch ihre innere und äußere Ausschmückung, sondern durch das Gefühl, durch den tiefen, innig religiösen Geist, die sie hervorgerufen und von Anbeginn bis zu Ende beherrschte. Wir meinen die am Sonntag früh 10 Uhr stattgehabte Einweihung der für den alten hergebrachten jüdischen Gottesdienst aufgeführten und eingerichteten Synagoge in der großen Hamburger Straße No. 11. Wenden wir uns zunächst zu der äußern Einrichtung des Gotteshauses, so ist dieselbe, zwar prunklos und bescheiden, doch nichtsdestoweniger würdig und angemessen einer geweiheten Stätte des Herrn und berücksichtigt man dabei, daß der Beginn und die Vollendung des Baues in noch nicht vollen zwei Monaten geschehen, so ist wahrhaft Wunderbares und kaum Glaubliches geleistet worden, durch die rastlosen, angestrengten Demühungen aller derjenigen Kräfte, welche geistig und materiell

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